Neues aus der Mennofaktur: Heute zeige ich, wie ich meine Heftchen bastel, fast ganz ohne Messen oder andere Arbeitsschritte, die kompliziert sein könnten.
Los geht es mit dem Material:

Als Papier für die Außenhülle wählte ich das Ingres-Büttenpapier von Hahnemühle in der Farbe Nachtblau, weil ich die Farbe einfach liebe, das Papier bereits ohne jeden Schnickschnack für sich spricht und wunderbar edel aussieht und auch irgendwie romantisch, es fäßt sich auch so samtig und gleichzeitig rau an, man merkt, ich mag es sehr. Sonst benutze ich meist das Velin-Papier von Canson, das es in sehr vielen Farben gibt und das auch einiges aushält.
Daneben kann man auf dem Foto hoffentlich die Buchbindernadeln im Heftchen (25 Stück ca. 6 Euro, bisher habe ich für alle meine Heftchen –ca. 100 — nur eine verwendet, sie stumpfen also nicht allzu schnell ab) sowie die einzelne mitsamt dem Faden erkennen. Ich kann nur empfehlen, wirklich die kleine Investition zu wagen, sich diese speziellen Nadeln zu kaufen, sie gleiten schön glatt durchs Papier, selbst wenn es nicht noch extra mit einer Ahle vorgelocht wurde.
Außerdem ist ein spezielles Buchbindermesser sehr praktisch, es schneidet durch Papier wie Butter und kostet auch nur ungefähr 6 Euro. Dieses hier hinterläßt beim Papierschneiden sehr glatte Kanten, wenn man damit von innen eine Falz zerschneidet, für “aufgerissenere” Kanten, die mehr aussehen wie der Büttenrand verwende ich ein einfaches Küchenmesser mit sehr Riffelung an der Klinge.
Für mich inzwischen unerläßlich ist das Falzbein, eines der bisher billigsten aber am meisten benutzten Werkzeuge auch bei anderen Bastelarbeiten.
Die Lesebänder habe ich noch nicht in Heftchen eingebaut, weil sie meist zu dünn sind — für 20 Seiten braucht es kein Leseband — hübsch könnten sie auf jeden Fall aber aussehen.

Für das Innere, das eigentliche Heft, habe ich dieses Papier gewählt, von dem ich leider nicht weiß, was es für eine Grammatur hat (120 g/m?), ein sehr griffiges, “stoffiges”, weiches Pastellpapier mit vierseitigem Schmuckrand.

Normalerweise verwende ich inzwischen Bogenpapiere zum Heftchenbasteln, da sie billiger sind als Blöcke und man kein Risiko bei widerspenstigen geleimten Kanten eingehen muß, bei diesem Papier machte ich eine Ausnahme, weil es ein Schnäppchen war.
Was das Messen angeht: Papierbögen und Blätter aus Blöcken haben verschiedene Größen, die häufigsten sind die bekannten DIN A-Größen, daneben gibt es traditionelle Größen, die aus den alten Papierformaten hervorgehen. Bei Künstlerpapieren spielt teilweise auch die Größe der Rundsiebmaschine oder der Siebe in den jeweiligen Manufakturen eine Rolle. Ich bestelle oder kaufe Bogenpapiere in recht großen Abpackungen zu 20-30 Bogen in einem Format, das etwa DIN A 2 oder 1 entspricht, das sind einfach die günstigsten und gleichzeitig noch transportabelsten Abmessungen. Um die Papiere hier irgendwie lagern zu können, zerkleinere ich sie auf ein etwa DIN A 3 bis 4 entsprechendes Format, indem ich sie einfach mittig falze und von innen heraus aufschneide. Das geht schnell und ergibt einen hübschen offenen Schneiderand (siehe den oben verlinkten Artikel zum Velin-Papier). So gehe ich mit dem Papier für außen und innen vor, wobei mir relativ egal ist, ob das Außenformat und das Papier innen auf die Maße 24 x 32 cm zurückgehen und so beide Teile des Heftes gleich groß sind oder ob die Füllung den DIN-Maßen entstammt und sich, wie in diesem Fall, ein überstehender Rand der Hülle ergibt. Das finde ich beinah noch hübscher, für unterwegs aber ist es eher unpraktisch, weil die dünne Hülle dann recht schnell unansehnliche Ecken bekommt. Messen muß man dafür aber nichts, höchstens mal die Teile zusammenhalten und sehen, ob es paßt.

