Besuch!

Es gibt so Meilensteine im Babyleben, die vergißt man nicht. Man wird zwar immer davor gewarnt, daß, wenn, dann alles gleichzeitig passiert, aber so gebündelt hatte ich die Ereignisse der letzten Wochen dennoch nicht erwartet.

Es begann im März, als die Kleine plötzlich stehen konnte. In der S-Bahn stellte sie sich an die längs der Scheiben verlaufende Lehne und von dem Moment an konnte sie es: Stehen. Zwar etwas wackelig noch und einmal sogar fiel sie wie ein Stein, naja, eher wie ein Brett mit gerade gestrecktem Rücken nach hinten, seitdem aber ist das nie wieder geschehen. Jetzt läßt sie sich nur noch dann vertrauensvoll rückwärts fallen, wenn sie eine Hand hinter sich weiß. Kluges Kind.

Will sie sich wieder hinsetzen, bückt sie sich leicht, eine Hand zunächst noch auf Tisch oder Sofa, während die andere sich flach auf den Boden stützt, dann geht sie in die Knie und macht einen eleganten Miniplumps weg von der Stehhilfe. Somit ist sie auch nie beim Hinsetzen mit dem Kopf angeschlagen. Ist sie hingegen müde oder wird überrascht, hält sie sich umso fester und schreit markerschütternd, anstatt erschrocken oder entkräftet hinzufallen. Immerhin gibt es so nur klingelnde Ohren, kein lädiertes Baby. Inzwischen wagt sie kleine Schritte entlang der Stütze, die nun auch wir Eltern sein können. Es gibt kaum etwas Rührenderes als das eigene Baby, welches andächtig einen kleinen Kreis um einen herum läuft!

Ebenfalls seit Mitte März sitzt sie endlich richtig frei. Viele begehen ja den Fehler, ihr Baby irgend wohin zu plazieren und dann sitzt da so ein kleiner Kloß mit ohne Hals, krummem Rücken und Dreifachkinn, höchstens gehalten von stützenden Händen oder gar Kissen. Manche sind dann gar stolz, wenn das Kleine schon im Stühlchen sitzt. “Sitzt”, pah, es hängt eher wie eine Padde, und was man dem kleinen Rücken damit antut … Jedenfalls, das erste Mal wirklich sitzen geblieben ist die Maus, die sonst immer gleich auf die Seite weiterrollte, vor den Augen von Tanja von Spreeblick, die als erfahrende zweifache Mutter nur wissend dazu nickte. Seither bekommt Leia ihre Mahlzeiten zunehmend häufig im Hochstuhl serviert, der doch vieles erleichtert, weil ich nun endlich die Hände frei habe, solange sie sich darin befindet und an Gurke, Banane, Pflaume, Stulle und so vielem mehr herumknautscht. (Ein Bild davon gibt es hier. Dort ist auch gut zu erkennen, wie sie Diva spielt oder Teufelchen, indem sie die Händchen in den Nacken legt, grinst, Verzeihung: griiiiinst — und sich das Essen in die Haare schmiert. Gurke im Haare riecht übrigens gut, Margarine (Lätta) auch, mindestens einen halben Tag lang, Banane ist dann aber doch einfach nur ekligpampig.)

Am Gründonnerstagmorgen haben wir erschrocken gesehen, daß sie trotz Schlafsack in ihrem Bettchen steht und die Gitter rockt, also haben wir, um Kletteraktionen und Stürze zu vermeiden, zwei der Gitterstäbe herausgenommen und aus dem Babyknast ein Kleinkindbettchen gemacht. Bisher sind unfreiwillige nächtliche Ausflüge noch nicht vorgekommen, dafür ist am Karfreitag und Karsamstag etwas ganz Wunderbares geschehen:

Es klackerte morgens auf dem Laminat, ein energisches Keuchen war zu hören, dann ein fragendes Husten im Wohnzimmer — BESUCH!

Die Kleine ist morgens im Schalfsack aus ihrem Bettchen, dem Kinderzimmer, durch den Flur und das Wohnzimmer vor das Schlafzimmer gekrabbelt, woraufhin wir stolzen Eltern taten, was stolze Eltern eben so tun: Tränchen vergießen, loben, kuscheln und kein Foto machen. Wir waren so mit Sehen, Staunen, Freuen und Niemalsvergessenbitte! beschäftigt, daß uns dieser Gedanke gar nicht gekommen ist.

