Um es gleich vorweg zu sagen: Die Spielzeugindustrie ist das pure Böse, noch viel böser als winzige Männer mit an die Mundwinkel gelegten kleinen Fingern je sein könnten, so böse wie nur — irgendwas.
Andere Industrien tun sich mit den Prinzen der fucking Darkness, der Verpackungsbranche, zusammen um was auch immer zu verpacken, auf diese Art zu blenden und zu betrügen und uns auszunehmen. Sie erfinden listig immer neue, größer, besser, toller aussehende Verhüllungen der Waren, die verkauft werden sollen, aber ihnen ist eines gemein: Jeder weiß, was Verpackung und was Inhalt ist, was Auflistung der Inhaltsstoffe und meinetwegen noch Bedienungsanleitung, was Innen und was Außen darstellt.
Nicht so bei Spielzeug.
Plüschberge, Plastikhaufen, ganze Armeen von Greiftieren und sonstigem Zeug werden nur hergestellt um kleine süße Babies zu verzaubern. Aber nicht etwa, weil sie mit diesem, meist zusätzlich noch als pädagogisch wertvoll eingestuftem, Kram spielen, sondern, weil geheime Botschaften auf den winzigen, all diesen Dingen beiläufig angehängten Fitzelchen Stoff versteckt sind, mit dem die Kleinen EIGENTLICH spielen: Den Etiketten.
Und die wehrlosen Kleinmenschen fallen darauf herein, wie auch sollten sie den Schwindel erkennen, die Manipulationsversuche an ihrer zarten Seele und dem noch unverbrauchten, daher umso leichter zu beeindruckendem Geist bemerken.
Man könnte mir jetzt Verschwörungsangst vorwerfen, aber: Es kann doch kein Zufall sein, daß sie an all den Babydecken kleben, die Etiketten, die so sogar schon an die allerkleinsten Neugeborenen gelangen, daß alle Stofftiere damit gepflastert sind und die kleinen Händchen bald zielsicher nach diesen mit für sie mythischen Schriftzeichen bedruckten Fähnchen grabschen, daß das erste Buch der kleinen Leia angeblich versteckt, aber für ihre Wahrnehmung umso auffälliger plaziert, in der Mitte, ich wiederhole: IN DER MITTE! ein Etikett verbirgt, mit welchem sie ausschließlich spielt, sobald ihr dieses Buch in die Hände kommt. 13 Euro für ein Etikett ausgegeben? Und es noch nicht einmal gewußt vorher? Gab es denn keine Warnung? Und wird es ein Entrinnen geben?
Keiner weiß wirklich, was dahinter steckt, was die geheime Botschaft ist und wie die Spätfolgen aussehen werden. Das alles nenne ich doch mal eine Riesensauerei!
Man stelle sich vor: Millionen Umzüge, Hausaus- und -anbaumaßnahmen wären unnötig gewesen, wenn nicht immer diese spielzeugüberfüllten Kinderzimmer gewesen wären, aus denen Plüsch quillt und Plaste plumpst, so verbrecherisch dorthin geschleust mittels Manipulation, wo doch alles sich um die winzigen Etiketten dreht, die den Kindern den Kopf verrücken.
daran denken, daß das Leben vor so ziemlich genau einem Jahr richtig scheiße war, und noch ein paar Jahre früher noch viel mehr, und dann nochmal nachsehen, ob man sich das nicht doch eingebil– nein.
Was tun gegen das Gefühl, nicht mehr anzukommen gegen Erinnerungen, die die Behauptung, man könne sich vergangene Schmerzen zum Glück nicht vergegenwärtigen, Hohn strafen, ihr den Stinkefinger zeigen und ihn dann in mein Auge poken, aua? Was tun, verdammt?
Aber hey, jetzt ist jetzt und gestern ist nur in meinem Kopf. Oder so. Und genau das ist das Problem, weißt Du, dieses NUR IN MEINEM KOPF, das BIN ICH. Ich bin meine Erinnerungen, zumindest, sobald ich die Augen schließe, und seit Ewigkeiten schon traue ich mich nicht mehr zu schlafen, denn dann bin ich allein in meinem Kopf und dort halte ich es einfach nicht mehr aus.
