Hüpf ins neue Glück!

April 25, 2009 | In Mennofaktur | 5 Comments | TrackBack-URL

Beim Zubettgehen

dann immer noch dieses miese Gefühl im Bauch, ganz flau und grummelig, wenn man sich mit seinen Eltern gestritten hat.

April 25, 2009 | In Soso | 6 Comments | TrackBack-URL

Zurechtrücken

Toilettenpapier muß auf eine ganz bestimmte Weise dastehen (so, daß es sich nach vorn, mir zugewandt abrollt) oder hängen (so, daß das abzureißende Stück nach vorn überhängt und nicht hinten an der Wand, wo man es schwer greifen kann). Tut es das nicht, ändere ich, wann immer möglich, seine Stellung oder Aufhängung, selbst wenn ich irgendwo zu Besuch bin oder gar eine (halb)öffentliche Toilette aufsuche (Uni, Cafés).

Es gibt auch andere Dinge, die ich — wahrscheinlich unbemerkt — woanders zurechtrücke, Bilderrahmen etwa oder Kleinigkeiten, die herumliegen. Und wie bei so vielen anderen im Leben komme ich mir dabei mal spitzbübisch oder koboldiglieb vor, mal unsäglich mackig und bescheuert.

April 23, 2009 | In Soso | 7 Comments | TrackBack-URL

Neuerdings

kommt das Baby gern an mich herangekrabbelt, richtet sich an mir auf und schleckt ganz vorsichtig meinen Hals ab.

Ich glaube, es mag mich.

April 20, 2009 | In Soso | 6 Comments | TrackBack-URL

Es reicht wohl doch nicht

Schon erstaunlich, wie schnell ich mich durch etwas Anstrengung und Schlafmangel an die Grenzen dessen getrieben sehe, was ich für verkraftbar halte. Der Versuch, nebenher etwas zu arbeiten, abends, wenn das Baby schläft, um die Haushaltskasse etwas aufzubessern und damit endlich auch mal wieder etwas zum Einkommen der Familie beizutragen, darf wohl als gescheitert angesehen werden, zumindest stehe ich kurz davor, aufzugeben.

Seit beinahe zwei Wochen habe ich keine Nacht mehr als zwei bis drei Stunden am Stück geschlafen, selbst wenn es die äußeren Umstände wie früheres Zubettgehen oder etwas längeres Schlafen des Babys erlaubt hätten, hielten mich Grübeleien oder Alpträume vom erholsamen Schlaf ab.

Seit ich lesen kann, habe ich in jeder Woche mindestens ein Buch verschlungen, seit letzten Mai hingegen sind es immer noch nur klägliche drei Bände, derer zwei man nicht einmal als Text im eigentlichen Sinne werten kann. Das Problem ist wohl, daß ich es jedem und allem recht machen will, bloß nichts verpassen möchte, nicht nachlassen, mir nichts vorwerfen lassen. Also ist der Tag geprägt von beinah pausenlosem Dasein für die Bedürfnisse anderer — oder dessen, was ich davon halte?

Das Baby hat natürlich immer Vorrang, immer, was auch völlig in Ordnung ist. Ich glaube nicht daran, daß man Kinder “auch mal einfach schreien lassen” sollte, um sie in welcher Weise auch immer zu disziplinieren oder zu erziehen und bisher denke ich immer noch, daß es richtiger ist, immer für die Kleine da zu sein. Irgendwann wird sich das enorm auszahlen, so berechnend dies jetzt klingen mag. Das bedingt natürlich stete Aufmerksamkeit für ihre Bedürfnisse und hat zur Folge, daß mein Alltag zu zerfasert ist um Informationen jenseits der Aufmerksamkeitsspanne von etwa Lebensmittelprospekten aufnehmen zu können. Ehrlich gesagt brauche ich aber auch schon zum Durchgehen eines Lebensmittelprospektes Stunden, denn irgendetwas kommt immer noch zwischen die eine und die zweite Minuten, in der ich etwas tue.

