“Bin ich komplizierter

als die anderen Frauen?” Sie fragt, und er, den Rücken zugewandt, sagt nur: “Das kann man gar nicht vergleichen.”

Das ist mal wieder so eine Entgegnung, die Antwort zu nennen sich verbietet, denn beantworten kann sie nichts. Kurz setzt sie an nachzuhaken, aber lieber nicht, seine Geduld mag erschöpft sein, muß erschöpft sein nach allem, was er getan hat die letzten Tage, für sie und sein Himmelfahrtskonto.

Herrjeh! wie das klingt, so nach Himmelfahrtskommando und letztem Stündlein und sowieso sind zuviele Anspielungen umher, und sei es nur das ständige “Grüß Gott”, welches einem in Bayern überall begegnet. Sagen bayrische Juden eigentlich auch “Gott segne (behüte) Dich”, wenn jemand niest?

Jedenfalls hat sie gerade noch die Frage verschluckt, mit der seine Geduld hätte überreizt gewesen sein können, Frauen finden da ja immer kein Ende und, verdammt, in dieser Hinsicht war sie Frau wie nur irgend was. Aber was soll sie auch tun, sie will sich einordnen können, einen Platz machen in Phasen, wo sie sich oft unsicher und geschubst fühlt von anderen, die jede kleine Sicherheit ihrer derzeitigen Rolle umstoßen.

In einem Blog gab es vor nicht allzu langer Zeit einen Kommentar, der treffend bemerkte: “Wenn im Osten die Frau nicht arbeiten geht und mit den Kindern daheim ist, nennt man das “arbeitssuchend” und schämt sich, im Westen dagegen ist man Hausfrau und stolz darauf.” Und wenn man im Berliner Südosten Pech mit der angeheirateten Verwandtschaft hat, muß man sich wegen zweier dicht aufeinander folgender Schwangerschaften auch noch fragen lassen, ob das dritte Kind auch gleich hinterherkommt oder ob man jetzt mal die Beine zusammenlassen kann.

“Bin ich komplizierter als die anderen Frauen?” Die Frage war wohl so dumm wie die Antwort weise war.

August 29, 2009 | In Soso | 7 Comments | TrackBack-URL

Die sogenannten besseren Kreise

sind auch nicht wirklich rund. Eieiei.

August 25, 2009 | In Soso | No Comments | TrackBack-URL

… und jeden Abend Prügel

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Vorbei die Zeiten, als feine Damen mit einem großen Koffer reisten, mit einem Riesenkoffer um genau zu sein, zwei Trägern, einer Kutsche, Reisekleidern, aus denen abends der Staub geschüttelt wurde und sich Gouvernanten um die Kleinen kümmerten.

August 24, 2009 | In Soso | 4 Comments | TrackBack-URL

Die andere Seite

Es sitzen drei Erwachsene um ein kleines Kind herum, machen Blubbblubbgeräusche, lachen, seufzen, finden vieles süß und manches komisch, reagieren auf jede Geste und sind ganz gerührt und plötzlich erinnere ich mich an kleine Momente von früher, als ich sie so seltsam fand, diese großen Menschen, die mich immer so ansehen und “hach, niedlich” sagen und “guck mal, die Kleine, hast du das gesehen”.

Dabei nimmt doch, genau genommen, nur ein 14 Monate altes Kleinkind eine Wurststulle auseinander und schneidet Gesichter für eine Viertelstunde.

Eine Welt für sich ist das, meine Welt derzeit, und ich möchte bestimmt nicht tauschen.

August 14, 2009 | In Soso | 1 Comment | TrackBack-URL

Kleine Kiste

Wenn sie von früher erzählen, ist da immer diese Grenze, sind da immer die gleichen Bilder, die gleichen Worte, die Lacher zur gleichen Zeit. Fragt man weiter, will mehr wissen, diesmal anderes, verstummen sie und können sich nicht mehr erinnern.

Oder sind überraschterfreut, aber das nur selten, eher verwirrt.

