Die Tage

a) Ich bin immer müde.

b) Wie gut, daß kleine Kinder soviel essen.

Wenn man, wie ich, nach außen hin wohl oft aussieht wie Supermutti, eigentlich aber am Ende seiner Kräfte ist, dann muß man gut haushalten mit dem letzten bißchen Stehvermögen, das noch da ist. Eines der Dinge, an denen ich mich festhalten kann, ist der geregelte Tagesablauf, den ich eher mit mehr als weniger Erfolg mit der Kleinen durchzusetzen imstande bin — so uns niemand dazwischenfunkt. Gegen jede Störung von außen wehre ich mich energisch, am heiligsten ist dabei der Mittagsschlaf.

Momentan schlafen wir zwei irgendwann zwischen 12 und 16 für durchschnittlich zweieinhalb Stunden. Das ist purer Luxus, wenn man bedenkt, daß Leia ja auch nachts an die zwölf Stunden durchschläft. Da ich tagsüber aber manchmal das Gefühl habe, zu verblöden beziehungsweise zu platzen, weil es schon schwierig ist, auch nur zwei Sätze in ein Notizheft zu schreiben oder eine Skizze anzufertigen, ohne daß die Kleine dem Stift hinterherquengelt, bleiben von ihrem Nachtschlaf nur sechs bis sieben Stunden, in denen ich auch schlafe. Als Erwachsener möchte man nun einmal nicht um acht ins Bettchen, ein wenig kinderloser Freiraum muß schon noch sein. Also wird es abends regelmäßig spät und später, aber lieber müde + zufrieden und gaga als irgendwann nur noch gaga.

Das darf nicht falsch verstanden werden, ich liebe und genieße es, mich tagsüber voll auf mein Kind einzulassen, sie läuft nie einfach nur so nebenher, selbst wenn ich doch etwas erledigen muß, das Wäschewaschen etwa, binde ich sie ein. Wir singen dann und tanzen oder spielen Verstecken hinter Handtüchern oder sie ist ganz stolz, weil sie mir ganz richtig nur die oberen, weißen Sachen aus dem Korb gibt. Aber dieses ständige Geduldigsein, Fröhlichsein, Fürsiedasein erschöpft eben auch.

Was aufrecht hält ist der Tagesrhythmus, und da lasse ich niemanden zwischen.

Auch den Karpaten nicht.

Er war jetzt zweimal verreist, beide Male mit Freunden und beide Male war sein Urlaub nicht allzu erholsam, da die jungen Männer eine nicht eben alkoholfreie und geruhsame Zeit miteinander verbrachten. Dann will daheim der Wäschestapel schnell wieder abgebaut werden und ein wenig Schlaf gegen den Restkater schadet ja auch nicht.

Mein Mitleid hält sich in Grenzen.

Ist der Mann dann zu versifft um in akzeptabler Zeit das Kind anzuziehen oder Essen zuzubereiten oder übersieht, daß es JETZT gewickelt werden sollte, dann gibt es schon einmal Streit. Vielleicht bin ich einfach diejenige, die mehr Zug hat, jedenfalls lasse ich mir meine so mühsam aufgebaute Hülle nicht kaputtmachen, von wirklich niemandem. Vielleicht ist es auch eine Blase und keine Hülle und sie zerplatzt statt zu schützen, sobald das zweite Kind seine Ansprüche an mich stellt, die ich meine eigenen Bedürfnisse tagsüber kaum mehr wahrnehme, das wird sich zeigen. Jetzt aber ist mir ziemlich egal, wer außen vor bleibt, wer stört, bleibt draußen.

September 14, 2009 | In Soso | | TrackBack-URL

  1. Zum Karparten:

    Meine Prämisse ist da: Feier und sauf’ am Abend davor soviel wie du willst - wenn du am nächsten Morgen aufstehen und für die Kinder sorgen kannst, ist alles okay. Auch wenn es dir wehtut, da können die Kinder nichts für.

