Man verzeihe mir diese etwas kleinmädchenhafte Überschrift, aber Ryan Gosling ist — ein äußerst sympathischer Kerl. Und hübsch. Und klug. Und nett. Ganz bestimmt. Und selbst wenn nicht, ich werde ihn ja nie kennenlernen, solche Illusionen sind also langlebig. (Zumindest solange, wie ein Filmstar nicht seine Jugendliebe und die drei süßen kleinen Kinder für ein schwedisches Unterwäschemodel verläßt. Aber DAS würde Herr Gosling selbstverständlich nie tun.)
Jedenfalls, Ryan Gosling singt, wie mir Anne per Link bereits vor Wochen mitteilte. Und weil er das so klasse macht — Wieso können diese Amis beinahe alle singen? Ist das nicht irgendwie unfair? Unsereins klingt immer wie der letzte Loser der Castingshow. — ist dieses Video seither mein Gutenachtvideo geworden, das letzte Fenster im Browser, bevor ich mich in süße Träume wiege. Das kann ich euch nun nicht länger vorenthalten:
Aber das hier, Fräulein Anne, muß ein Irrtum sein!
Seit zwei Wochen trage ich ein Buch mit mir herum: DAVID CARTER — Schmetterlinge (Dorling Kindersley Limited, London 1992, 2000; Amazon-Link), denn letztens ist mir wieder einmal mehr aufgefallen, wie naiv falsch ich (und wohl die meisten) Schmetterlinge sich vorstellen und zeichnen.
Schmetterlinge sind nicht die zarten, süßen Wesen, die in den Lüften umherflattern und Nektar saugen, nein: Genauer betrachtet sind zumindest bestimmte Arten häßlich, gruselig, ja furchteinflößend zu nennen.
Da gibt es zum Beispiel die NAZISCHMETTERLINGE wie Callicore maimuna oder Diaethria clymena, eine von etwa 40 süd- und mittelamerikanischen Schmetterlingsarten, die eine deutlich erkennbare Zeichnung 88 auf den Hinterflügeln aufweisen.
Bei der Lektüre des Buches bin ich neben wunderschönen Schmetterlingen der Familie PAPILIONIDAE (RITTERFALTER) [Papilio paris! Papilio demoleus! Papilio anchisiades! Papilio zalmoxis! Papilio dardanus! Eurytides marcellus! Parides coon! Parnassius apollo! Cressida cressida! Ornithoptera priamus! Troides brookiana!],
den eher plumpen HESPERIIDAE (DICKKOPFFALTER) [Gangara thyrsis!],
den kleinen bunten LYCAENIDAE (BLÄULINGE) [Megalopalpus zymna! Cheritra Freja (die Weibchen)! Mimacraea marshalli! Jamides alecto! Agrodiaetus dolus (Unterseite der Weibchen)! Danis danis (Unterseite der Weibchen)! Cadalides xanthospilos (Unterseite der Männchen)! Castalius rosimon! Philotes sonorensis! Plebejus argus/Polymmatus icarus! Lysandra bellargus! Syrmatia dorilas! Mesene phareus! Helicopis cupido!] und
den NYMPHALIDAE (EDELFALTER) [Polyura delphis! Morpho aega! Morpho menelaus! Morpho rhetenor! Morpho laertes! Helioconius doris! Cithaerias esmeralda! Idea leuconoe!] (allesamt Tagfalterarten) auch den Nachtfalterarten begegnet.
