Schon erstaunlich, wie schnell ich mich durch etwas Anstrengung und Schlafmangel an die Grenzen dessen getrieben sehe, was ich für verkraftbar halte. Der Versuch, nebenher etwas zu arbeiten, abends, wenn das Baby schläft, um die Haushaltskasse etwas aufzubessern und damit endlich auch mal wieder etwas zum Einkommen der Familie beizutragen, darf wohl als gescheitert angesehen werden, zumindest stehe ich kurz davor, aufzugeben.
Seit beinahe zwei Wochen habe ich keine Nacht mehr als zwei bis drei Stunden am Stück geschlafen, selbst wenn es die äußeren Umstände wie früheres Zubettgehen oder etwas längeres Schlafen des Babys erlaubt hätten, hielten mich Grübeleien oder Alpträume vom erholsamen Schlaf ab.
Seit ich lesen kann, habe ich in jeder Woche mindestens ein Buch verschlungen, seit letzten Mai hingegen sind es immer noch nur klägliche drei Bände, derer zwei man nicht einmal als Text im eigentlichen Sinne werten kann. Das Problem ist wohl, daß ich es jedem und allem recht machen will, bloß nichts verpassen möchte, nicht nachlassen, mir nichts vorwerfen lassen. Also ist der Tag geprägt von beinah pausenlosem Dasein für die Bedürfnisse anderer — oder dessen, was ich davon halte?
Das Baby hat natürlich immer Vorrang, immer, was auch völlig in Ordnung ist. Ich glaube nicht daran, daß man Kinder “auch mal einfach schreien lassen” sollte, um sie in welcher Weise auch immer zu disziplinieren oder zu erziehen und bisher denke ich immer noch, daß es richtiger ist, immer für die Kleine da zu sein. Irgendwann wird sich das enorm auszahlen, so berechnend dies jetzt klingen mag. Das bedingt natürlich stete Aufmerksamkeit für ihre Bedürfnisse und hat zur Folge, daß mein Alltag zu zerfasert ist um Informationen jenseits der Aufmerksamkeitsspanne von etwa Lebensmittelprospekten aufnehmen zu können. Ehrlich gesagt brauche ich aber auch schon zum Durchgehen eines Lebensmittelprospektes Stunden, denn irgendetwas kommt immer noch zwischen die eine und die zweite Minuten, in der ich etwas tue.
Irgendwann endet aber jeder Kleinkindtag, der inzwischen (seit etwa zwei Wochen) leider bereits gegen 6 Uhr oder 6.30 Uhr beginnt, irgendwann heißt eigentlich: wenn das Mäuschen im Bett ist, so richtig fertig mit allem aber bin ich erst, wenn der Tageskram, die Spielsachen, der Abwasch, die Wäsche fertig sind, also gegen 21 Uhr. Dann erst lohnt es sich für mich, wenigstens kurz den PC anzuwerfen und einen Blick hinaus in mein Internet zu wagen. Danach beginnt seit kurzem die eigentliche Arbeit, Textarbeit, Formatieren, eine Auftragssache. Eigentlich nicht weiter anstrengend, nur daß ich vom ständigen Dasein am Tage schon gar nicht mehr da bin, es auch nicht mehr sein möchte, aber wohl muß. Dennoch: Die Bezahlung lockt und lohnt sich ja auch.
Vielleicht ist es ja normal, daß man langsam bekloppt wird, wenn man tagsüber mit einem Baby daheim ist, aber ein relativ neues Problem, was ich bemerke, ist der Dreck überall. Der Dreck überall macht es nicht einfacher, mich zurückzulehnen und einfach mal alles egal sein zu lassen. Kommentare wie die von den Karpateneltern, ich hätte es ja wohl nicht so mit dem Putzen oder er hätte offenbar sein Frauchen nicht so recht im Griff tragen auch nicht gerade zur Entspannung bei.
Warum schreibe ich hier kaum noch etwas? Weil mir nicht egal ist, was andere über mich denken, weil mich diese Putzidiotie und der Perfektionswahn offenbar angesteckt haben und ich mich irgendwie nur noch im Kreis drehe bei dem Versuch, hier alles in Ordnung zu halten, gar heimelig, stets sauber und gemütlich zu machen gegen das Durchwurschteln von Baby und Karpate, die alles umdrehen und verstellen, was ich doch gerade erst in der Hand hatte. Auf Knopfdruck munter, fröhlich und immergeduldig, so sollte eine gute Mutti daherkommen, keine Frage, aber dann wäre ja noch die Sache mit dem Geld: S.o. Gleichzeitig ein letztes bißchen Hirn zu bewahren wäre schön, aber wann denn bloß? Einlassungen wie die, ich könnte ja nebenher meine Magisterarbeit schreiben, mit Baby, andere schaffen das schließlich auch, oder wenigstens anderweitig etwas “Vernünftiges” machen, lassen mich dann schon mal in Tränen ausbrechen. Ich glaube, so etwas nennt man resigniertes Überfordertsein.
Aber vielleicht bin ich ja auch einfach nur faul.
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