    Das allerdings bedarf auch dem Vertrauen der Mutter, die sich - immerhin - nochmal umdrehen kann.

    Wer das eine kann, kann auch das andere, das Dasein, das bis-zum-Mittagsschlaf-Verantwortung-tragen, diese auch leisten. ;)

    Ich mag, was Du schreibst immer noch sehr gerne, aber das nur am Rande. ;)

    Kommentar von Ronny am 14. September 2009 um 23:58 | Link

  2. Männer lieben Frauen. Frauen lieben Kinder. Kinder lieben Hamster. Punktaus.

    Kommentar von Remington am 15. September 2009 um 00:56 | Link

  3. wenn man weiß worauf es ankommt-hört man auf gesprächig zu sein…nimm die hoffnung mit ;)

    Kommentar von ing am 15. September 2009 um 17:42 | Link

  4. @Ronny: ;-)

    (Inzwischen haben wir uns ja auch wieder lieb, nur manchmal hat “die Mutti” [a.k.a. ich] eben das Gefühl, daß da zwei Kinder sind, ein kleines und eins, das noch nicht weiß, wann es ins Bettchen muß um den nächsten Tag fit zu sein.)

    Kommentar von Julie Paradise am 15. September 2009 um 22:25 | Link

  5. Meine Frau sagt immer, sie wäre alleinerziehend mit drei Kindern.

    Kommentar von cvs am 16. September 2009 um 08:42 | Link

  6. ****Jetzt aber ist mir ziemlich egal, wer außen vor bleibt, wer stört, bleibt draußen.

    Hauptsache, die Tür ist nur angelehnt und nicht zugeschlagen.

    Ich drücke die Daumen, dass die Schutzblase groß genug ist, um Euch alle sicher darin gut zu verwahren!

    So long,
    Corinna

    Kommentar von Frau_Mahlzahn am 16. September 2009 um 21:27 | Link

  7. Männer brauchen etwas länger. Ich wollte ganz oft nur schreien, wenn ich gesehen habe, wie sich mein Mann beim anfangs beim Windelwechseln, später bei der Erziehung etc. angestellt hat. Habe mir das verkniffen und ihm gesagt, er sei der beste Vater der Welt. Mittlerweile glaube ich das sogar selbst. Kurz: Je mehr Verantwortung Du ihm gibst, desto verantwortlicher fühlt er sich.

    Gestern saßen wir mit unserem Kleinen (3) beim Abendessen. Es war so lustig und schön, dass wir bedauert haben, dass die Kleine (4 Monate) noch nicht dabei sein kann. Das Glück wirst Du aber in zwei Jahren haben.

    Was Du aber auf jeden Fall machen kannst: Gibt beiden Kindern denselben Tagesablauf, dann kannst Du weiter Mittagsschlaf machen.

    Nochwas: Geht Deine Tochter in den Kindergarten?

    Alles wird gut, noch viel besser sogar.

    Kommentar von Kristin am 20. September 2009 um 17:42 | Link

  8. Oooch, wenn man ihn stubst, macht er das alles schon prima, der Karpate ist nur leider manchmal etwas faul, da muß ich dann klare Ansagen machen, damit er mal übernimmt. Anfangs hatte er sogar mehr Ruhe und oft den besseren Instinkt als ich, bemerkenswerterweise, jetzt ist er eben etwas bequem geworden. ;-)

    Zur Kindergartenfrage: Nein, geht sie nicht, ganz bewußt nicht, auch wenn es dann für die vier Stunden etwas ruhiger wäre hier und vielleicht auch leichter. Aber so ab einem Jahr hat sie noch einmal einen Riesensprung gemacht und jetzt ist es meistens wirklich toll mit ihr und wir zweibeide machen uns die Tage richtig schön.

    Kommentar von Julie Paradise am 20. September 2009 um 22:16 | Link

Rock my Boat!