Draußen an der Wand

Wenn wir abends die Kinder zu Bett bringen, sind alle Lampen gelöscht. Die Nacht in Berlin hat genügend Licht, die kleine Gestalt erkennen zu lassen, die vor mir ins Wohnzimmer huscht, hhmmpapahmmmpaa, die neuen Wörter des Tages lallendsingendglucksend. Meist läuft sie an meinen Platz, wartet kurz, bis ich sitze, reicht mir die Flasche für das Baby und streicht dann zum Papa im Sessel gegenüber. Einszwei Züge, ein Schlürfen, fertig sind sie, marschieren zurück ins Badezimmer, Zähneputzen, ins Kinderzimmer, Spieluhr, Gutenacht, Ruhe.

Wir zwei sitzen dann noch langelange, eine viertel Stunde, eine halbe. Ich werde müde, sinke ins Baby, genau die richtige Körper- und Geisteshaltung. Er soll ja schlafen und ich muß. Später.

Draußen an der Wand, gegenüber, bewegen sich die Schatten des Mannes, Papa räumt auf. Wir lassen nichts liegen über Nacht. Ein Stück weiter oben, nur ein kleines, am Himmel — ich sehe außer dieser Wand nur Himmel — fliegen die Flugzeuge über Berlin. Blinkern. An. Aus. An. Aus. Genauso der Fernsehturm. An. Aus. Und fast immer die Sterne. Romantischer Quark.

Der Mann macht Schattenspiele an der Wand gegenüber. Taube, Hund und Hasenohr.

März 9, 2010 | In Soso | | TrackBack-URL

  1. Klingt wie Glück. Echt jetz ;D

    Kommentar von René am 24. Mai 2010 um 17:17 | Link

  2. zum einrahmen. sehr schön.

    Kommentar von Nadine am 26. Mai 2010 um 21:30 | Link

Rock my Boat!