Ohne jetzt näher auf einige der wunderschönen Arten der tagaktiven Falter eingehen zu wollen (die oben angeführten Lieblinge findet man zur Ansicht ganz leicht über die Bildersuche jeder Suchmaschine), haben mich einige der Nachtfalter doch deutlich mehr beeindruckt. Zwar gibt es auch dort hübsche Exemplare unter den etwa 100 Arten der THYATIRIDAE (EULENSPINNER),
bei den DREPANIDAE (SICHELFLÜGLER) [Drepana arcuata!], die entweder zurückgebildete oder gar keine Saugrüssel mehr besitzen und demzufolge als Imago gar keine Nahrung aufnehmen können,
unter den URANIIDAE (URANIAFALTER), denen einige der auffälligsten Arten angehören [Chrysidiria riphearia!],
den mittelgroßen bis großen Arten (Flügelspannweite ist durchschnittlich 5-10 cm) der LASIOCAMPIDAE (GLUCKEN/WOLLRAUPENSPINNER) [Grammodora nigrolienata!],
den ebenfalls mittelgroßen bis großen EUPTEROTIDAE, die eng mit
den SATURNIIDAE (NACHTPFAUENAUGE/AUGENSPINNER) verwandt sind und von denen einige Flügelspannweiten von bis zu 30 cm erreichen [Automeris io (Atlasspinner (30 cm)! Actias luna (Amerikanischer Mondspinner)! Actias selene (Indischer Mondspinner)! Argema mimosae (Afrikanischer Mondspinner)! Coscinocera hercules (Herkulesspinner)! Graellsia isabellae (Spanischer Mondspinner)!],
den ANTHELIDAE (auf Australien und Papua-Neuguinea beschränkt),
den BOMBYCIDAE (SEIDENSPINNER) [Bombyx mori (Maulbeerseidenspinner)! Penicillifera apicalis!],
den BRAHMAEIDAE (mittelgroße bis sehr große Arten, nur etwa 20 beschriebene Arten in Afrika, Asien und Europa) [Brahmaea wallichii!],
den mittelgroßen bis sehr großen SPHINGIDAE (SCHWÄRMER) [Euchloron megaera!],
den oft “höckerigen” NOTODONTIDAE (ZAHNSPINNER) [Oenosandra boisduvalii!],
den vielfältigen ZYGAENIDAE (WIDDERCHEN) [Zygaena ephialtes (Wickenwidderchen)! Arniocera erythropyga! Zygaena occitania! Campylotes desgodinsi! Himantopterus dohertyi!], obwohl auch unter diesen Familien schon häßliche Arten vorkommen, besonders Chelepteryx collesi (Flügelspannweiten der Weibchen bis 16 cm), Acherontia atropos (bis 14 cm), Pseudosphinx tetrio (13-16 cm).
Reichlich widerlich aber wird die Lektüre eines Buches über Falter, wenn einem aus der Familie der COSSIDAE (HOLZBOHRER) Xyleutes strix seitenfüllend vorgeführt wird — bereits als verkleinerte Darstellung! Bah. Immerhin kann diese Riesenmotte bis zu 22 cm Spannweite erreichen, wobei der plumpe Körper mit dem unverhältnismäßig großen Kopf die gleiche Länge haben dürfte. Brüderchen Xyleutes cinereus ist mit bis zu 25 cm auch nicht gerade zart zu nennen, aber sicherlich der weniger furchteinflößende Falter in der Familie.
Schlußendlich besänftigte, weil begeisterte mich mein Schmetterlingsführer mit einen Schlußkapitel, welches sich mit Nachtfaltern der Familie der HEPIALIDAE* (WURZELBOHRER) beschäftigt. Diese haben Primitivmerkmale, was sie schon einmal sympathisch macht. Ernsthaft: Wann war ich vorher jemals des Kopplungsmechanismus der Schmetterlingsflügel gewahr? Die Wurzelbohrer jedenfalls haben die sowohl haarigen als auch wunderschönen (wenngleich urtümlich plump aussehenden) Zelotypia stacyi (bis 25 cm!), Aenetus eximius (Die Männchen, von denen leider kein Bild aufzutreiben war, haben statt der gelblichgrünen Färbung das frostigste weiß-, hell- und mittelblau, das ich jemals bei Tieren (Fell, Gefieder) gesehen habe!) und Leto venus in ihren Reihen.
Hach! Da schrecken auch die Kellerkinder von Xyleutes nicht mehr, und angesichts der Pracht dieser Insekten verlangen die Schmetterlinge doch geradezu danach, die nächste Spezies des Monats zu werden, oder?
Übrigens: Ich habe mir einen neuen Haarschnitt zugelegt mit nichts weniger als dem perfekten Pony, ungefähr 300 Zeichnungen und Aquarelle angefertigt sowie bereits 20 mal Wäsche gewaschen in diesem Jahr. All dies verblaßt allerdings deutlich neben der Beschäftigung mit Schmetterlingen und, äh, Buffy. Nur so, falls sich jemand über die maue Postingfrequenz gewundert haben sollte.
Mit etwas Glück (es gibt wohl keine Karten im Vorverkauf) sindwir nachher da. Das wäre dann mein erstes Konzert seit über einem Jahr. Hach, ick freu ma!
Seit das Internet im Dezember 2006 mit 16MBit wieder in mein Leben trat, war der Fernseher für mich so gut wie abgemeldet. Ohne das kurz vorher abgelaufene Premiere-Abo und somit auch ohne frei ins Haus flatternde Fernsehzeitung wurde mir immer egaler, was wann lief. Inzwischen weiß ich von vielleicht fünf Sendungen die Ausstrahlungszeiten, verpasse es aber doch meist, mich zu gegebener Zeit vor das Gerät zu setzen. Auch egal. Google Video und noch viel mehr die Mediatheken der Öffentlich-Rechtlichen Sender, die im Internet zu finden sind (ARD/ARD Mediathek, ZDF, arte), tun ihr Übriges zum Fernsehverdruß.
Seit einigen Wochen nun hat sich der Popkulturjunkie aufgemacht, täglich fünf Fernsehtipps zu geben, und was soll ich sagen, außer: Danke!