Sommergewitter

sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.

Erinnert sich noch jemand an die Schwüle vor dem Gewitter, tagelang, dann die silbrige Luft, die immer leerer wurde für einzwei Stunden nur, der aufkommende Wind, heiß zuerst, dann warnender, durchdringender, kühler, die ersten Blitze und dieses Scheppern und Krachen dann plötzlich überall, während der Regen prasselte und prasselte und das Donnern und Lärmen gar kein Ende mehr nehmen wollte?

Wir rannten dann immer schreiend und lachend heim, halb abenteuernd, halb schaudernd, klatschnass und glücklich. Und angekommen, war das Gewitter noch langelange nicht vorbei, den ganzen Abend lang saßen wir auf dem Balkon und zählten mit zusammengekniffenen Augen die Blitze, maßen ihre Entfernung und waren wie elektrisch aufgeladen, aufgeregt und so — lebendig.

Heutzutage ist der Himmel schwarz, hmnja, es blitzt mal eben hier und da, wenn man Glück hat, hört man das Donnern in der Ferne und der Regen plätschert halt so vor sich hin, immer wieder mal. Mit Ausnahme vielleicht eines Gewitters dieses Jahr war das alles recht enttäuschend, auch heute wieder, und kaum waren wir daheim, die Kleine und ich, hörte es auch schon wieder auf mit wenigstens dem letzten bißchen Tosen.

Sommergewitter sind auch nicht mehr das, was sie mal waren, oder liegt das an mir?

Julie 17, 2009 | In Soso | | TrackBack-URL

  1. Kann ich nur unterschreiben. Bisher waren das immer so elendige “Rohrkrepierer”.

    Kommentar von Torsten am 18. Julie 2009 um 07:25 | Link

  2. Entschuldigt bitte wenn ich so unromantisch bin und dagegen argumentiere. Ich denke diese Wahrnehmung ist einfach dem menschlichen Gedächtnis geschuldet dass sich (grob gesagt) stärker an besondere Ereignisse als an gewöhnliche Gewitter erinnert, und dabei muss man nicht mal anführen dass bestimmte Erinnerungen zusätzlich verklärt werden.
    Ich glaube auch “früher” gab es nur ein, zwei besonders starke Sommergewitter, und nur an die weniger starken erinnert man sich nicht so stark, oder vermischt die Erinnerung an die normalen und die starken, eindrücklichen Gewittererlebnisse miteinander.
    Rein vom meteorologischen Standpunkt sollten die Wetterextreme durch den Klimawandel eher stärker denn schwächer werden, aber diese Wandlung findet wohl eher in längeren Zeiträumen als ein oder zwei Jahrzehnten statt.

    Übrigens habe ich vor zwei Wochen ein schön kräftiges Sommergewitter in der Sächsischen Schweiz erlebt. Das kündigte sich auch einen Tag vorher an, und es grollte stundenlang vorher während die Luft immer stickiger wurde. Als dann der Wolkenbruch eintraf, samt Hagel, Blitz und Donner, war man innerhalb von einer Minute vollkommen durchnässt…

    Grüße, HR.

    Kommentar von HR am 18. Julie 2009 um 11:17 | Link

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