Seit das Internet im Dezember 2006 mit 16MBit wieder in mein Leben trat, war der Fernseher für mich so gut wie abgemeldet. Ohne das kurz vorher abgelaufene Premiere-Abo und somit auch ohne frei ins Haus flatternde Fernsehzeitung wurde mir immer egaler, was wann lief. Inzwischen weiß ich von vielleicht fünf Sendungen die Ausstrahlungszeiten, verpasse es aber doch meist, mich zu gegebener Zeit vor das Gerät zu setzen. Auch egal. Google Video und noch viel mehr die Mediatheken der Öffentlich-Rechtlichen Sender, die im Internet zu finden sind (ARD/ARD Mediathek, ZDF, arte), tun ihr Übriges zum Fernsehverdruß.
Seit einigen Wochen nun hat sich der Popkulturjunkie aufgemacht, täglich fünf Fernsehtipps zu geben, und was soll ich sagen, außer: Danke!
Den ultimativen Sonntagspost, der eigentlich auch bereits drei Artikel mit Bild umfaßt, haben mir gleich zwei bezaubernde Damen geschenkt: Jette und Anne.
Hier also meine „most fuckable“ Menschen, die sich tätig in der Öffentlichkeit bewegen.
5. Auch wenn er etwas in die Jahre gekommen sein mag und das Gesicht früher mal nicht ganz so verrutscht aussah: Intellekt ist sexy. Und das eine Poster, damals, in der VISIONS, der Nacken mit Tattoos zum Aufklappen, erinnert sich wer? Henry Rollins.
4. Evan Seinfeld. Dieser Mann hat mir im zarten Alter von 18 mal einen Heiratsantrag gemacht. Nachdem wir uns eine dreiviertel Stunde unterhalten hatten. Tja, so sind sie, die Amis. Er war aber nüchtern! Die Bildersuche bei Google und ein kleiner Blick auf das Foto mit seiner Frau (hinter dem ersten Link auf der Wikipedia-Seite) offenbaren mir aber auch sehr deutlich, wieso ich (von den Klamotten der Damen neben ihm mal abgesehen, die sind großteils nuttig) in sein Beuteschema gepaßt haben könnte. Damals hatte ich immerhin lange Dreadlocks. Ähem.
Vielen Dank, liebe Frau Anne. Ich hätt da auch ein liebes Lied für Sie, thematisch ähnlich gelagert. Is ja nich so, als wäre der Mann an Ihrer Seite uns nicht ebenso willkommen:
Alles soll neu sein, aber der Streß ist der alte. Ich liebe Google, ja, das geb ich offen zu, denn der Feedreader von denen bewahrt mich davor, mich Hals über Kopf entweder in den Abgrund eurer Texte zu stürzen (es wäre ein schöner Angrund, dennoch, was die Zeit anbelangt, die dies verschlänge, ein Abgrund) oder alles zu löschen.
Löschen ist eine unterschätzte Kulturtechnik, unterschätzt erstens deshalb, weil ihre Ausübung einige Disziplin verlangt, da man nur dann ordentlich löschen kann, auch bewußt, wenn es regelmäßig geschieht. E-Mails, Spam-Kommentare, Dateien, die woanders gesichert sind, Chatprotokolle, Fotos. Löschen befreit. Dies ist der zweite Grund, warum es so unterschätzt ist: Wer immer noch etwas auf Halde hat, immer einen vollen Papierkorb, immer noch etwas Staub im Flur, wird das Gefühl nicht kennen, in einen aufgeräumten Computer zu schauen, in leere Postfächer, in übersichtliche Ordner. Vielleicht überschätze ich das Löschen auch einfach. Ich überschätze ja so Manches.
Meine Geduld zum Beispiel. Meine Stärke. Gesten.
Da war jemand, der mich halten wollte, der nur Gutes wollte für mich, und ich habe ihm geglaubt. Ich glaube ihm immer noch, durch allen Nebel hindurch. Aber …
Ich kann auch jemanden halten, ich habe denjenigen gefunden, wir haben geheiratet. Alles ist anders und doch wie vorher. Es war schön und so wird es bleiben. Es gibt Dinge, die darf man weder über- noch unterschätzen. Es gibt Dinge, die muß man im richtigen Moment präzise erfassen, nicht ungefähr abschätzen und dann danebengreifen. Zupacken und gepackt werden, in diesem einen Augenblick, das ist die wahre Kunst. Wir am Trapez, wir in der Kuppel des Doms, wir.
Wir sind wieder daheim und die Blumen, weiße und rote Rosen, sie haben ihre beste Zeit gehabt am Wochenende. Sie waren hoffentlich ebenso glücklich miteinander, mit all dem weißen Perlenschmuck, der im Brautstrauß steckte, wie wir. Einige sind bereits verwelkt und wir sind müde.
Keine Melancholie oder nur ein wenig. Und keine übertriebene Deutung der verblühten Rosen, bitte. Wir haben nur das Wasser vergessen.
ELEMENT OF CRIME — Schade um die schönen Rosen (youtube)