Alle meine Entchen

entchencsm

Mai 2, 2009 | In Mennofaktur | 1 Comment | TrackBack-URL

Dehnen

Heute schummle ich mal wieder. Der Karpate hilft mir dabei. Süß!

Wenn mein Baby mal nicht bei mir ist, fühle ich mich seltsam amputiert. Wie ein Brillenträger ohne Brille, im Traum, und er kann dennoch scharf sehen. Wie nach einem langen Winter ohne die Stiefel, die zu tragen man so gewohnt war. Wie, wenn ich ohne Taschentücher, Stift, Notizbuch, Uhr, Ehering, Handy, Ausweis-Geldkarte-Studentenausweis-Mäppchen aus dem Haus gehe oder, schlimmer noch, ohne Lippenbalsam und Handcreme.

Wenn mein Baby mal nicht bei mir ist, vergeht die Zeit anders. Nicht besser oder schlechter, schneller oder langsamer, anders eben. Heute ist einer dieser seltenen Tage, die ich ohne die Kleine verbringe, der Karpate ist mit ihr zu seinen Eltern gefahren, die nun zwar herummosern werden, ich könne sie wohl nicht leiden und würde daher nicht mitkommen (och, naja), insgeheim aber froh sind, das süßeste aller Enkelkinder nicht mit noch einer weiteren Person teilen zu müssen.

Das mit dem süßesten aller Enkelkinder könnte sich bald erledigt haben, wenn der Karpate recht hat und das zweite Baby wirklich, wie sein Gefühl sagt, ein Junge wird. Bei der Erwähnung dieses seines Gefühls gab es doch ganz andere Reaktionen als damals, nachdem wir wußten, daß aus dem Böhnchen in meinem Bauch eine kleine Leia werden würde. Nunja, sollten sie einen Buben wirklich anders behandeln als seine wunderbare große Schwester, dann werden wir das jedenfalls nicht einfach so hinnehmen. Im Gegenteil. Und Bezeichnungen wie “die Große” versus “der Kleine” höre ich ebenfalls ungern, da die zwei Süßen ja nur 16 Monate trennen. Aber ich wollte eigentlich etwas anderes …

Es ist so ruhig daheim, wenn das Baby nicht da ist. Als Begründung für mein Hierbleiben mußte heute die Auftragsarbeit herhalten, die ich seit zwei Wochen erledige, ein Buchprojekt, welches (vornehmlich auf der technischen Seite) zur Druckreife geführt werden will. Die letzten beiden Male hieß es, ich bräuchte meine Ruhe, etwas Schlaf, und auch das stimmte zwar, doch streng genommen ist es schon eine leichte Dehnung der Wahrheit.

Ich möchte einfach mal meine Ruhe haben. So richtig Ruhe, am hellichten Tag, einfach mal wieder nur vor mich hintüdeln mit der Aussicht auf noch mindestens vier bis fünf weitere Stunden. Daß ich nebenher dennoch Wäsche wasche oder Essen vorkoche, geschenkt, es fühlt sich dennoch sehr anders an, dies ganz allein zu tun. Sonst horche ich immer auf das Baby im Hintergrund, im Nebenzimmer, Geklapper und Gebrubbel ist gut, Stille ist schlecht, dann eile ich zu ihr um mich zu vergewissern, daß alles in Ordnung ist. Zwischendurch wuselt sie um meine Beine, muß vom Herd weggezerrt werden, räumt wieder das CD-Regal aus, versucht die karpatischen Computerkabel zu entrollen, verstellt die Stereoanlage, schafft es an allen Hindernissen vorbei auf den Balkon, entdeckt die Untiefen des Mülleimers oder möchte einfach nur von mir in den Arm genommen zu werden. Jeden Moment ist so doppelt und dreifach aufzupassen, und wie anstrengend das auf die Dauer ist, merke ich erst immer abends, wenn sie im Bettchen ist. Dann aber bin ich selbst zu müde, die nun beginnende Freizeit richtig zu genießen, denn die Zeit, die ich dann ungestraft verdaddeln kann, ist sehr begrenzt, immerhin beginnt der nächste Tag spätestens um sechs Uhr. Wenn es gut läuft und sie lange schläft.

Jetzt bin ich also allein und dehne die Stunden nach meinem Belieben und weiß: Ich könnte mich sogar mal wieder langweilen, wenn ich wollte.

Mai 1, 2009 | In Soso | 2 Comments | TrackBack-URL