heimkommend die Haustür aufzuschließen und zu bemerken, daß in der Schule gegenüber die Pausenklingel schrillt, ist mindestens irritierend. (Nicht nur, wenn man vorher drei Stunden lang Buffy geschaut hat.)
zu behaupten, daß mit Baby alle Tage wunderschön sind. Manche Tage sind einfach nur beschissen anstrengend und ich bin heilfroh, daß jede Zeit irgendwie vergeht.
Klar, man hat so seine Vorstellungen, was getan werden muß mit Baby, Ideale und Dinge, die man tatsächlich jeden Tag schafft.
Ziel ist es, möglichst immer knuddelduddelfröhlich zu sein mit der Kleinen, schnell durch die unangenehmen Verrichtungen durchzukommen, die aber notwendig sind, wie das morgendliche Anziehen, das sie gar nicht mag. Es gibt dabei immer Gebrüll, egal wie gewandt ich inzwischen die natürlich schon vorgewärmten Sächelchen über ihren zarten Körper streife, behutsam aber zügig.
Oft sind dies die einzigen Unmutsäußerungen, die unser kleiner Schatz den ganzen Tag über vernehmen läßt und ich bin mir sehr wohl im klaren darüber, wie glücklich ich mit diesem Ausbund an Frohsinn, Charme, Interesse, Geduld (oder mindestens Gleichmut) sein kann.
Manchmal aber gibt es Tage, da ist mein Sonnenscheinchen so dermaßen klettiganhänglich, daß man wirklich und ohne Übertreibung keine ruhige Minute hat. So Tage wie heute eben. Egal, wie fröhlich sie eben noch in meinem Arm hing, jetzt, wo ich nun einmal zwei freie Hände brauche um ihr Breichen fertigzumachen, bricht sie beim ersten Versuch, sie nur für Sekunden auf den Boden zu legen in markerschütterndes Geschrei aus. Im ersten Moment denkt man dann immer: Gleich platzt was, so wie ihr Kopf tomatenrot anschwillt und ihre Atmung aussetzt, um wenig später (die Intervalle kennt wohl jede Mutter, in denen die Stille bereits bedrohlich laut wird, weil man weiß, wie es weitergeht) erst so richtig mit dem Schreikrampf loszulegen. Und dies nicht nur einmal, zweimal, dreimal, sondern über Stunden immer wieder dann, wenn man naiverweise dachte, nun wäre es doch endlich mal gut.
Das sind die Tage, an denen ich zwischendurch fürchte, durchzudrehen. Bis gegen 14, 15 Uhr ist noch alles in Ordnung, so großen Hunger habe ich gar nicht und auf die Toilette zu gehen wird überbewertet. Zum Spazierengehen braucht man ja nicht immer einen Kinderwagen, denn wenn die Kleine sich sowieso nicht beruhigt, während sie darin liegt, dann kann man sich das Gefährt auch sparen. Hauptsache, wir waren an der frischen Luft. Selbstredend nicht zurechtgemacht, denn inzwischen bin ich so gleichgültig geworden, daß mir egal ist, wer mich so sieht, mit Hosen, die eigentlich nur für zuhause okay sind und Haaren, die ihre besten Zeiten vorgestern hatten.
Spätestens beim Aufstieg in den fünften Stock merke ich dann, daß es langsam anstrengend wird und die Bauchkrämpfe einsetzen, von Magen und Kreislauf, die langsam unzufrieden werden ganz abgesehen.
Das sind dann die Phasen, in denen ich beginne mich reichlich wehleidig zu fühlen, andere schaffen das ja schließlich auch und die kochen sogar das Essen für ihre Babys selber, wo ich es doch bis jetzt, halb vier, nicht einmal geschafft habe, mir auch nur eine Stulle zu schmieren. Klar, die Kleine geht vor und bekommt jetzt ihre vierte von sechs Mahlzeiten. Zum Glück kann man ihre Milch auch mit einer Hand zusammenschütteln, irgendwie. Nachdem diese getrunken ist, kann ich ja vielleicht mal kurz — kann ich nicht.
