Wie im Film

Ist es gut oder schlecht, daß man in Extremsituationen so aus sich heraustritt, alles nur wie auf einer Leinwand wahrzunehmen? Das Rauschen meint wegdrücken zu müssen, was sich vor die Kopfhörer, also, die Ohren, also die Realität schiebt und zu hoffen, daß der Film endlich besser wird.

Wird er nicht. Der Scheißfilm hört gar nicht mehr auf, seit dem Anruf.

Bisher war ich so glücklich, Anrufe nicht mit schlimmen Nachrichten zu assoziieren. Es war sehr traurig, als meine Omi über Nacht starb und Mutti morgens anrief, aber es war vorhersehbar. Dieses Mal war es überraschend.

Was also tun? Wen zuerst trösten? Natürlich den Anrufer, dann aber das Baby, welches aufgeschreckt wurde und kaum mehr zu beruhigen ist. Und dann losstürzen, hier alles vorbereiten, dort etwas bereitlegen, die Maske aufsetzen und durch die Stadt hetzen. Auf dem Weg zum Anrufer nach jeder beschissenen Verkehrsanbindung rennen müssen, weil man sich Sorgen macht. Als ob man unersetzlich wäre.

Vielleicht aber, man weiß ja nicht, vielleicht aber kommt es auf den Moment an, den man schneller ist.

Und dann steht man beisammen, sitzt beisammen, weint und lacht und fühlt sich so — blöd. Egal was man angesichts der Tragödie zu sagen hat, es erscheint unwichtig, banal, grotesk. Der Tod ist wie ein Elefant im Zimmer, um den man nicht herumkommt (ein geborgtes Beispiel), also tut man, was immer neben dem Elefanten zu tun noch möglich ist und übrig bleibt. Oder weniger, denn was immer man sagen möchte, es klingt immer noch dämlich. Selbst Dinge, die irgendwie gehaltvoller, weiser, passender wären, kommen nicht über die Lippen, denn dies fühlt sich an wie in einem schlechten Film. Man glaubt, das alles schon einmal gehört zu haben und dieses Gleis verbietet sich dann irgendwie. Immerhin kann man sich noch in den Arm nehmen, das fühlt sich dann nicht gar so kopiert an. Nicht so falsch wie jedes Wort, das ich aussprechen würde.

Und daß ich kaum Erfahrung mit Trauer habe, eigener und fremder, zeigt doch auch nur, wie glücklich ich bisher war, oder?

Februar 4, 2009 | In Soso | | TrackBack-URL

  1. Danke für’s Dasein, Du hast mir sehr, sehr geholfen.
    Danke!

    Kommentar von René am 04. Februar 2009 um 11:30 | Link

  2. ;-*

    Kommentar von Julie Paradise am 04. Februar 2009 um 21:47 | Link

  3. hab grad schon bei rene kommentiert…
    dasein ist das einzige, was geht, und das beste, was du tun kannst. es ist fast wurscht, was du sagst. (finde ich zumindest)

    Kommentar von heidrun am 06. Februar 2009 um 16:05 | Link

Rock my Boat!