Besonders die Geschichten meiner Omi waren und meiner Mutti sind großartig, aber oft wie in eine zu kleine Kiste gestopft. Du kannst nur mitnehmen, was hineinpaßt, der Rest bleibt übrig, kommt weg, vertüdelt sich und wäre doch ebenso interessant. Oder wie hinter eine Scheibe gesperrt, an der ich mir die Nase plattdrücke und nicht vorbeikomme und nur alles vollatme beim Versuch, doch um die Ecke zu sehen.

Ich frage morgen weiter und bringe eine neue Kiste mit.

August 14, 2009 | In Soso | 1 Comment | TrackBack-URL

Dummfug

Ich freue jetzt schon mich darauf, noch viel mehr Blödsinn mit dem Kind anstellen zu können, je älter es wird.

Hululululululuuuu.

August 12, 2009 | In Soso | No Comments | TrackBack-URL

Fertig!

Es gibt so Momente, da rutscht einem das Herz doch noch einmal kräftig in die Hose, so kurz vor Schluß:

Gerade habe ich ein Buchprojekt abgeschlossen, eine Habilitationsschrift, die satzfertig gemacht werden mußte, und nun, nach Abgabe der Druckfassung habe ich erfahren, daß das Ganze genauso, ohne Korrekturfahnen, als Buch erscheinen wird. Ich selbst habe zuletzt (und zu spät) nur noch zwei klitzekleine Kleinigkeiten gefunden, der Autor hingegen hat nicht einmal diese aufspüren können. Aber wenn ich mich erinnere, wieviel vorher immer noch durchgerutscht ist … heijeijei.

Jetzt aber rufe ich innerlich “Fertig” Fertig!” so wie wir es bei Leia immer tun, wenn das Windelnwechseln endlich vorbei ist und das dann folgende Anziehen (Body, Miniwinzstrumpfhosen, kurze Höschen, immerhin sind die Fliesen und das Laminat auch im Sommer meist ziemlich kühl bei uns), und ich möchte seitdem ebenso begeistert in die Hände klatschen, wie die Kleine es immer tut.

August 12, 2009 | In Soso | 2 Comments | TrackBack-URL

20 Minuten Musik

Neulich habe ich Musik gehört. 20 Minuten lang, mit Kopfhörern.

Ich weiß nicht mehr, wann ich so durchgeknallt bin, aber ein paar Dinge, die sich lange in mir und um mich herum zusammengebraut hatten, sind vor einigen Wochen über mir eingestürzt und seitdem versuchte ich, mich langsam wieder aus dem ganzen Schutt herauszuwühlen. Ich hatte Alpträume und Panikanfälle in der S-Bahn und in Cafés, weil es dort mittelmäßig laut war und konnte die Vorstellung, auch nur entfernt mit Lärm zu tun zu haben, nicht ertragen. In mir war es laut genug und jedes bißchen mehr war da zuviel.

Neulich habe also wieder Musik gehört, mit Kopfhörern, ganz normal und beschwingt beim Dahinschlendern.

Kleinigkeiten eben.

August 12, 2009 | In Soso | No Comments | TrackBack-URL

Handballs

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(Reißkohle und Pastell auf Papier)

August 12, 2009 | In Mennofaktur | No Comments | TrackBack-URL

Handtellergroße Hämatome

an den Schienbeinen mindern den Eindruck weiblicher Eleganz doch erheblich.

August 3, 2009 | In Soso | 4 Comments | TrackBack-URL

Das unmögliche Möbel

Man kann bei der Wahl seiner Einrichtungsgegenstände auf den Preis achten. Oder darauf, daß der Stil zum restlichen Interieur paßt. Man kann seine Persönlichkeit ausleben (Holz versus Chrom, d.i. Chaotinnencharme versus Korinthenkackerstrenge) oder — man kann seine Möbel einfach erben. Und lieben.

Ich liebe mein Sofa. Es ist häßlich, es ist kaputt, es hat eine unmögliche Farbe und ist für die neue Wohnung ebenso zu groß wie es das, uneingestanden, für die alte war. Das bordeauxrotviolett ist an vielen Stellen abgescheuert oder gar eingerissen, die Federn sind teilweise gesprungen und nur dank des Improvisationstalentes des Karpaten nicht zu spüren, die Schlaffunktion haben wir nie ausprobieren können und einige Nähte spreizen sich bedenklich. Aber ich liebe mein Sofa, ich wollte es vom ersten Augenblick an haben.

