Sehnsuchtskauf

Falls es jemandem nicht aufgefallen sein sollte: Die letzten drei Jahre lang war ich schwanger. (Und das, zumindest gefühlt, durchgängig.)

Wer schwanger ist, hat einen dicken Bauch, und so erscheint es sehr sinnvoll, T-Shirts zu kaufen, sagen wir 24. In Worten vier und zwanzig. Ich glaube, das sind ziemlich viele.

Jetzt, da das zweite Kind da ist (Hach!), sitze ich auf 18 ungetragenen Oberteilen, denn sechs der Shirts waren “für sofort” gedacht, die anderen sind auf Taille geschnitten und somit bisher unbrauchbar gewesen. Hier kommt die Sehnsucht ins Spiel, denn wonach sehnt sich eine Frau, die sich wie ein Wal fühlt? Genau, wieder das schlanke zarte Fischlein zu sein (… welches sie sowieso nie war, egal).

Mit dem Ende dieser Phase ist eine neue angebrochen, nämlich die Zeit des Zuhausebleibenmüssens, abends, denn wer sein Baby stillt, ist entweder immer in seiner Nähe, wenn es Hunger zu haben droht oder pumpt Milch ab. Die erste Option ist mir wirklich lieber als die zweite, denn beim Milch abpumpen fühle ich mich wie eine Milchkuh, es gibt wirklich nur wenige Dinge, die unangenehmer sind, Darmspülungen vielleicht oder entzündete Niednägel.

In den ersten drei Wochen, die der Murkel auf der Welt war, bin ich abends, entgegen der luxuriösen Gewohnheit, die uns die immer pünktlich schlafende Leia gönnt, nur einmal dazu gekommen, etwas zu zeichnen, wonach also sehnte ich mich am meisten? Danach, mich wieder einmal in Ruhe meinen Stiften widmen zu können, einfach herumzudaddeln, nicht immer sofort zu springen, wenn nebenan ein Mucks ertönt. Bis auf Weiteres wird sich daran wenig ändern, längere Zeit ungestückelt und ungestört mit meinem Krams zu verbringen, wird mir vorerst nicht vergönnt sein, und so baut sich eine neue Sehnsucht auf, als deren Ausdruck ich eine größere Bestellung aufgegeben habe, diesmal mit Stiften.

Ein Teil meines leisen Sehnens nach “Für-mich-Zeit” ist bereits gelindert durch die bloße Vorstellung, was ich denn dann mit den neuen Stiften alles ausprobieren können werde, man könnte es auch einfach Vorfreude nennen. Wenn ich also irgendwann wieder zu etwas komme …

Oktober 27, 2009 | In Soso | | TrackBack-URL

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