Irgendwann endet aber jeder Kleinkindtag, der inzwischen (seit etwa zwei Wochen) leider bereits gegen 6 Uhr oder 6.30 Uhr beginnt, irgendwann heißt eigentlich: wenn das Mäuschen im Bett ist, so richtig fertig mit allem aber bin ich erst, wenn der Tageskram, die Spielsachen, der Abwasch, die Wäsche fertig sind, also gegen 21 Uhr. Dann erst lohnt es sich für mich, wenigstens kurz den PC anzuwerfen und einen Blick hinaus in mein Internet zu wagen. Danach beginnt seit kurzem die eigentliche Arbeit, Textarbeit, Formatieren, eine Auftragssache. Eigentlich nicht weiter anstrengend, nur daß ich vom ständigen Dasein am Tage schon gar nicht mehr da bin, es auch nicht mehr sein möchte, aber wohl muß. Dennoch: Die Bezahlung lockt und lohnt sich ja auch.

Vielleicht ist es ja normal, daß man langsam bekloppt wird, wenn man tagsüber mit einem Baby daheim ist, aber ein relativ neues Problem, was ich bemerke, ist der Dreck überall. Der Dreck überall macht es nicht einfacher, mich zurückzulehnen und einfach mal alles egal sein zu lassen. Kommentare wie die von den Karpateneltern, ich hätte es ja wohl nicht so mit dem Putzen oder er hätte offenbar sein Frauchen nicht so recht im Griff tragen auch nicht gerade zur Entspannung bei.

Warum schreibe ich hier kaum noch etwas? Weil mir nicht egal ist, was andere über mich denken, weil mich diese Putzidiotie und der Perfektionswahn offenbar angesteckt haben und ich mich irgendwie nur noch im Kreis drehe bei dem Versuch, hier alles in Ordnung zu halten, gar heimelig, stets sauber und gemütlich zu machen gegen das Durchwurschteln von Baby und Karpate, die alles umdrehen und verstellen, was ich doch gerade erst in der Hand hatte. Auf Knopfdruck munter, fröhlich und immergeduldig, so sollte eine gute Mutti daherkommen, keine Frage, aber dann wäre ja noch die Sache mit dem Geld: S.o. Gleichzeitig ein letztes bißchen Hirn zu bewahren wäre schön, aber wann denn bloß? Einlassungen wie die, ich könnte ja nebenher meine Magisterarbeit schreiben, mit Baby, andere schaffen das schließlich auch, oder wenigstens anderweitig etwas “Vernünftiges” machen, lassen mich dann schon mal in Tränen ausbrechen. Ich glaube, so etwas nennt man resigniertes Überfordertsein.

Aber vielleicht bin ich ja auch einfach nur faul.

April 19, 2009 | In Soso | No Comments | TrackBack-URL

Es gibt so

Scheißegruben, da fällt man rein und steckt dann drin. Jahrelang.

April 19, 2009 | In Soso | 3 Comments | TrackBack-URL

Besuch!

Es gibt so Meilensteine im Babyleben, die vergißt man nicht. Man wird zwar immer davor gewarnt, daß, wenn, dann alles gleichzeitig passiert, aber so gebündelt hatte ich die Ereignisse der letzten Wochen dennoch nicht erwartet.

Es begann im März, als die Kleine plötzlich stehen konnte. In der S-Bahn stellte sie sich an die längs der Scheiben verlaufende Lehne und von dem Moment an konnte sie es: Stehen. Zwar etwas wackelig noch und einmal sogar fiel sie wie ein Stein, naja, eher wie ein Brett mit gerade gestrecktem Rücken nach hinten, seitdem aber ist das nie wieder geschehen. Jetzt läßt sie sich nur noch dann vertrauensvoll rückwärts fallen, wenn sie eine Hand hinter sich weiß. Kluges Kind.

Will sie sich wieder hinsetzen, bückt sie sich leicht, eine Hand zunächst noch auf Tisch oder Sofa, während die andere sich flach auf den Boden stützt, dann geht sie in die Knie und macht einen eleganten Miniplumps weg von der Stehhilfe. Somit ist sie auch nie beim Hinsetzen mit dem Kopf angeschlagen. Ist sie hingegen müde oder wird überrascht, hält sie sich umso fester und schreit markerschütternd, anstatt erschrocken oder entkräftet hinzufallen. Immerhin gibt es so nur klingelnde Ohren, kein lädiertes Baby. Inzwischen wagt sie kleine Schritte entlang der Stütze, die nun auch wir Eltern sein können. Es gibt kaum etwas Rührenderes als das eigene Baby, welches andächtig einen kleinen Kreis um einen herum läuft!

