als die anderen Frauen?” Sie fragt, und er, den Rücken zugewandt, sagt nur: “Das kann man gar nicht vergleichen.”
Das ist mal wieder so eine Entgegnung, die Antwort zu nennen sich verbietet, denn beantworten kann sie nichts. Kurz setzt sie an nachzuhaken, aber lieber nicht, seine Geduld mag erschöpft sein, muß erschöpft sein nach allem, was er getan hat die letzten Tage, für sie und sein Himmelfahrtskonto.
Herrjeh! wie das klingt, so nach Himmelfahrtskommando und letztem Stündlein und sowieso sind zuviele Anspielungen umher, und sei es nur das ständige “Grüß Gott”, welches einem in Bayern überall begegnet. Sagen bayrische Juden eigentlich auch “Gott segne (behüte) Dich”, wenn jemand niest?
Jedenfalls hat sie gerade noch die Frage verschluckt, mit der seine Geduld hätte überreizt gewesen sein können, Frauen finden da ja immer kein Ende und, verdammt, in dieser Hinsicht war sie Frau wie nur irgend was. Aber was soll sie auch tun, sie will sich einordnen können, einen Platz machen in Phasen, wo sie sich oft unsicher und geschubst fühlt von anderen, die jede kleine Sicherheit ihrer derzeitigen Rolle umstoßen.
In einem Blog gab es vor nicht allzu langer Zeit einen Kommentar, der treffend bemerkte: “Wenn im Osten die Frau nicht arbeiten geht und mit den Kindern daheim ist, nennt man das “arbeitssuchend” und schämt sich, im Westen dagegen ist man Hausfrau und stolz darauf.” Und wenn man im Berliner Südosten Pech mit der angeheirateten Verwandtschaft hat, muß man sich wegen zweier dicht aufeinander folgender Schwangerschaften auch noch fragen lassen, ob das dritte Kind auch gleich hinterherkommt oder ob man jetzt mal die Beine zusammenlassen kann.
“Bin ich komplizierter als die anderen Frauen?” Die Frage war wohl so dumm wie die Antwort weise war.
Wir sagen “Gsundheit!” beim Niesen. Ich sage auch “vageits God” (vergelte es Dir Gott). Man denkt da nicht weiter nach, es ist nicht wirklich voller Bedeutung.
Im südlichen Westen heisst das übrigens gar nicht mehr Mutter, sondern “man nimmt sich die Zeit für die Kinder”. Und für einiges andere auch, aber das sagt man nicht dazu.
Kommentar von Don Alphonso am 29. August 2009 um 08:47 | Link
Wenn ich bei dir von der garstigen Verwandtschaft lese wird mir immer schwer ums Herz.
Fühl dich hiermit in den Arm genommen.
Kommentar von jens am 29. August 2009 um 18:21 | Link
Ich moechte euch ja nicht enttaeuschen, aber die Zeiten, in denen man im Westen stolz war, Hausfrau zu sein (oder eine an seiner Seite zu haben), sind auch schon eine Weile vorbei…
Daniela
Kommentar von Daniela am 01. September 2009 um 06:22 | Link
nicht komplizierter, schwanger!
Kommentar von Justus am 01. September 2009 um 20:08 | Link
Nicht komplizierter — vielschichtiger, vielleicht, komplexer, auf alle Fälle interessanter.
Heute sagt man zur Hausfrau Vollzeitmutter, weil es sonst einfach nicht “wichtig” genug wäre, sich für die Familie entschieden zu haben!
Egal, ich bin Hausfrau — zwar eine Fehlbesetzung, was den Haushalt angeht, aber ich steh dazu, ;-).
Allerdings merke ich auch immer wieder, wie man belächelt und nicht ernst genommen wird. Erst wenn man “was vorzuweisen” hat, was außerfamiliäres sozusagen, dann wird man wieder wahrgenommen.
Arg, das alles.
So long,
Corinna
Kommentar von Frau_Mahlzahn am 02. September 2009 um 08:59 | Link
2 Kinder sind ja auch noch kein Akt, andere freuen sich sogar noch auf das 19. .
spiegel.de/panorama/0,151...
Lass dich nicht unterkriegen.
Kommentar von jens am 03. September 2009 um 15:08 | Link
Erstaunlich, was eine Schwangere an Hormonschwankungen so wegsteckt… Das gibts sonst eigentlich nur in der Pubertät. Deswegen sag ich immer, die darf das ;-)
PMS finde ich - als Mann - da viel unerträglicher!
.
Andererseits werden Mütter, die nicht zu Hause bleiben sondern arbeiten wollen, als “Rabenmütter” bezeichnet. (Ein Wort, dass es übrigens nur im Deutschen gibt!) Ist irgendwie beides falsch: die mangelnde Anerkennung der Leistund von Hausfrau/mann und Mutter/Vater und die unzureichende Kinderbetreuung für die Werktätigen.
Kommentar von cvs am 07. September 2009 um 11:21 | Link