Mit etwas Glück (es gibt wohl keine Karten im Vorverkauf) sindwir nachher da. Das wäre dann mein erstes Konzert seit über einem Jahr. Hach, ick freu ma!
Genau jetzt (11:33) ist mein Baby ein halbes Jahr alt.
Anfangs waren es Stunden, dann Tage, dann Wochen, und jetzt ist die kleine Leia schon soooo alt, daß ihr Weilen auf dieser Welt in Monaten angegeben werden kann, sogar schon in Jahresbruchteilen. Kindchen, wie die Zeit vergeht!
Das beschreibt so etwa meine gemischten Vorfreude-Nichtplanenkönnen-Sorgengefühle hinsichtlich der nächsten, nun schon dritten re:publica.
Denn: Erstens bin ich sowas von grandios pleite: Der Automat hat letztens meine Geldkarte verschluckt und sich nicht mehr erbarmt, sie wieder herauszugeben — daß ich wohl erst dann Geld für das Ticket haben werde, wenn diese ab Mitte Januar teurer werden oder, noch schlimmer, dann bereits ausverkauft sind (Schockschwerenot!).
Das nächste wäre dann die Vorstellung, dort mit einem zehn Monate alten Baby aufzutauchen. Die Kleine ist ein Ausbund an Niedlich- und Friedlichkeit, wirklich etwas mitbekommen von irgendwelchen Panels werde ich mit ihr im Schlepptau wohl aber nicht. Und einfach tagsüber weggeben (Mutti, wie sieht denn Deine Urlaubsplanung in den nächsten Monaten aus?) werde ich sie wohl auch nicht können. Gnaaaa!
Aber: Immer positiv denken, wir werden das Kind schon (ver)schaukeln. Ich bin auf jeden Fall da, wie auch immer! Und ja:
Wir haben gerade geübt, aus der Tasse zu trinken, das Baby und ich. In der Badewanne, aber das nur nebenbei …
Man schwimmt ja immer so, mit einem Baby.
Ist es so richtig oder doch anders, wie mache ich das jetzt am besten, Moment mal, ich hab was vergessen, jaja, ich komme so zwischen 14 und 16 Uhr. Und das mir, wo ich doch am liebsten alles plane, vor her weiß und mich nur ungern darauf einlasse, mich überraschen lassen zu müssen. Ich hasse Überraschungen, meistens, wenn sie nicht mit Schokolade im Zusammenhang stehen.
So als Hausfrau und Mutter — niemals hätte ich gedacht, daß ich dies mal von mir würde schreiben müssen, offiziell darf ich mich ja immerhin noch (beurlaubte) Studentin nennen, schwimmt man ebenfalls. Es kostet schon einiges an Mühe und Geld (die Handyrechnung!), sich noch irgendwie sozial einzubinden, nicht völlig den Kontakt zu verlieren und auch mal rauszukommen. Das Kind soll ja täglich an die frische Luft und Abwechslung haben, gleichzeitig keinen Streß dabei und einen geregelten Tagesablauf. Okay, und was machen wir morgen?
Morgen, ja, da bin ich verabredet, das übliche, in einem Zeitrahmen von etwa einer Stunde, damit ich am Ende doch wieder fünfzehn Minuten später da bin. Ischluder!
Ich schwimme gerne. Denn wenn man nur ordentlich Luft holt, ist das alles gar kein Problem.
Die Tauben haben sich ein Nest gekackt
in der kaputten Mauer gegenüber.
Im neuen Zuhause,
das erste Mal mit dem Gefühl,
wirklich in einer Stadt zu wohnen,
den Straßenlärm zu hören von mehr als sieben Autos,
blicke ich auf die blinkende Spitze des Fernsehturmes,
auf die leuchtende Schrift des “Zentrums Schöneweide”,
auf die Kinder im täglichen Unterricht,
auf die nächtliche Tram,
auf die häßliche Kreuzung,
auf die Mauern gegenüber
mit den kackenden Tauben in ihrer Höhle.
und die Power/DSL-Leuchte blinkt nicht mehr ihr nervtötendes Aaaaaan (erste Hoffnungen auf eine Verbindung zum Netz machen sich breit und breiter) - Aus (letzte Hoffnungen zerplatzen höhnisch schmatzend in der Dunkelheit). Das Lämpchen leuchtet, und das bedeutet: