wenn nicht manche Hersteller mit ihren Infos so geizten.
Ich liebe es, in der viel zu knappen freien Zeit durchs Internet zu streifen und neues Schreib- und Malzeugs kennenzulernen. Es gibt großartige Blogs, in denen Künstler ihre Bilder zeigen und, ebenso spannend für mich, auch beschreiben, mit welchen Materialien und Techniken diese zustande kamen.
Interessanterweise benutzen diese Künstler aus den USA, aus Kanada, aus Hong Kong, aus Australien oder Italien Farben, Stifte und Papier relativ weniger Firmen. Das hat weniger mit marktbeherrschender, weltumspannender Monopolstellung der betreffenden Hersteller zu tun, im Gegenteil. Oft sind es kleine, spezialisierte Firmen, Marken, die abseits der großen Bürobedarfsversorgungsketten Künstlerpapiere, Pigmente, Farben oder Stifte herstellen, welche eben nur für diesen kleinen (?) Kreis von Liebhabern interessant sind. Und so werden Links ausgetauscht und Erfahrungen mit Onlineshops, man erwägt Sammelbestellungen aus Japan, um die Portokosten nach Germany zu senken, Neuerungen werden rezensiert und aus dem Sortiment gegangene Artikel regelrecht betrauert — nachdem man noch schnell die letzten Reste davon beim Lieblingshändler aufgekauft hat, 200 Bogen für 300 Euro, oder so.
Pigment PB 60 ist nicht nur für mich in Aquarell- und Gouachefarben ein wichtiger Inhaltsstoff. Es ist ein reiner Blauton, der keinen Rotanteil enthält und somit für Mischungen, besonders mit hellen Brauntönen wie Siena gebrannt, bestens geeignet ist: Es ermöglicht einen wunderbaren Grauton.
Für viele mag unerheblich sein, welches Pigment in der Farbe enthalten ist, für mich als Kontrollfreak und andere der genannten Künstler aber bedeutet mehr Information eine erhebliche Arbeitserleichterung, über das reine Interesse hinaus. (Ich verschlinge jegliche verfügbare Information auch über die Geschichte der Farbtöne, ihre Namensgebung, ihre Pigmenteigenschaften.) Vorgefertigte Mischungen sind einerseits praktisch, andererseits aber gefährlich, denn je weniger verschiedene Pigmente enthalten sind, umso reiner scheinen die Farben. Also muß ich beachten, ob es sich um einen Einpigmentton handelt oder um eine Mischung, ob die Farbe transparent auftrocknet oder opak, ob sie lichtecht ist oder das schöne Rot im nächsten Jahr schon verschwunden ist, weil das Bild zuviel Sonne abbekommen hat.
Ich will wissen, welche Pigmente in meinen Farben vermischt — oder, am besten, unvermischt — sind, ich möchte erfahren, aus welchem Holz mein Bleistift besteht, ein Foto der Rundsiebmaschine, auf der mein Lieblingspapier hergestellt wird, sehe ich mir genau an und Informationen zum Herstellungsprozess, am liebsten mit Video und Bildbeispielen aus Künstlerhand bringen mich dazu, sofort loslegen zu wollen mit dem Zeichnen. Einige Hersteller haben sehr gut verstanden, daß sie sich nichts vergeben, wenn sie ihre Inhaltsstoffe offenlegen, wenn sie ihre Produkte genauestens etikettieren, wenn sie downloadbare Broschüren ebenso anbieten wie gedruckte Hefte, die im Laden kostenfrei neben der Ware ausliegen.
Schmincke ist einer dieser vorbildlichen Hersteller, online und auch vor Ort im Laden, Winsor & Newton ebenfalls, sowie Derwent und Faber-Castell. Je mehr ich darüber erfahren kann, was hinter dem Produkt steht, welches mich ja sowieso interessiert, umso eher bin ich bereit, es zu erwerben. 10 Euro für eine 14ml-Tube mit Kadmiumrot dunkel (PR 108) sind an der Grenze zum Bekloppten, das gebe sogar ich zu, aber es ist nun einmal ein relativ teures Pigment und einer der schönsten Rottöne.
Dagegen hält mich mangelhafte oder nicht zugängliche Information inzwischen oft vom Kauf ab: Linel Gouachefarben von Lefranc & Bourgeois etwa sind relativ preiswert und scheinen von guter Qualität zu sein, aber selbst ich, die nach einmaligem Anfixen oft alle erhältlichen Farben einer Produktlinie kaufen mußkauft, bin vorsichtig, da ich eben nicht weiß, ob Füllstoffe verwendet werden oder welche Farben eine ausgewogene Grundpalette ergeben.
Klingt das zu sehr nach Rocket Science?
[Ich bin eben gründlich.]
Ja meine Freundin kauft auch immer weiter. Jetzt hat die schon einen Schrank voll Taschen und dann kauft die doch nun echt heute 2 Taschen. Ich dreh durch mit der guten Frau.
Kommentar von Marius Kreitner am 15. Februar 2010 um 20:29 | Link
Kann dich voll und ganz verstehen.
Kommentar von jens am 16. Februar 2010 um 19:48 | Link
Ich muss jetzt hier Schreiben. Weil ich ewigundnochlänger nach diesem Rot gesucht habe. Nachdem ich sieben verschieden Magentatöne, alle mit “Rot” betitelt, entsorgt habe. Und mich dann mit Pigmenten beschäftigt habe und liebend gern 10 Euro für ein schönes Rot bezahle. Aber verstanden fühlte ich mich bis jetzt nicht :)
Kommentar von Diana am 24. Februar 2010 um 19:29 | Link
Und welches ist es? PR108, die Kadmiumreihe? Die liebe ich besonders. Und das PO20 (Kadmiumgelb- und -orangetöne), PR 101 (Englischrot), PB33 (Manganblau) sowie PY129 (Gelbgrün).
Kommentar von Julie Paradise am 25. Februar 2010 um 10:00 | Link