Ebenfalls seit Mitte März sitzt sie endlich richtig frei. Viele begehen ja den Fehler, ihr Baby irgend wohin zu plazieren und dann sitzt da so ein kleiner Kloß mit ohne Hals, krummem Rücken und Dreifachkinn, höchstens gehalten von stützenden Händen oder gar Kissen. Manche sind dann gar stolz, wenn das Kleine schon im Stühlchen sitzt. “Sitzt”, pah, es hängt eher wie eine Padde, und was man dem kleinen Rücken damit antut … Jedenfalls, das erste Mal wirklich sitzen geblieben ist die Maus, die sonst immer gleich auf die Seite weiterrollte, vor den Augen von Tanja von Spreeblick, die als erfahrende zweifache Mutter nur wissend dazu nickte. Seither bekommt Leia ihre Mahlzeiten zunehmend häufig im Hochstuhl serviert, der doch vieles erleichtert, weil ich nun endlich die Hände frei habe, solange sie sich darin befindet und an Gurke, Banane, Pflaume, Stulle und so vielem mehr herumknautscht. (Ein Bild davon gibt es hier. Dort ist auch gut zu erkennen, wie sie Diva spielt oder Teufelchen, indem sie die Händchen in den Nacken legt, grinst, Verzeihung: griiiiinst — und sich das Essen in die Haare schmiert. Gurke im Haare riecht übrigens gut, Margarine (Lätta) auch, mindestens einen halben Tag lang, Banane ist dann aber doch einfach nur ekligpampig.)

Am Gründonnerstagmorgen haben wir erschrocken gesehen, daß sie trotz Schlafsack in ihrem Bettchen steht und die Gitter rockt, also haben wir, um Kletteraktionen und Stürze zu vermeiden, zwei der Gitterstäbe herausgenommen und aus dem Babyknast ein Kleinkindbettchen gemacht. Bisher sind unfreiwillige nächtliche Ausflüge noch nicht vorgekommen, dafür ist am Karfreitag und Karsamstag etwas ganz Wunderbares geschehen:

Es klackerte morgens auf dem Laminat, ein energisches Keuchen war zu hören, dann ein fragendes Husten im Wohnzimmer — BESUCH!

Die Kleine ist morgens im Schalfsack aus ihrem Bettchen, dem Kinderzimmer, durch den Flur und das Wohnzimmer vor das Schlafzimmer gekrabbelt, woraufhin wir stolzen Eltern taten, was stolze Eltern eben so tun: Tränchen vergießen, loben, kuscheln und kein Foto machen. Wir waren so mit Sehen, Staunen, Freuen und Niemalsvergessenbitte! beschäftigt, daß uns dieser Gedanke gar nicht gekommen ist.

Es gibt übrigens viele Momente in ihrem noch kurzen Leben, von ihrer Geburt, dem ersten Mal auf meinem Bauch, in unseren Armen, in ihrer Wiege, in ihrem Buggy, von denen es keine Fotos, geschweige denn Videos gibt, und ich mag den Gedanken. Die Schwiegereltern werfen uns vor, daß wir zuwenig Erinnerungen konservieren, aber diese und andere Ereignisse brennen sich so ein in unser Gedächtnis, die werden wir zwei nie vergessen. Nur möchten wir auch nicht alles mit jedem teilen, gerade die Schwiegereltern sind ja äußerst einmischungsfreudig, geradezu distanzlos, taktlos manchmal, sie hatten allen Ernstes vorgeschlagen, daß der Karpate die Geburt mitfilmen möge. Die Kamera hätte ich ihm aber um die Ohren gehauen. Das sind unsere Momente.

So wie auch der Anblick des keuchenden Krabbelkekses neulich am Fuße unseres Bettes. Hach, werdet Eltern, dann wißt ihr, wie unsagbar glücklich solche winzigen und dabei doch großen Schritte machen, jeder einzelne!

