Ich bin ja jetzt wieder Mutter —– und daß ich das Stillen nicht eben super finde, habe ich vor einiger Zeit bereits beschrieben.
Unser kleiner Mann scheint mir aber noch mehr als Leia meine Grenzen aufzeigen zu wollen, was meine Geduld und Kraft anlangt. Nicht nur, daß ich ihn den halben Tag an der Brust habe und demzufolge nur sehr eingeschränkt beweglich bin, mich daher also auch nur so halb um die Kleine kümmern kann, stört doch sehr, auch, daß er nie satt zu sein scheint, ist ziemlich irritierend. Nachts schläft er zwar jeweils einige Stunden am Stück, spätestens, wenn ich ihn in der Dämmerung ins Bett hole, aber dieses ständige Gefühl, leergetrunken zu werden und damit nur den gröbsten Appetit gedeckt zu haben, frustriert.
Es gibt viele vernünftige und einige gefühlige gute Gründe für das Stillen und meine zunehmend ablehnende Haltung dazu wird wohl dennoch nicht innerhalb der vier Monate, die ich hoffe durchzuhalten, dazu führen, daß der Kleine ein Flaschenkind wird, aber wenn ich ehrlich bin, habe ich jetzt schon keine Lust mehr auf das Ganze. Also, auf das Stillen, nicht auf den Murkel.
Denn es hat ja auch schon wieder dieser seltsame Kreislauf begonnen aus Stillenstillenstillen — keine Zeit haben auch nur das Nötigste zu erledigen wenn der Kleine mal doch satt und zufrieden ist (Ich betrachte es ja inzwischen als erholsam, wenn ich es mal schaffe, in Ruhe die Wäsche aufzuhängen, bruhha.) — gar keine Lust und Zeit schon gar nicht für Essen zu haben bis auf das, was bei der Kleinen als Rest vom Tisch fällt und demzufolge den Murkel kaum noch sattbekommen zu können. Zugenommen habe ich netterweise (Krkrrrkchingironie!) trotzdem wieder, natürlich nicht unbemerkt von den wie immer überaus taktvollen Schwiegereltern. (”War Julie letzte Woche auch schon so moppelig?”)
Ich renne schon wieder allem nur noch hinterher und fühle mich somit unterfordert und überlastet gleichzeitig, scheine es niemandem mehr recht machen zu können, was mir bei den meisten Menschen eigentlich reichlich wurst wäre, nur eben nicht bei Leia und dem Murkel und dem Karpaten — und mir selbst.
Und humorlos wird man auch, oder empfindlich, denn ein Satz, der bestimmt nur so dahingesagt wird, bringt mich jedesmal auf 180, nämlich wenn jemand den Murkel beruhigen will, der sich verzweifelt die Fäustchen in den Mund schiebt und eindeutig Hunger hat: “Ich kann dir nichts zu trinken geben, das kann nur deine Mama.” (”… die aber gerade Besseres zu tun hat,” höre ich dann immer den wohl weder ausgesprochenen noch angedachten, bei mir aber stets präsenten Vorwurf.)
Abends trinke ich jetzt Malzbier, was wenigstens etwas zu helfen scheint, und tagsüber warte ich darauf, daß es endlich Abend wird, weil, ach naja. In vier Monaten ist der Spuk vorbei, dann verträgt der Kleine Essen, welches nicht zur Hälfte aus meiner Kraft besteht und alles wird gut.
Gnaa.
Ah! eine Leidensgenossin. Ich unterschreibe jeden ihrer Sätze. Genauso fühle ich mich auch im Moment. Glücklicherweise sind unsere vier Monate jetzt dann um.
Ich wünsche Euch auch, dass die ersten vier Monate schnell vorbei sein mögen.
Kommentar von Silberpfeil am 23. Oktober 2009 um 09:40 | Link
Finde ich toll, dass Du offen sagst, dass Stillen kein Vergnügen ist. Bei mir waren die ersten 6 Wochen echt grauenvoll. Wenn der Kleine nämlich ein kurzes Zungenbändchen hat, dann bringen einem alle Anlegetipps irgendwelcher Hebammen nix. Da kann er dann eben nur so trinken wie er’s kann. Und mir tat jeder Schluck höllisch weh. Nach 6 Wochen wurde es besser. Jetzt haben wir die 4 Monate schon überschritten und ich warte täglich drauf, dass er mir signalisiert die Plörre endlich satt zu haben :-)
Kommentar von AnJu am 23. Oktober 2009 um 11:25 | Link
das mit dem hinterherrennen kommt mir noch sehr bekannt vor. als ben vor 6 monaten bei uns dazu kam, ging es mir ähnlich. alles wie es war wird mal eben über den haufen geworfen. der große forderte plötzlich noch mehr aufmerksamkeit und die konnte ich ihm dann teilweise einfach nicht geben, weil der kleine eben hunger/windel voll/sonst was hatte. ich hatte immer das gefühl alles anders - besser - machen zu müssen. für die beiden jungs, für den mann und für mich. erst als ich das selbst nicht mehr so verbissen gesehen habe und als ich die neue situation so richtig für mich angenommen hatte, ging alles viel leichter. einfach mal die ansprüche an sich etwas zurücknehmen.