Das Papier aus dem Block falze ich gleich an der Klebekante und löse es erst dann ab, auf diese Weise verrutscht weniger. Achten sollte man darauf, ob es eine Papiersorte ist, bei welcher die Ober- und Unterseite verschieden sind, aus diesem Grund habe ich hier hinten im Block angefangen nach innen zu falzen, damit auch die Laufrichtung der Fasern mit meinem späteren Heft mitgeht (Papier wellt sich immer ein wenig und beim Binden muß man darauf achten, daß es sich nach innen wellt –>)

Die gefalzten Bögen noch einmal übereinander legen und noch einmal kräftig mit dem Falzbein darüberbügeln damit sie noch enger zusammengehen, dann die Bögen ineinanderlegen. Hier habe ich zehn Bögen verwendet, das ergibt ein recht dünnes Heftchen von insgesamt 40 Seiten. Je nach vorhandener Menge und Dicke des Papiers nehme ich zwischen 5 und 12 Blatt, das hat sich als am leichtesten handhabbar erwiesen, spätestens wenn es ans Nähen geht und ergibt ein Heft, an dem ich nicht allzulange sitze. Außerdem: Ewig nicht beendete Notiz- und Zeichenbücher werden mir irgendwann lästig, aber damit ließen sich mehrere eigene Beiträge füllen.

Hier sieht man nach dem Einlegen des Innenpapiers, daß mir die Hülle doch etwas zu groß ist, besonders am oberen und am unteren Rand.

Nachdem ich also unten ein wenig Papier weggeschnitten habe — falzen und mit dem Messer schneiden, nicht mit der Schere! das wäre ein Frevel am Büttenpapier — gefällt es mir schon gleich viel besser.
Nun kommt der einzige Arbeitsschritt beim Basteln, wo ich wirklich ernsthaft und genau messe:

Damit später alle meine Heftchen trotz unterschiedlicher Größe und Farbe einen einheitlichen Eindruck ergeben, messe ich vom oberen und unteren Rand nach innen jeweils 2 und 4 cm weg und markiere diese Stellen für die Nahtlöcher.
Dann kommt der Faden ins Spiel:

Das sind die inzwischen nur noch traurigen Reste einer alten, einst riesengroßen Strickgarnrolle in cremeweiß. Was ich benutze, wenn sie alle ist, weiß ich noch nicht, spezieller Buchbinderzwirn ist mir allerdings zu teuer.
Jetzt wird es spannend, mit der Genauigkeit bei dieser Phase steht und fällt die Qualität meiner Heftchen. Bislang hat man ja gesehen, daß ich es nicht allzu pingelig angehe, beim Nähen aber, besonders beim Anfang, kann aber einiges schiefgehen.

Durch die markierten Pünktchen hindurch steche ich von außen (!) kleine Löcher durch die Hülle und gleichzeitig durch die Füllung, wobei es sehr wichtig ist, den Griff nicht zu lockern und so auch in der inneren Lage genau die Falzkante zu treffen, sonst wird die Einlage später schief.

Durch das von außen vorgestochene mittigere Loch ziehe ich nun den Faden und hole ihn durch das äußere Loch wieder hinein ins Heft, gehe durch die durch den Knoten gebildete Lasche und durch das selbe Loch wieder zurück nach außen und von dort wieder durch das zuerst durchstochene Loch nach innen.


Zwischendrin sieht das Ganze von außen so aus:

Auch hier macht es später einen großen Unterschied, ob die Fäden, wie auf dem Foto zu sehen, ordentlich und parallel verlaufen oder vernuddelt sind, was mich sehr stören würde.

So. Hach, hübsch. Eigentlich bin ich ja doch pingelig, hier und da.

Von innen sieht das dann so aus, nachdem der Faden innen zu den anderen Löchern geführt wurde.

Außen sieht man dann, wie bei klassischen zweifach gehefteten Kladden nur die beiden Nahtstellen in bislang bei all meinen Heften der gleichen Zwirnfarbe. Pingelig, sag ich ja.

Fertig!

Und nochmal von außen:

Und nachts schlafen sie alle zusammen hier:

Frohes Basteln!
Danke für die Anleitung! Hab auch schon das eine oder andere Heft gebastelt, Deine Variante probier ich auch mal aus.
Kommentar von jackie am 01. Juni 2010 um 14:01 | Link
Gern geschehen. ;-)
Der Vorteil bei der Variante gegenüber den meisten anderen, die so herumschwirren: Es sieht nett aus, ist schnell und billig (naja, je nach Materialien, aber man braucht eben nicht allzuviel Werkzeug) und alles ohne übertriebene Genauigkeit.
Kommentar von Julie Paradise am 01. Juni 2010 um 20:29 | Link
Wunderbar. Wenn wir uns wieder sehen, werd ich versuchen dir eins abzuluchsen. :-)
Kommentar von Alexander am 01. Juni 2010 um 21:19 | Link
diese wunderbaren kleinen heftchen!
Kommentar von jette am 01. Juni 2010 um 22:09 | Link
Das ist eine sehr schöne Idee. Vor allem kann man sicher sein, dass die Heftchen sehr individuell sind und garantiert niemand anders die gleichen besitzt.
Kommentar von Tani am 28. Juni 2010 um 12:03 | Link