April 14, 2009 | In Soso | 9 Comments | TrackBack-URL

Keine Zeit

weil zu viel Leben, zu viel Arbeit und noch kein Geld, zu viel müde weil zu wenig Schlaf, zu oft schlecht und dann allein, Baby süß nur viel zu laut, ist wohl normal aber: alles zu viel. Deshalb zu wenig Texte hier, dafür ein Bild:

baaahbuntcsm

Und weiter.

April 14, 2009 | In Mennofaktur, Soso | 6 Comments | TrackBack-URL

Wenn das Baby jemanden mag,

den ich auch mag, dann bin ich erleichtert, gerührt, ein wenig stolz und sehr froh.

Wenn es mir unangenehme Leute offensichtlich nicht mag, grinse ich still in mich hinein. Aber sowas darf man ja nicht laut sagen.

April 10, 2009 | In Soso | 3 Comments | TrackBack-URL

Meine re:publica [Update]

rp09swjksm

(Foto von Shadowblog, CC-by-nc)

So zufrieden wie ich hier aussehe, war ich auch. (Eine wortreichere Beschreibung folgt trotzdem noch.)

Update (9. April): Viel habe ich bis jetzt gelesen über die diesjährige re:publica. Texte, die sich dagegen wandten, während sie noch lief, von Menschen, die im Nachhinein meckerten oder lobten, kritisierten oder sich vornahmen, selbst einmal hinzufahren.

Viele der kritischen Texte verstehe ich einfach nicht, ganz ehrlich. Da wird dann von PR-Veranstaltung gesprochen, Eierschaukeln, geschlossener Veranstaltung einiger weniger Dinosaurier, Relevanz, oh weh!

Für mich als kleine Bloggerin ist die re:publica nichts wirklich anderes als, sagen wir, ein Festival. Ein Konzert. Da gibt es dann auch mal häßliches Merchandise zu kaufen und wenn ich Pech habe, hat der Tonmann einen schlechten Tag. Aber das Bloggen, Texte schreiben, die für mich der Musik entsprechen, das geht doch nicht kaputt, nur weil eine Kleinigkeit nicht stimmt. Und selbst wenn ich nicht jeden Song der Band, gar erst der Vorband, die mit im Paket war, gleich großartig finde, manche sogar immer überspringe, bin ich doch einfach da, tanze, rede, lache, treffe Menschen, die ich kenne oder nur halb kenne oder gar nicht kenne, aber kennenlernen kann, wenn ich möchte.

Der Vorwurf der geschlossenen Bloggerzirkel ist dabei einer der dämlichsten. Als ob ich oder einer meiner Freunde 2007, 2008, jetzt, große Nummern wären. Wir machen einfach unser Ding, freuen uns, wenn es anderen gefällt, machen mal mehr und mal weniger, aber wir machen etwas. Immer noch. Und wir waren da, auf der re:publica, haben ihr eine Chance gegeben, haben uns teilweise dort erst kennengelernt, nachdem wir im Internet übereinander gestolpert waren. Herumzunölen, die re:publica wäre eine geschlossene Veranstaltung der immer gleichen Leute bedeutet auf der Ebene der kleineren Blogger nichts anderes als sich über eine Party aufzuregen, auf der nun einmal zuerst Freunde anwesend sind, die aber jeden willkommen heißen, der hinzukommt. Daß derjenige nicht gleich auf den Wohnzimmerteppich kotzen sollte, versteht sich dabei von selbst. Über das Buffet zu lästern wäre okay, aber dann sollte man doch auch bitte selbst gekostet haben und nicht nur aus den Erzählungen anderer Lebensmittelskandäle herbeikonstruieren.

