SBB-PK

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Die etwas sperrige Abkürzung steht für Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, die gesamte Institution wiederum steht für mich nach langer Pause seit kurzem erneut für allerhöchstes Lese(r)glück.

Jetzt, wo die Kinder mindestens einmal wöchentlich im Kindergarten sind, habe ich endlich wieder Zeit, in die Bibliothek zu fahren. Meist sind es Pflichtaufgaben, Lektürezwänge, die ich dennoch gern erfülle, obwohl ich zu den betreffenden Unterrichtsstunden seltenst in der Uni weilen kann, weil, an diesen Tagen sind ja dann die Kinder krank. Aber immerhin, für den wöchentlichen StaBi-Besuch reicht die Zeit, und habe ich alle meine Hausaufgaben gemacht und alles gelesen, was anfällt, dann lustwandle ich durch das riesenhafte Gebäude Unter den Linden.

Ich liebe dieses Haus! Ich liebe es trotz Baulärm, trotz all der kleinen Dinge, die nicht funktionieren, denn sein Herz schlägt, es riecht nach Büchern, es ist so heimelig-seltsam. Allein das Treppenhaus zwischen Informationsdienst und Bücherausgabe mit seinem Zwischengeschoß! Eigentlich ist dieses Stiegenhaus eine Zumutung, aber es gehört nun einmal genauso zu diesem Haus wie all die anderen Seltsamkeiten. Zurück zum Zwischengeschoß: Wer den Film Being John Malkovich gesehen hat, hat eine gute Vorstellung von der Deckenhöhe dieser “Etage”. Und bis vor zwei Wochen stand im “Lesesaal” HA 6 in der Ecke “Kunst / Archäologie” ein Arbeitstisch am Ende eines schmalen Ganges, mitten zwischen zwei Reihen von Werken über Jugendstilgrafik und Gartenkunst. Von dort blickte man auf die Charlottenstraße und weiter auf die Friedrichstraße. Im Stockwerk darüber läßt es sich in der Handbibliothek ebenfalls bestens arbeiten, auch dort gibt es halb geheime Ecken, die fast verborgen sind unter den überall herabhängenden Schutznetzen, die sich spinnwebhaft durch das Haus ziehen. Nicht mit Spinnen aber sind die Mitarbeiter zu vergleichen, im Gegenteil behandeln sie den Leser (”Nutzer”) nie mit der Herablassung, die der sonst so sprichwörtliche Bibliothekar / Archivar seinem natürlichen Feind “Nutzer” = Eindringling entgegenbringt, nein, sie sind zwar irgendwie alle etwas … eigen, aber sehr hilfsbereit und auskunftsfreudig, beinahe stolz auf das, was sie zu beherbergen und bewahren helfen. (Helft beim Bewahren, übernehmt Buchpatenschaften!)

Da wäre zum Beispiel die wunderschöne Daphnis und Chloe-Ausgabe von 1958, illustriert vom Grafiker Hanns Gaab, die ich vor Jahren mal in Händen hatte. In der neuesten Ausgabe des Bibliotheksmagazins fand ich nun ausgerechnet das Blatt, welches mir am eindrücklichsten im Gedächtnis geblieben war, nämlich eine Darstellung der Chloe, welche auf der Schrift am unteren Rand der Seite wie auf einem Sockel thront. Das ungelenke (von mir nachgemalte) Bild oben vermittelt vielleicht eine ungefähre Vorstellung.

Von den wirklich kostbaren Beständen ganz zu schweigen. Kleine Einblicke in die Bestände und Erwerbungen geben die oben verlinkten Bibliotheksmagazine, welche im Haus kostenlos ausliegen und mich über die Jahre oft zu entlegeneren Themen geführt haben, als ich sonst bearbeite. Auch Hinweise auf sonst kaum bekannte Digitalisierungsprojekte und auf Datenbanken und Onlinekataloge in diesen Heften sind mir oft unverhofft eine große Hilfe gewesen. Die StaBi ist mehr als eine schnöde Bibliothek, es ist eine Welt voller Bücher, Papier, abwegigem und praktischem Wissen, zwei Häusern, die verschiedener nicht sein könnten (der Gefühlt-Fast-Noch-Neubau am Potsdamer Platz, der sich architektonisch mit der Berliner Philharmonie vereint), und einer Anziehungskraft, der schon meine Mutti nicht widerstehen konnte. Zu den Zeiten, als sie nämlich noch in der Buchhandlung Das gute Buch (und hier) ihre Ausbildung machte und arbeitete, zog es sie auch zwei- bis dreimal wöchentlich in den Bibliotheksbau.

Bis bald also in der StaBi (UdL)?

Februar 5, 2011 | In Mennofaktur, Soso | 2 Comments | TrackBack-URL