Hegen, pflegen und cremen

Einmal im Jahr bekommt meine Lederjacke Streicheleinheiten.

Ich reibe sie mit Lederpflege ein und gönne ihr dabei ungefähr zwei Stunden Zuwendung und 100 ml Balsam. Dank des wunderbaren Babys konnte ich das auch diese Woche tun, in zwei Sitzungen zwar, aber immerhin. Welches Baby liegt schon verzückt und vollstens zufrieden vor einem auf dem Boden, während man wieder und wieder einen Lappen mit Creme tränkt und diese über eine Jacke aus der Pimkie-Yvonne-Catterfeld-Collection reibt? Genau, meins!

Ich glaube ja immer noch, daß diese Jacke mit einem stolzen Preis von 200 Euro so ziemlich das teuerste Stück ist, welches die Kleinmädchenkleidungskette je verkauft hat, aber sie ist jeden Euro wert. Sie wird immer mehr meine Jacke.

lederjackebcsm

Inzwischen paßt sie, aufgrund einer kräftezehrenden Schwangerschaft, sogar im Winter, sodaß ich ihr dieses Jahr etwas früher als sonst auch wieder frisch befestigte Knöpfe spendierte. Sonst spannte es ja immer etwas um die Arme, wenn ich mehr als ein Jäckchen druntertrug, jetzt aber gehen unglaublicherweise noch ein Pullover und zwei Strickjacken mit mir zusammen hinein und man kann sie trotzdem bequem zuknöpfen (bis zum nächsten dicken Bauch, aber das ist ein anderes Thema).

Meine Lieblingssachen derart zu pflegen ist mir Selbstverständlichkeit und Bedürfnis zugleich. Ich muß mich anfangs immer sehr überwinden, so geliebte Kleidungsstücke überhaupt zu tragen und wenn ich erst einmal dazu gekommen bin, dies — mit aller auch nach Jahren noch gebotenen Vorsicht — auch zu tun, dann bin ich keine Verfechterin des abgeranzten Aussehens. Man darf Sachen schon ansehen, daß sie nicht neu sind, ungepflegt und dreckig müssen sie aber trotzdem nicht sein.

Über das Putzen von Turnschuhen (neudeutsch: Sneakers) kann man nämlich auch Glaubenskriege führen, könnte man, allerdings nicht mit mir. Ich besitze vielgetragene weiße Sneakers, die auch nach sechs oder acht Jahren nicht älter aussehen als zwei Sommer — mit ausschließlich gutem Wetter. Und ja, bei diesen Dingen macht es mir Freude, sie gut erhalten zu sehen und dafür auch etwas zu tun. Lederschuhe liebevoll mit Aftersun einzureiben, beispielsweise. (Mir fällt auf, daß ich mir seit diesen Fotos lediglich zwei Paar neue Hausschuhe zugelegt habe. Da muß sich irgendein Frauengen abgeschaltet haben und es hat nicht einmal wehgetan. Komisch.)

Und jetzt, wo die Ledersachen gewichst sind, gehe ich pfeifend Silber putzen.

Februar 20, 2009 | In Soso | | TrackBack-URL

  1. Tolle Jacke! Kann ich total gut verstehen. Es blutet einem das Herz wenn eines Tages das geliebte Kleidungsstück ohne das man sich kaum vorstellen kann weiter zu existieren den Weg alles irdischen geht….
    Und was macht ein Kleidungsstück zu DEM Kleidungsstück?
    Man zieht es an und fühlt sich einfach gut. Man geht aufrecht und hoch erhobenen Kopfes. Als hätte man eine innere Stütze. Ganz tolle Sache sowas…..

    Kommentar von Michaela am 20. Februar 2009 um 23:05 | Link

  2. oh ja, meine lederjacke … meine schuhe …

    Kommentar von jette am 20. Februar 2009 um 23:10 | Link

  3. i still remember als du sie das erste mal auf arbeit mitbrachtest. für mich macht sie einen guten teil von dir aus, äußerlich. im besten sinne. liebe jacke.

    Kommentar von Björn Grau am 21. Februar 2009 um 12:07 | Link

Rock my Boat!