Um noch einmal auf meine Vergleiche zurückzukommen: re:publica heißt für mich, all die Menschen, von denen ich nur Geschriebenes, Gravatarbildchen und Blogdesign erlebe, im echten Leben kennenlernen zu können, mit ihnen zu reden, zu lachen, sie zukünftig besser zu verstehen wenn sie schreiben, weil ich nun ihre Stimme kennen und mir vorstellen kann, wie sie ernst schauen oder ihrem Text hinterherzwinkern. Wenn es eine Veranstaltung ganz ohne Programm schaffen würde, solche, diese Menschen zusammenzubringen, ich wäre dabei und bereits zufrieden. Das wäre dann vielleicht so wie eine Recordreleaseparty. Alle mögen die gleiche Musik und finden sich zusammen, selbst wenn sie nur vom Band kommt. Ein Live-Auftritt ist natürlich besser.

Der zweite Punkt, den ich nicht verstehe, ist also der Vorwurf, die Veranstaltungen, das Programm insgesamt, wären irrelevant. “Wer will denn noch XY zu dem Thema hören!” Lustigerweise habe ich dabei in 6 von 8 Fällen Vorträge angesprochen gesehen, die ich selbst besucht habe, eben weil gerade diese Themen bisher eher an mir vorbeigegangen waren. Bin ich jetzt etwa doof?

Da kommt dann oft dieser Ton ins Spiel, unsäglich arrogant, davon ausgehend, daß man über bestimmte Dinge nicht mehr sprechen dürfte, nur weil der jeweils Kritisierende sie für sich bereits abgehakt hat. Versucht man, dagegen zu argumentieren, steht man als Fanboy da, als Insider aus der Clique, der der sachlichen Urteilsbildung gar nicht fähig ist. Daraus ergeben sich Argumentationsschleifen, die frustrierend sind, wenig konstruktiv und irgendwie, für ein Gemüt wie mich, einschüchternd. Bei Freunden habe ich Kommentare gelesen, die sich immer wieder im Kreis drehen. Für soetwas bin ich zu müde, ich schließe die Augen und streite nicht mit, denn fremder Leute künstliche Aufregung soll nicht die Freude auffressen, die ich gesammelt habe in diesen drei Tagen, die Erinnerung an die Gespräche, den lieben Besuch, die neue Motivation wieder mehr zu schreiben.

Wer wirklich da war, wahrscheinlich jeder, hat mindestens eine Kleinigkeit auszusetzen. Für mich zum Beispiel ergab sich das re:publica-Gefühl erst so richtig am Donnerstag. Der Veranstaltungsort am Mittwoch, der Friedrichstadtpalast, war mir persönlich zu groß, zu chichi, auch zu chic. Ich habe wenig Geld übrig im Moment, mit selbstgeschmierten Butterbroten und nachgefüllten Trinkflasche in solch einer Umgebung fühle ich mich etwas deplaziert. Da wirkt die Kalkscheune, obwohl auch alles andere als alternativverranzt, doch wesentlich gemütlicher, weniger einschüchternd. Auch das Gedränge in der Lounge, die Enge auf dem Hof, in dem man manchmal zwangsweise neben bekannten Gesichtern steckenbleibt, tragen sehr viel zur Kommunikation bei. Daß man aber, wirtschaftlich gesehen, eine solche Veranstaltung nicht mit Leuten wie mir stemmen kann, die gerade so den Eintritt zusammenkratzen können und pro Tag 3 Euro für Essen ausgeben, ist doch nur verständlich. Daß man sich also öffnen muß, auch.

Wirklich etwas vom Programm mitbekommen habe ich erst am Freitag. Da sprach Esra’a Al Shafei von Mideast Youth, einer Blogplattform, die Jugendlichen im Nahen und Mittleren Osten helfen soll, miteinander kommunizieren zu können. Hätte ich auch nur diesen einen Vortrag sehen können, die re:publica wäre inhaltlich ihr Geld wert gewesen. Damit will ich nicht sagen, daß die restlichen Veranstaltungen so unwichtig oder schlecht gewesen wären, sondern daß bereits hinter diesem einen Vortrag wohl soviel Arbeit, organisatorische Mühe und auch Geld vonseiten der Veranstalter steckte, die Rednerin, die mit außerordentlichem persönlichem Engagement und Risiko agiert, einfliegen zu lassen. Da steht dann ein schmächtiges Mädchen und berichtet von Verfolgung verschiedener Volksgruppen bzw. Religionsgemeinschaften (zum Beispiel der Bahai, Wikipedia-Artikel) und der Einkerkerung ihres Freundes Kareem, wie relevant und politisch soll es denn, bitteschön, noch werden? Spätestens bei ihrem bitterbösen Scherz, daß auf das bloße Kommunizieren mit Israelis in vielen arabischen Ländern die Todesstrafe stünde, in ihrer Heimat Bahrain aber “nur Folter und Gefängnis”, zeigte, was man über das Internet erreichen kann: Daß die Menschen eben doch zusammenkommen, selbst wenn sie räumlich getrennt sind und es politisch auch bleiben sollen. Dahinter verblaßten leider die nachfolgenden Panels in meiner Wahrnehmung etwas, denn nach ihren Ausführungen über Menschenrechte und der Angst um die nackte Existenz erschienen Fragen zum Urheberrecht doch etwas minder bedeutsam.