Gellendes Babygeschrei verträgt sich auf Dauer nicht mit Hunger und Müdigkeit und so spüre ich Hilflosigkeit und Wut in mir aufsteigen und bei aller Vernunft und Coolness und dem Wissen, daß doch gleich alles wieder gut ist, weiß ich auch: JETZT ist NICHT alles GUT. Dann fühle ich mich allein und schäme mich, weil ich so aggressiv bin und es nicht schaffe, dieses doch eigentlich so wunderbare Kind zu beruhigen, das schreit und schreit und schreit, denn ich habe doch gewagt, mir wenigstens ein bißchen Obst zurechtzuschnippeln und einen Tee aufzubrühen, den ich aber nicht werde warm trinken können, denn sie würde ja doch immer dazwischenfassen, zu gefährlich.
Immerhin ist mir bewußt, daß ich das aushalte, sowas nennt sich dann wohl Verantwortung und Erwachsensein, nicht durchzudrehen und wegzurennen, sondern tief ein- und auszuatmen, das Brüllpaket wieder liebevoll auf den Arm zu nehmen und weiterzumachen. Das Obstschnippeln hat sich insofern sogar gelohnt, als daß wir es nun zusammen essen können, sie auf meinem Schoß. Wir sitzen am Schreibtisch vor dem Computer und ich kann etwas Frust ablassen, indem ich dies hier tippe — weil mir gerade scheißegal ist, daß kleine Matschehände hingebungsvoll Banane und Birne in den Kartenleseslot, die Kopfhörerbuchsen und meine Hose massieren. Hauptsache Ruhe.
die Geräusche von gestern, als das Tauwetter knirschend den Schnee auf dem Dach löste und wieder und wieder fußballgroße Eisklumpen in die Regenrinne rumpelten oder gar herunterkrachten.
Ohne Touche Éclat sehe ich fünf Jahre älter aus. Mindestens.
Werden dieses Jahr auch wieder alle schwanger sein?
Habe ich diesmal irgendetwas richtig getippt? (Liste nach dem Mehr-Dings)
Bei Anne ist es nie fußkalt. Wie macht sie das nur?
Heute habe ich im Radio angerufen. Um zu erzählen, daß ich gern allein weggehe.
Denn ebendieses, allein weggehen, wurde dort als äußerst armselig und erbarmungswürdig geschildert. Unwidersprochen ertrage ich solcherlei nicht einmal im Mittagsprogramm beim Haarefönen.
Beim Anrufen selbst ist mir aufgefallen, daß ich die Telefonnummer noch aus unseligen Teenagerzeiten auswendig weiß und tätschelte leicht verwirrt meine innere Schulter; was man sich nicht alles merkt! 0331 für Potsdam, 70 97 110.
Mittags ist ja nicht viel los im Radio, zumindest wenn es nichts zu gewinnen gibt, also wurde ich beinah gleich durchgestellt und konnte berichten, daß ich am allerliebsten allein auf Konzerte gehe, da ich mich so am besten auf die Musik konzentrieren kann. Was, genau genommen, nicht mehr so ganz stimmt, denn mittlerweile bin ich so arm, daß ich mir Konzerte erstens nur noch selten leiste und daher ab und an eingeladen werde, demzufolge also auch glücklich bin, wenn die edlen Spender mich zu ihrer Begleitung erkoren haben, und ich zweitens so klapprig unterwegs bin, daß ich mir gern auch unter die Arme greifen lasse, wenn das Atmen und Stehenbleiben mal wieder schwerer fällt.
Allein auf Konzerte zu gehen jedenfalls wurde, glaube ich, von der Moderatorin nicht verstanden, wobei ich auch zugeben muß, daß die Zeit bis zum Beginn des Auftritts allein doch etwas mühselig vergeht. Danach aber war ich allein doch oft froh, wenn niemand in mich hineinbrabbelte und mich so aus der Trance riß.