Es gibt übrigens viele Momente in ihrem noch kurzen Leben, von ihrer Geburt, dem ersten Mal auf meinem Bauch, in unseren Armen, in ihrer Wiege, in ihrem Buggy, von denen es keine Fotos, geschweige denn Videos gibt, und ich mag den Gedanken. Die Schwiegereltern werfen uns vor, daß wir zuwenig Erinnerungen konservieren, aber diese und andere Ereignisse brennen sich so ein in unser Gedächtnis, die werden wir zwei nie vergessen. Nur möchten wir auch nicht alles mit jedem teilen, gerade die Schwiegereltern sind ja äußerst einmischungsfreudig, geradezu distanzlos, taktlos manchmal, sie hatten allen Ernstes vorgeschlagen, daß der Karpate die Geburt mitfilmen möge. Die Kamera hätte ich ihm aber um die Ohren gehauen. Das sind unsere Momente.

So wie auch der Anblick des keuchenden Krabbelkekses neulich am Fuße unseres Bettes. Hach, werdet Eltern, dann wißt ihr, wie unsagbar glücklich solche winzigen und dabei doch großen Schritte machen, jeder einzelne!

April 14, 2009 | In Soso | | TrackBack-URL

  1. Arrgh, daß sie seit Karfreitag eineinhalb Zähnchen hat, wollte ich ja auch noch schreiben! Jedenfalls: ZÄHNCHEN! Richtige kleine Hasenzähnchen, unten, nomnomnom.

    Kommentar von Julie Paradise am 14. April 2009 um 23:12 | Link

  2. schnüff (schön!).

    Kommentar von Björn Grau am 15. April 2009 um 00:13 | Link

  3. Das mit den Fotos unterschreibe ich so. War meine Digicam früher auch mein ständiger Begleiter denke ich mittlerweile nicht mehr, dass ich jeden tollen Nachmittag, jeden tollen Kneipenabend, jeden tollen Moment für die Ewigkeit festhalten muss. …könnte aber auch daran liegen, dass meine Digicam einfach kaputt ist :-)

    Ich hoffe die Kleine ist nicht an der Decke gekrabbelt und hat dabei den Kopf verdreht? :-) Spaß beiseite, ich glaube bei mir wäre auch noch ein ziemlicher Schreck dazu gekommen, zu wissen, dass die Kleine ohne mein Wissen durch die ganze Wohnung krabbeln und werweisswas anstellen könnte.

    Kommentar von Jeriko am 15. April 2009 um 07:48 | Link

  4. Gefährlich kann es nicht wirklich werden, das “Gefährlichste” in der Wohnung sind derzeit Dinge wie Tischkanten, der Müll oder die Klobürste. Da wir abends vor dem Schlafengehen aber immer Bad und Küche schließen, dafür die Kinderzimmertür wieder öffnen, kommt die Kleine nur in ihrem Zimmer, im Flur, Wohnzimmer und dem Schlafzimmer herum.

    Und die Fotos: Manchmal habe ich schon das Gefühl, die Leute knipsen sich zu Tode und horten tausende von digitalen Fotos, bekommen dafür aber den eigentlichen Moment gar nicht mehr mit.

    Kommentar von Julie Paradise am 15. April 2009 um 11:22 | Link

  5. Auch wenn ich solche Momente auch jeden Tag erlebe, ist es total süß es zu lesen. Aus dem Bett krabbeln hat unsere Große erst später geschafft. Das kann aber auch daran liegen das wir den Kinderknast ne weile länger aufrecht erhalten haben. Bis sie mit fast zwei bei unserer alljährlichen Weihnachtsparty (mit ner Menge Leute im Haus) herausfand drüber zu klettern. Mehrmals! Solche Momente vergisst niemand der Kinder hat.

    Kommentar von Maelicitas am 15. April 2009 um 21:45 | Link

  6. Schön! Schönschönschön!!!

    Kommentar von jette am 15. April 2009 um 21:48 | Link

  7. jetzt ist mir doch glatt, vor allem beim letzten absatz, ein kleines tränchen aus dem auge gekullert. das tolle aber ist: alle sagen ja immer “ach, sie werden so schnell gross…”, aber in wirklichkeit ist das etwas sehr sehr tolles! meine kleine ist jetzt 7, wird in 2 monaten 8 und ist das coolste mädchen, das ich mir vorstellen kann…mensch. 8, das wird mir jetzt erst bewusst. da ist ja fast die hälfte schon rum, bis sie aus dem haus ist…! ;)

    Kommentar von nilz am 15. April 2009 um 21:48 | Link

  8. vermelde wasserstand in beiden augen. schön sind sie diese momente und hauen einen so weg. ich bekomme jedes mal gänsehaut wenn das milchmädchen laut lacht, das haut mich grad richtig weg. so schön.

    Kommentar von FRANZI am 15. April 2009 um 22:08 | Link

  9. @Nilz: Je größer sie sind, umso mehr kann man knuddeln! ;-)

    Kommentar von Julie Paradise am 15. April 2009 um 22:26 | Link

Rock my Boat!