Die angesprochenen Dinosaurier erschienen auch auf der Bühne, aber wer zwingt mich denn, mir solche Veranstaltungen anzusehen und nicht stattdessen in der Sonne zu sitzen und ganz unnerdig Bekanntschaften zu schließen? Wer zwingt überhaupt jemanden, sich so künstlich über etwas aufzuregen, dem er entweder nicht beiwohnen konnte oder wollte, weil es seine Sache nicht ist?

Ach, und dann wären da noch die Themen Babykotze (aka Frauenblogs), Twitter(lesung), WLAN-Ausfall, Grüppchenbildung, undsoweiterundsofort. Ich kann’s nicht mehr hören …

[2. Update: Björn Grau beschreibt das Gleiche, nur anders und, ähm, besser.]

April 6, 2009 | In Soso | 14 Comments | TrackBack-URL

Wenn er es wäre …

Wenn ich auf dem Weg bin, neue Leute kennenzulernen, dann stelle ich mir in der Bahn immer vor, der Junge neben mir, die Frau dort vorn, das wären sie, die neuen Bekannten, zukünftige Freunde vielleicht.

Ich stelle mir vor wie es wäre, wenn wir am Ende des Weges bemerkten, noch straßenlang zum Treffpunkt voreinander, hintereinander herlaufend, langsam ahnend, daß wir uns ja schon kennengelernt haben unterwegs, und wie überrascht wir dann doch wären, daß diejenige, derjenige … Du?!

Noch jahrelang würden wir uns daran erinnern, lächelnd, daß das erste Kennenlernen eigentlich schon das zweite war. Passiert ist mir das zwar nie, allein die Vorstellung überkommt mich jedes Mal, wenn ich unterwegs bin, jemand neues kennenzulernen. Amüsiert schaue ich dann aus unterwegs, und sollte es tatsächlich einmal vorkommen, dann würde mich die neue Bekanntschaft entweder für seltsam halten (”Was schmunzelt die denn die ganze Zeit?”) oder mich mögen, hoffe ich.

April 5, 2009 | In Soso | 2 Comments | TrackBack-URL

Killerspiele retten den Familienfrieden

Der eine oder andere Unkundige hat das Online-Rollenspiel World of Warcraft (WoW) nach dem Amoklauf von Winnenden im März als Killerspiel bezeichnet, offenbar in völligem Mißverständnis der Vorteile, die ganze Familien aus einem zockenden Familenvater — oder einer Mutter — ziehen können.

Seit der Geburt des Babys am 6. Juni letzten Jahres hatte ich bis Mitte Januar kein einziges Mal ausgeschlafen. Sicher, mit der stetigen Verschiebung und Verlängerung der Schlafzeiten der Kleinen auf schließlich bis zu zwölf Stunden, im Schnitt von 20.00-7.30 Uhr, bin auch ich zu meiner wohlverdienten Ruhe gekommen, aber so richtig ausschlafen, einfach mal im Bett liegen bleiben, das konnte ich nicht. Der Schlaf des Karpaten ist zu tief, als daß ich ihn hätte wecken können ohne selbst so wach zu werden, daß an Weiterschlafen noch zu denken gewesen wäre.