Allein ins Kino zu gehen wurde auch als halbe Perversion verstanden, wobei ich das Problem dabei nicht ganz verstehe: ICH möchte einen Film sehen. Niemand meiner Freunde begleitet mich. Dann gehe ich eben allein. Warum nicht? Wobei, auch das ist ja seit mindestens eineinhalb Jahren kaum noch wahr für mich, denn seitdem gibt es ja das Cinema Paradiso und ich habe endlich nicht nur jemanden gefunden, mit dem man sich tatsächlich und ohne ständiges Termineverschieben verabreden kann, nein, die wunderbar perfekte liebste Kinofee präsentiert immer gleich eine Auswahl der gerade interessantesten Filme in OV oder OmU zu mir genehmen Zeiten und hat meist sogar schon die Karten reserviert. Ein Goldstück! Selbstredend reden wir selbst während der Vorführung mirakulöserweise immer nur dann, wenn es den anderen nicht stört, ich sage ja: Perfekt!
Zu guter Letzt gab es noch die Alleinsein-Deppsein-Situation Café: Auch dort stieß ich auf Unverständnis mit der Einstellung, daß man sehr wohl wunderbar entspannt allein Zeit verbringen könne, ohne nervös auf jemanden warten zu müssen oder sogleich verlegen Zigarette oder Buch hervorzuholen, um nur den Fingerchen etwas zu tun zu geben. Vielleicht war es der jungen Moderatorin schwer zu vermitteln, aber nach einem Tag voller Gebrubbel und Streß früher auf der Arbeit oder in der Uni oder jetzt mit Baby bin ich dankbar für jede Gelegenheit, mal auf nichts reagieren zu müssen, keine smarte Konversation aufrechtzuerhalten oder mir noch bei dem Genuß der heißen Schokolade den Herd mit der übergelaufenen Milch und dem daraus resultierenden Abwasch- und Putzaufwand vor Augen führen zu müssen.
Letztens bin ich, ohne daß dies die Wiedersehensfreude mit der liebsten Freundin schmälern würde, extra ein halbes Stündchen eher im verabredeten Café eingetroffen um einfach mal kurz zu verschnaufen. Und selbst bei dieser Schilderung habe ich, in die Vergangenheit gedacht, die Wahrheit gesagt, für die Gegenwart aber halb gelogen: Klar lernt man allein auch gut Leute kennen, aber erstens beinhaltet diese Aussage ja in sich, daß man eigentlich selbst gar nicht allein sein möchte, wenn man diesen Zustand doch zu ändern trachtet und zweitens wollte ich in diesem Moment bestimmt niemanden kennenlernen. Das klingt immer so nach Aufreißen und als verheiratete Frau mit zwei Kindern (ähm … klingt gut, oder?) macht man so etwas eben nicht mehr.
Nein, ich wollte ganz einfach allein sein.
Mehr allein, als man es abends sein kann, wenn man außer dem schlafenden Baby der einzige Mensch in der Wohnung ist, denn dann sind neben mir immer noch die Wäsche und der Abwasch und das Aufräumen und die Müdigkeit. Eine Scheißgesellschaft.
So rief ich also im Radio an und pries das Alleinsein und in der Abmoderation wurde ich dann als ein einsamer Freak unter anderen mit guten Wünschen für’s Wochenende bedacht und machte mich auf, Freunde zu besuchen. Pah!
Einmal im Jahr bekommt meine Lederjacke Streicheleinheiten.
Ich reibe sie mit Lederpflege ein und gönne ihr dabei ungefähr zwei Stunden Zuwendung und 100 ml Balsam. Dank des wunderbaren Babys konnte ich das auch diese Woche tun, in zwei Sitzungen zwar, aber immerhin. Welches Baby liegt schon verzückt und vollstens zufrieden vor einem auf dem Boden, während man wieder und wieder einen Lappen mit Creme tränkt und diese über eine Jacke aus der Pimkie-Yvonne-Catterfeld-Collection reibt? Genau, meins!
Ich glaube ja immer noch, daß diese Jacke mit einem stolzen Preis von 200 Euro so ziemlich das teuerste Stück ist, welches die Kleinmädchenkleidungskette je verkauft hat, aber sie ist jeden Euro wert. Sie wird immer mehr meine Jacke.