stillen war bzw. ist bei uns jetzt nicht so anstrengend, aber so langsam habe ich auch keine lust mehr. einfach mal von 23 bis 8 Uhr durchschlafen oder mal spontan etwas länger unterwegs sein (ohne vorher abpumpen) wäre durchaus mal schön. nur will unser kleiner keine folgemilch und das mit dem essen… naja, wir mühen uns so rum.
und noch was (ohne jetzt oberlehrerhaft klingen zu wollen, wenn ja, sorry): vielleicht mußt du noch ein bisschen mehr auf deine eigene ernährung achten. damit die milch ein bisschen mehr hergibt.
hier auch noch ein paar “futtertipps” babyernaehrung.de/Stillbe...
alles gute für euch
Kommentar von Nadine am 23. Oktober 2009 um 13:07 | Link
Bratwurst! Nee, im Ernst, abends werde ich bekocht, und von der Hebamme gab es eben den Tipp mit dem Malzbier, nachts ist der Kleine also völlig unproblematisch, bis auf die, äh, rege Darmaktivität.
Ich denke auch, daß der Rest sich bald legen wird, denn es MUSS einfach gehen, und das wird es auch.
Kommentar von Julie Paradise am 23. Oktober 2009 um 20:02 | Link
Was ist denn der Vorteil vom Malzbier? (Mal abgesehen davon, dass ich den Geschmack furchtbar finde)
Kommentar von cvs am 26. Oktober 2009 um 08:05 | Link
Malzbier soll bewirken, daß die Milch besser sättigt, und zumindest meinem Gefühl nach scheint dies auch zu funktionieren. Vielleicht ist es ja auch pure Einbildung, daß es am Malzbier liegt, so wie auch Fenchel-Anis-Kümmel-Tee und Honigbuschtee die Milchbildung fördern sollen, wohingegen Minze und Salbei sie mindern, aber bei mir haben diese Dinge auch beim letzten Kind funktioniert.
Kommentar von Julie Paradise am 27. Oktober 2009 um 20:08 | Link
Wahrscheinlich war mir das unbekannt, da weder meine Frau noch ich Malzbier trinken. Während der zweiten Schwangerschaft musste meine Frau auch immer ihre Kollegen mit dem Öffnen bestelltem Malzbier beauftragen, da der Geruch alleine sie hätte hinter den Tresen…
Zum Thema Gewicht: Das Buch “Abnehmen nach der Schwangerschaft” (GU Verlag) ist sehr zu empfehlen.Und die Rezepte für die Hauptmahlzeiten sind auch für die Männer geeignet. Mir zumindest hats geschmeckt. (Schweinelendchen in Basikumrahmsosse mit Bandnudeln z.B.)
Kommentar von cvs am 28. Oktober 2009 um 08:37 | Link
Das kenne ich auch nur zu gut — so war es mit meinem zweiten Kind auch, und das ging wirklich lange so! Satt wurde er zwar, aber er musste halt immer irgendwie an mir kleben, ich glaube, sein Sicherheits- und Nähebedürfnis war einfach viel, viel größer als das bei seiner älteren Schwester früher gewesen war.
Was mir geholfen hat, war Nährhefe, die ich im Reformhaus bekommen habe (Edelhefe, heißt sie bei uns): die ist nämlich nicht nur milchfördernd, sondern auch: nervenstärkend! Aber wirklich so was von — da bin ich selbst im größten Trubel völlig gelassen geblieben. Kann ich also auch Nicht-Stillerinnen wärmstens empfehlen.
Aber jetzt wünsche ich Dir erst mal viel Durchhaltolin — es wird ganz sicher werden!
So long,
Corinna
Kommentar von Frau_Mahlzahn am 28. Oktober 2009 um 09:50 | Link
durchhalten
Kommentar von jens am 28. Oktober 2009 um 23:43 | Link