Aber das sind ja nur so Anwandlungen, die wohl jeder hat. Als ob sich einmal im Monat ein versprengter Rest Pubertätshormone im Körper aufmacht und eine dicke Party feiern will. Der dicke Vogel, der verpaßt hat, mit in den Süden der ewigen Jugend zu ziehen. Vielleicht kennen sowas ja auch nur Frauen, oder klingt das jetzt sexistisch?
Wenn ich meine Tage habe, bekomme ich auch immer so Stimmungen, meistens miese, der Mann ist das schon gewohnt. Womit reden Männer sich eigentlich heraus? Jedenfalls denke ich dann den ganzen Tag nur ans Essen. Oder, nicht das Essen, die Essen, alle Essen. Essenessen. Meins. Alles wird plötzlich zum begehrenswertesten, am besten duftenden, sofort zu verschlingenden Objekt meiner Gier. Ich rieche und schmecke die Dinge, die ich denke und leide gar nicht. Denn ich bin dann schier verrückt.
Mein Körper ahnt die Schritte, welche nötig wären, dieses oder jenes aus diesem oder jenem Regal zu fischen, an der Kasse zu bezahlen, am Stand zu kaufen, im Restaurant zu bestellen, heimzutragen, auf der Straße zu wiegen voller Vorfreude, die sich in alptraumhafte Scham wandelt, wenn es mich überkommt und ich noch vor der Haustür zusammenbreche und mit vollen Händen alles auf einmal, mit der Folie, kalt und roh, in mich hineinstopfe. Oder wenn ich nicht einmal soweit komme, sondern an der Kasse bemerke, daß kein Geld da ist, daß ich keine Hose anhabe, daß meine Hände voll grüner Farbe sind, die sich giftig um das Essen gelegt hat und es ungenießbar macht. Oder ich komme nicht einmal bis nach draußen, weil ich zu entkräftet bin und auf dem obersten Treppenabsatz gleich vor der Wohnung verrecke und im Traum vom Traum mit dem Essen träume.
Meist bin ich dann so wirr, daß ich gar nichts esse oder nur die Reste vom Baby, Mutti als Müllschlucker. Irgendwie — will ich wieder schwanger sein. Da hatte ich nämlich oft gar keinen Hunger und damit verbunden einen klaren Kopf.
Ich würde gern wieder etwas anderes als Essen denken.
Rock my Boat!