Inzwischen paßt sie, aufgrund einer kräftezehrenden Schwangerschaft, sogar im Winter, sodaß ich ihr dieses Jahr etwas früher als sonst auch wieder frisch befestigte Knöpfe spendierte. Sonst spannte es ja immer etwas um die Arme, wenn ich mehr als ein Jäckchen druntertrug, jetzt aber gehen unglaublicherweise noch ein Pullover und zwei Strickjacken mit mir zusammen hinein und man kann sie trotzdem bequem zuknöpfen (bis zum nächsten dicken Bauch, aber das ist ein anderes Thema).
Meine Lieblingssachen derart zu pflegen ist mir Selbstverständlichkeit und Bedürfnis zugleich. Ich muß mich anfangs immer sehr überwinden, so geliebte Kleidungsstücke überhaupt zu tragen und wenn ich erst einmal dazu gekommen bin, dies — mit aller auch nach Jahren noch gebotenen Vorsicht — auch zu tun, dann bin ich keine Verfechterin des abgeranzten Aussehens. Man darf Sachen schon ansehen, daß sie nicht neu sind, ungepflegt und dreckig müssen sie aber trotzdem nicht sein.
Über das Putzen von Turnschuhen (neudeutsch: Sneakers) kann man nämlich auch Glaubenskriege führen, könnte man, allerdings nicht mit mir. Ich besitze vielgetragene weiße Sneakers, die auch nach sechs oder acht Jahren nicht älter aussehen als zwei Sommer — mit ausschließlich gutem Wetter. Und ja, bei diesen Dingen macht es mir Freude, sie gut erhalten zu sehen und dafür auch etwas zu tun. Lederschuhe liebevoll mit Aftersun einzureiben, beispielsweise. (Mir fällt auf, daß ich mir seit diesen Fotos lediglich zwei Paar neue Hausschuhe zugelegt habe. Da muß sich irgendein Frauengen abgeschaltet haben und es hat nicht einmal wehgetan. Komisch.)
Und jetzt, wo die Ledersachen gewichst sind, gehe ich pfeifend Silber putzen.
Das Konzert, auf dem ich am Samstag war, wird besser und besser, je mehr es sich in mir ausbreitet.
An dem Abend war ich alles andere als gut drauf, Kreislaufprobleme, Brechreiz, immer wieder mal ein Anflug von Atemnot und Klaustrophobie in der dunklen, vollen Halle, obwohl wir ganz weit oben auf einer recht leeren Balustrade standen und kaum jemand geraucht hat. Zwischendurch aber Momente voller Klarheit inmitten des Tunnels zur Bühne, in denen ich die Musik und das Licht in mich aufsog um es dann genießen zu können, wann immer ich es brauchen würde — jetzt zum Beispiel. Alles andere ist dann vergessen, der Schwindel, das Stechen, das Hämmern im Kopf, die Müdigkeit, die Angst, die mich manchmal quält und das Vielleichtnichtgenügenkönnen. Es ist weg und wann immer ich mich in die Erinnerung versenken kann, bleibt es verschwunden, und genau dafür liebe ich Konzerte.
Konzerte, aus denen man nach zwei Stunden wie aus einer Trance aufwacht und kaum begreifen kann, daß mehr als fünf Minuten vergangen sein sollen, sind das Sahnehäubchen auf meiner Erinnerungstorte. Man kann ja nicht immer nur Stulle essen.
Gibt es Löschpapier auch in hübsch? Ich meine, gibt es nicht auch blaues Löschpapier und wenn ja wo? Und gibt es das vielleicht sogar in DIN A4? Oder saugt Büttenaquarellpapier noch besser Feuchtigkeit auf? Oder ist das vielleicht sogar egal, denn das Trocknen geschieht sowieso vorher in der Presse?
Hach, ich möchte jemandem ein Herbarium basteln, so ungefähr im Format 24×32 cm oder eben DIN A4, am liebsten mit gezeichneten Vorlagen aus losen Blättern, damit ich mich beim Geschenkherstellen nicht wieder so böse verzettele wie bisher, also Beschreibungen von in Berlin und Brandenburg üblichen (Wild)Pflanzen zeichnen und nebendran Platz lassen für selbstgesammelte Exemplare. Und jetzt bin ich schon beim Material etwas ratlos. Ein Kreuz ist das immer!