Im Januar aber entdeckte der Karpate die Welt der Kriegskunst für sich. Und seitdem habe ich vergammelte Sonntagvormittage genießen können, manchmal sogar in der Woche unvorhergesehene freie Morgen und abends, wenn ich noch wach bin und er schon am Rechner sitzt, lache ich mich kringelig über die seltsamen Dinge, die in dieser Welt geschehen. Die “Krieger” sammeln skurrile Gegenstände ein, spendieren Zwergen Bier, bis diese betrunken genug sind um Tipps zum Weiterkommen zu geben, tagelang sitzt der Karpatenkrieger an einem Ufer und angelt oder schüttelt Obstbäume um sich Essen zu beschaffen. Also, wenn das nicht superbrutal klingt, dann weiß ich auch nicht … Angeln, hey, Fische töten, ganz logisch, daß Jugendliche da durchdrehen und … lassen wir das.

Natürlich entwickelt das Spiel einen gewissen Sog der vielleicht auch zur Sucht werden kann, aber die Spieler sind doch erwachsene Menschen. Und wieviele, die sich am Stammtisch über solche “Killerspiele” aufregen, schlafen jeden Abend mit ihrem dritten Bier vor der Glotze ein, weil sie den Absprung ebenfalls nicht bekommen, rechtzeitig abzuschalten. Suchtfaktor, jaja.

Jedenfalls verabredet der Karpate sich nun beinah jedes Wochenende mit seinen Freunden zum Spielen. Zwei davon haben ebenfalls kleine Kinder und die gestreßten Mütter genießen nun auch die neugewonnene Zeit, die sie am Samstagabend zum Ausgehen haben, denn Papa paßt nun auf die Kleinen auf, und weil er die Nacht durchmacht und sich zumindest bis für das Frühstück noch um die Kleinen kümmern kann, können die anderen beiden Mütter neben mir nun auch regelmäßig am Sonntagmorgen ausschlafen. Und die Männer kommen dadurch im Spiel auch sehr viel weiter als sie es durch andere Spielzeiten könnten. Auf dem Server, auf dem sie sind, ist ab der späten Nacht nicht mehr viel los, so daß die (Boden-)Schätze, die sie sammeln müssen, nicht so belagert sind und deshalb schneller mehr erreicht wird.

Eine Situation also, in der alle nur gewinnen. Killerspiel, soso.

Zum Abschluß noch zwei Bilder des martialischen Karpatenkriegers mit Angel und Fisch:

angelncsm

fischcsm

April 5, 2009 | In Soso | 17 Comments | TrackBack-URL

Die Idiotie der Bärchenbildchen

Warum gibt es keine Sockenpakete mit fünf grauen Socken? Ich will graue Socken haben und nicht zwei weiße, einen grauen und einen rosé- oder cremefarbenen dazu.

Ich will auch nicht einen quietschgrünen Slip kaufen müssen, wenn mir der graue und der weiße im Dreierpack wirklich gefallen. Und nie werde ich verstehen, weshalb zu vier normalen weißen Babybodies noch einer hinzugepackt sein muß, auf dem kleine Bärchen mit Bällchen spielen. Was soll der Scheiß!

Wieso befindet sich in jedem Set mit durchaus hübschen Kleidungsstücken, Trockentüchern oder Waschlappen immer mindestens ein Stück, das so abgrundtief peinlich und häßlich ist, daß man sich über dieses nur ärgern kann? Wieso?

Warum werden solche furchtbar abstoßenden Dinge überhaupt hergestellt, wenn sie doch offensichtlich nur zu verkaufen sind, sobald sie sich als dicke fette Kröte inmitten hübscher Dinge suhlen. Die Idiotie der Bärchenbildchen wird nie aufhören, fürchte ich, und ziehe dem Baby zähneknirschend den einen häßlichen Body an, der eben mit dabei war, heimlich, unter Hemd und Pullover, und hoffe, niemand bemerkt es.

(Diese Woche war wegen der re:publica die Zeit etwas knapp, so daß jetzt nur noch ein letzter, bärchenverhunzter Rest an Babykleidung nicht bereits vermanscht in der Wäsche liegt.)

April 4, 2009 | In Soso | 4 Comments | TrackBack-URL