Das Sofa stand zur Verschrottung bei Nachbarn meiner allerersten Wohnung. Wir alle waren damals aus dem Haus genötigt worden, da sich bekanntermaßen nach einer Komplettsanierung mit neuen Mietern mehr Geld machen läßt als mit den Bestandsbewohnern. Freunde der Nachbarn hatten die Chance genutzt, das Unding von irgendwiemalweinrotgewesenem Ecksofa mit Recamière (und eben der verschollenen Schlaffunktion) dort abzustellen und vom Vermieter entsorgen zu lassen, so wie alles, was wir in den Wohnungen beließen, recht großzügig entsorgt wurde. Ich war nur kurz zu Besuch dort oben, wir warteten auf die Möbelpacker, und dem besten Freund fiel angesichts des Monsters von Möbel ein, daß unser anderes Sofa das neue Wohnzimmer nur ungenügend würde füllen können. Ein Wort gab das nächste und schon hatten der Karpate und ich nach dem Kleiderschrank, den wir nun ebenfalls das zweite Mal mitumgezogen haben, dieses Sofa geerbt.

Überhaupt, irgendwie zu Möbeln zu kommen, hat sich bisher immer als Glücksfall erwiesen. Mein Schreibtischstuhl ist ebenso wie der Küchentisch ein Überbleibsel der Möbel der Großmutter vom Mädchen, das in meiner ersten Wohnung die Vormieterin war. Den Küchentisch habe ich abgeschliffen und lackiert, nach nun neun Jahren ist es für mich immer noch der Inbegriff von Küchentisch und die Pläne des Karpaten, ihn neuerlich aufzuarbeiten und dabei die einst ausklappbare Arbeitsplatte, die eingenagelt im Inneren ihre Bestimmung nicht erfüllen kann, zu befreien, erfreuen und ängstigen mich gleichermaßen; der Tisch soll so bleiben, wie er geworden ist und weiter werden, älter werden, meiner bleiben.

Der eben angesprochene Kleiderschrank faßt, bis auf Schuhe und Jacken, alle Kleidung, die der Karpate und ich besitzen, und noch viel mehr, und anders als die Schränke, die man überall kaufen kann, kann man ihn immer noch und immer wieder auseinander bauen, und seine Schrunden und Wunden machen ihn nicht kaputt, sondern schöner, würdiger.

Und dann wären da noch ein anderes Sofa mit passendem Sessel, eigentlich zwei Sesseln, aber nur einer davon paßte mit in die 36 Quadratmeter der ersten Wohnung. Diese beiden Stücke sind von der Familie, bei der ich Babysitterin war, sie hatten sich, als die Kinder aus dem Gröbsten raus waren, endlich neue Möbel gegönnt und mir ihre alten vermacht. Sie sind mit grasgrünem Stoff bezogen, abgesteppt mit einst roten, nun eher rosafarbenen Knöpfen, und sowohl Sofa als auch Sessel kann man ausziehen und darauf schlafen, sehr bequem darauf schlafen im übrigen. Ich vergesse immer, daß sie grün sind, denn seit eh und jeh wird die Erinnerung an die eigentliche Farbe überlagert durch die weißen Decken, die darüber gespannt sind. Wie anders Möbel und damit die Zimmer wirken, wenn nur die Farbe (bzw. der Hauptteil der wahrnehmbaren Farbe) sich ändert!

Noch lange sehen wir keinen Anlaß und auch nicht die finanzielle Perspektive, von bald zwei kleinen herumschmaddernden Kindern mal abgesehen, unsere unmöglichen, kaputt, geliebten Sofas gegen etwas Neues einzutauschen. Das Alte ist nämlich nicht einfach nur alt, es ist unseres geworden und bleibt es auch.

August 2, 2009 | In Soso | 1 Comment | TrackBack-URL