Die tollste technische Gerätschaft unseres Haushaltes, neben der Mikrowelle auf ihrem Küchenaltar, ist die elektrische Zahnbürste. Putzen oder putzen lassen? Ich lasse putzen, ganz klar.
Zähneputzen muß sein, yadayada, so das Mantra meiner Kindheit, und wie brav bin ich ihm gefolgt. Allein, es war öde und nutzlos, denn putztechnisch bin ich eine Niete. Kennt noch jemand diese Zahneinfärbetabletten, deren fieses Lila man beim Zahnarzt um die Wette wieder wegschrubben mußte? Ich habe da immer verloren und weiß bis heute noch nicht, ob es an meiner Anatomie liegt (Armverknotung, Handgelenkssteife — zum Glück bin ich kein Mann), ich zu faul bin oder einfach nur zu blöde zum anständigen Zähneputzen.
Und jetzt, mit 28 Jahren, habe ich die weißesten, blitzeblankesten Beißerchen meines Lebens, gesund und rosig glänzt das Zahnfleisch drumherum und möglich wird all dies durch ein kleines Technikdings. Dreimal täglich putzen? Ich liebe es.
Warum erliegen soviele Damenoberbekleidungsfabrikanten dem Irrtum, daß für Pullover und Shirts in XS auch nur ein extrakleiner Halssausschnitt benötigt wird?
wie schnell man in einer neuen Wohnung die Lichtschalter im Dunkeln findet und sich nicht mehr an den Türrahmen stößt.
Aber das sind ja nur so Anwandlungen, die wohl jeder hat. Als ob sich einmal im Monat ein versprengter Rest Pubertätshormone im Körper aufmacht und eine dicke Party feiern will. Der dicke Vogel, der verpaßt hat, mit in den Süden der ewigen Jugend zu ziehen. Vielleicht kennen sowas ja auch nur Frauen, oder klingt das jetzt sexistisch?
Wenn ich meine Tage habe, bekomme ich auch immer so Stimmungen, meistens miese, der Mann ist das schon gewohnt. Womit reden Männer sich eigentlich heraus? Jedenfalls denke ich dann den ganzen Tag nur ans Essen. Oder, nicht das Essen, die Essen, alle Essen. Essenessen. Meins. Alles wird plötzlich zum begehrenswertesten, am besten duftenden, sofort zu verschlingenden Objekt meiner Gier. Ich rieche und schmecke die Dinge, die ich denke und leide gar nicht. Denn ich bin dann schier verrückt.
Mein Körper ahnt die Schritte, welche nötig wären, dieses oder jenes aus diesem oder jenem Regal zu fischen, an der Kasse zu bezahlen, am Stand zu kaufen, im Restaurant zu bestellen, heimzutragen, auf der Straße zu wiegen voller Vorfreude, die sich in alptraumhafte Scham wandelt, wenn es mich überkommt und ich noch vor der Haustür zusammenbreche und mit vollen Händen alles auf einmal, mit der Folie, kalt und roh, in mich hineinstopfe. Oder wenn ich nicht einmal soweit komme, sondern an der Kasse bemerke, daß kein Geld da ist, daß ich keine Hose anhabe, daß meine Hände voll grüner Farbe sind, die sich giftig um das Essen gelegt hat und es ungenießbar macht. Oder ich komme nicht einmal bis nach draußen, weil ich zu entkräftet bin und auf dem obersten Treppenabsatz gleich vor der Wohnung verrecke und im Traum vom Traum mit dem Essen träume.
Meist bin ich dann so wirr, daß ich gar nichts esse oder nur die Reste vom Baby, Mutti als Müllschlucker. Irgendwie — will ich wieder schwanger sein. Da hatte ich nämlich oft gar keinen Hunger und damit verbunden einen klaren Kopf.
Ich würde gern wieder etwas anderes als Essen denken.