Große Schlachten, Taktik, Siege I

Ich konnte ja lange nicht schreiben hier.

Entweder es wäre wieder so eine Stimmung aufgekommen wie beim Autobahnunfallgaffen (es ging mir nicht so gut) oder ich hätte mich nicht beherrschen können und über meine siegreichen Schlachten bei Ebay geschrieben — und damit die nächsten Auktionen gefährdet. Ebay-Erfolge heben die Stimmung übrigens ungemein, das meine ich sogar fast ernst.

Ebay macht Träume wahr! Na oder die Erfüllung von Wünschen doch wesentlich billiger, solange man sich nicht verzockt.

Mein Begehren richtete sich Anfang April zunächst auf Isographen und Rapidographen von Rotring, nachdem ich, fast zu meiner eigenen Überraschung, überaus gute Erfahrungen mit einem “Billig-Rapi” von Aristo gemacht hatte. (Mehr zu diesen Tuschefüllern, die eigentlich für technisches Zeichnen gedacht sind, ein anderes Mal.)

[Ich wünschte wirklich, ich wäre mit einer der hier und auch sonst im Blog genannten Firmen verbunden. Dann wäre meine Sammelleidenschaft weitaus weniger ruinös für mein Konto.]

Tuschefüller also. Naiv stürzte ich mich in die erste Auktion. MUSS. ICH. HABEN! Klar, ich habe mich verzockt und nur ganz knapp die Auktion nicht gewonnen, zum Glück, denn der Endpreis war beinah ein Mondpreis. Man muß wissen, daß diese Tuschefüller einigermaßen hochpreisige Schreibgeräte sind, wenn man normale Maßstäbe ansetzt, mit 16 bis 22 Euro pro Stift, je nach Strichstärke und Händler. Sie sind eigentlich unkaputtbar, da die Spitzen kaum abnutzen sondern höchstens durch Stürze verbogen werden können. Solange die Füller also entweder ununterbrochen in Gebrauch sind und deshalb nicht eintrocknen oder entsprechend häufig gereinigt werden, können sie eine jahre- oder jahrzehntelange Betriebsdauer erreichen. Und wenn die Spitzen doch einmal zu stark beansprucht werden, können die Zeichenkegel ausgetauscht werden, halbwegs preiswert.

Mir persönlich sind solche Konzepte ja überaus sympathisch, ich mag alles, was ein System darstellt, besonders bei Schreibgeräten, wo ich eigene, andere Spitzen und Farben und Nachfüller habe und mir alles nach Bedarf zurechtkombinieren kann. Außerdem reduziert sich durch solche Möglichkeiten auch die Menge an Geräten, die man sonst bei Sets ja immer hat, welche einfach nicht dem eigenen Bedarf gerecht werden. Ich zeichne einfach nicht gern mit bestimmten Spitzenformen und Breiten, eine Tuschefüllerspitze mit 0.7 oder 1.0 mm wird bei mir ungenutzt versauern. Also lieber selbst Sets zusammenstellen, neue Farben ausprobieren oder gar mischen, noch ein Schuß Blau ins Orange und fertig ist das Waldgraubraun. Mit solcherlei “Herummuscheln” verbringe ich an unkreativen Abenden beinah ebensoviel Zeit wie mit dem eigentlichen Zeichnen was auch damit zusammenhängt, daß ich mich inmitten meiner Schreibkramsdinge einfach so wohl fühle und auch sonst nicht nur zeichne um des Ergebnisses willen, sondern weil das Kritzeln und Krakeln und Klecksen auch Selbstzweck sein kann.

Man weiß nun aber beim Gebrauchtwarenhandel via Internet nicht, in welchem Zustand sich die Gegenstände tatsächlich befinden, solche letzten Unsicherheiten hindern mich daran, Ladenpreise auf so einer Plattform bei privaten Händlern mit womöglich nur wenigen Bewertungen zu zahlen, also war meine Taktik nach dem ersten Schreck ganz rigide: Je nachdem, welchen Zustand die Stifte haben sollten, gab ich einmalig einen Preis ein, der mir auf Anhieb das Gefühl gab, mit ihm wäre der Kauf ein Schnäppchen, und welcher oft zusammen mit den Versandkosten einen geraden Betrag ergab und danach verbot ich es mir konsequent — ähm, bis auf eine Auktion konsequent — über mein einmal festgesetztes Maximalgebot hinauszugehen. Für unbenutzte Einzelstifte habe ich nie mehr als 7 Euro inklusive Versand ausgegeben, für 3er oder 4er Sets (darunter auch ein gänzlich unbenutztes) nicht mehr als 15-20 Euro. Die Überbleibsel verkaufe ich demnächst wieder, es sind ganze 5 Kästen mit durchweg gebrauchten, aber gereinigten Zeichenkegeln:

ebayrapicsm

Auf diese Art habe ich innerhalb eines Monats soviele oft auch zusammengewürfelte Sets ersteigert, daß ich für mein Lebtag mit Stifthaltern (den eigentlichen Hüllen und Kappen) von Rapidographen und Isographen versorgt bin.

Gesiegt habe ich demnach nur im Rahmen der mit Vernunft geführten Auktionen, andere, bei denen sich die Bieter in den letzten Sekunden vor Schluß hitzig die Köppe einschlugen, hatte ich bis dahin immer schon längst verlassen. Wie schon gesagt, wer Ladenpreise bezahlt, wenn es das Gleiche 5 Stunden später nochmal für ein Viertel des Preises gibt, ist wohl selbst schuld.

Mai 22, 2010 | In Soso | | TrackBack-URL

  1. 22.05.2010 - Julie Paradise — Große Schlachten, Taktik, Siege II
  2. 04.06.2010 - welding art form
  1. Niemand schreibt so tolle Dinge über Stifte ins Netz, wie Du. Hach. (Meine ich völlig unironisch!)

    Kommentar von René am 24. Mai 2010 um 17:08 | Link

Rock my Boat!