
Vorbei die Zeiten, als feine Damen mit einem großen Koffer reisten, mit einem Riesenkoffer um genau zu sein, zwei Trägern, einer Kutsche, Reisekleidern, aus denen abends der Staub geschüttelt wurde und sich Gouvernanten um die Kleinen kümmerten.
Wir reisen mit Rucksäcken, Freßpaketen, einem Kinderbettchen und Fertigbrei. Alle paar Minuten verrenke ich mir den Hals um das liebste aller Kinder mit Tee und Klappertierchen zu versorgen, während draußen die Landschaft reicher und der Himmel blauer werden. Berlin — Ingolstadt — Tegernsee.
Der Gastgeber mag es nicht anders gewohnt sein, wir aber bekommen strahlende Augen angesichts des herrlichen Anblicks, welcher sich allein schon beim Abstieg ins Örtchen auftut. Bestes Kaiserwetter.

Mit Kind und Begleiter spazieren wir an den Tegernsee, gemessen schwungvollen Schrittes, mondän macht munter, aber bitte nicht übertreiben.

Sommer, Sonne, Sonnenschein, was kann schöner sein? Das Kleine zum ersten Mal an einem Strand herumplantschen zu sehen zum Beispiel, ein kleiner süßer Nackedei, und Spaß dabei, sehr viel Spaß. Wozu Spielzeug? Wasser, Kiesel, Sand und Patschehändchen, die nach Herzenslust herummmoddern, und alle halbe Stunde eine kleine Runde im flachen Wasser genügen zum Glücklichsein.

Die Kleine Prinzessin genießt ihr Leben.

Die Vögel genießen die Sonne. Es müssen einheimische Vögel sein, wie sie da sitzen, in Reih und Glied.

Wenige Meter weiter den Strandweg entlang finden wir einen Spielplatz. Manche sagen, es sei der schönste Spielplatz Deutschlands. Die glücklichsten Kinder habe ich dort allerdings nicht gesehen. Jan-Niklas durfte nicht mehr schaukeln, weil er noch “zur Anprobe” mußte, Theresa (”Theeheereesa!”) wurde ausgeschimpft, weil “jetzt wieder die weiße Hose schmutzig ist, Menschenskinder!” und Noëmi ist ein verzogenes Gör. Denn obwohl Leia und ich schon länger auf einen Platz zum Schaukeln in der großen Schale gewartet hatten, stürzte ihr Vater raubtierartig hervor und versuchte, uns wegzuekeln. Mein Vorschlag, die zwei Mädchen doch zusammen schaukeln zu lassen, schließlich hat Leia oft schnell genug vom Schaukeln, wurde von der ungefähr Dreijährigen deutlich abgeschmettert: “Mit dem doofen Baby da will ich nich’!” (Schmollgesicht.) Sie schaute dann so giftig zu uns herüber, daß es keinen Spaß machte und wir uns auf die normale Schaukel setzten. Nunja.

Schade, daß ich nicht zum Lesen komme, zu gern hätte ich die noch verpackten Bücher des Gastgebers angelesen, mindestens.

Das kleine Teufelchen aber, das meine Zeit stiehlt, ist auch hier fleißig.

So bleibt mir nur, jeden Abend als letztes Schmankerl einen Prügel zu genießen, eine weitere liebe Aufmerksamkeit des Hausherrn, und zu tun, wofür ein Urlaub da ist: Genießen, erholen, schlafen.
Gute Nacht.
Noemi ist aber doch hoffentlich nur ein imaginäres Kind, genauso wie ich hoffe, dass ihr Vater ein imaginärer Vater ist… Weia.
Alles in allem dürften die beiden Euch aber wohl nicht den Urlaub verdorben haben, denn die Bilder sehen sehr entspannt aus!
So long,
Corinna
Kommentar von Frau_Mahlzahn am 25. August 2009 um 20:06 | Link
Da muß ich enttäuschen: Noemi heißt wirklich so, der Vater war raubtierartig und insgesamt war es dennoch nur eine kleine Episode, klein, aber bezeichnend. Auf der anderen, weniger exklusiv wirkenden Seite des Sees gibt es aber winzige Badestellen, wo alles weitaus weniger überkandidelt wirkte und richtig nette Kinder mit der Kleinen spielten.
Kommentar von Julie Paradise am 25. August 2009 um 21:02 | Link
****Noemi heißt wirklich so, der Vater war raubtierartig ****
Unglaublich, manchmal glaubt man es ja kaum…
So long,
Corinna
Kommentar von Frau_Mahlzahn am 27. August 2009 um 09:34 | Link
“Die Vögel genießen die Sonne. Es müssen einheimische Vögel sein, wie sie da sitzen, in Reih und Glied.” Nicht nur ein sehr poetischer Satz, sondern auch mit ordentlich Biss dahinter. Toll!
Ich hab nur schlechte Erinnerungen an den See. Ich musste da als Kind ein paar Mal hin mit meinen Eltern zu so komischen Freunden von denen, ich glaube heute, das waren so erzreaktionäre Bayern. Ich hab das dunkel und bedrückend erfahren. Schön, dass es auch anders geht.
Und sonst: Kinder und Strände sind eine wunderbare Mischung. Oh ja!
Kommentar von Björn Grau am 01. September 2009 um 19:42 | Link