Hauptsache anders

Alles anders, alles neu, alles besser als unsere Eltern, ja, so machen wir’s!

Werden wir nicht. Wir werden nichts anders machen als unsere Eltern, der Karpate und ich, was die Kindererziehung betrifft, jedenfalls nichts Grundsätzliches. Und ganz ehrlich, mir tun Menschen leid, die über ihre eigene Kindheit als eine Zeit des Mangels sprechen, in der vieles schiefgelaufen sein muß, wenn es doch soviel zu kritisieren gibts. Wir beide haben kaum etwas zu beanstanden daran, wie wir aufgewachsen sind. Zum Glück sind wir uns darin wie auch in den meisten anderen Dingen einig.

Wenn wir uns ausmalen, wie es denn sein soll, unser Familienleben, dann klingt das in etwa so:

Morgens das Frühstücken, das wird schön. Ganz in Ruhe, ohne Fernseher, alle beisammen.
– Au ja, wie früher! Meine Mutti hat immer so leckere Schnittchen gemacht für uns.
Meine auch. Die Pelle hat sie von der Wurst abgezogen, weil ich die nicht mochte, und wenn Papa nicht hingeschaut hat, dann gab es noch eine Butterschnecke in die Mappe.
– Wir haben immer Gesichter gemacht aus dem Käse und dem Schnittlauch.
Oder mit dem Messer Muster in die Butter geritzt! Und dann haben wir Blödsinn auf dem Weg zur Schule gesungen! Oder beim Spazierengehen, da haben wir ganz laut im Wald gesungen. Und stundenlang haben wir Blumen gesammelt im Wald. Spazierengehen fand ich immer toll!
– Fahrradfahren mit Papa, früher noch mit Oma und Opa Pilze suchen, hmmmm …
Au ja, Pilze suchen! Oder Steine, oder Sachen zum Basteln-
– Basteln war toll, der ganze Küchentisch war voll. Und wenn wir mit den Figuren gespielt haben, dann stand, besonders wenn wir Zoo gespielt haben, der ganze Aufbau tagelang im Wohnzimmer!

Und dann alle beide gemeinsam, in Erinnerungen schwelgend: Haaaach! (Glücklich in Erinnerungen schwelgen macht immer leicht blöde, daher der seltsame Tonfall des Erinnerungsgesprächssurrogats.)

Es kann ja auch Zufall oder einfach ihr Temperament sein, aber ich maße mir an zu behaupten, daß man die friedliche, fröhliche Atmosphäre in unserer kleinen Familie jetzt schon spüren kann, wenn man unserem Baby begegnet. Die Kleine ruht so in sich selbst, ist freundlich und offen, wie es nur in einer Familie möglich ist, in der genau diese Stimmung herrscht. Natürlich bin ich nicht immer hochgestimmt, wenn ich schlapp und müde angekräht werde oder der dritte Body des Tages angelullert wird und in die eh schon überquellende Wäsche wandert, aber ich bin mir sicher, daß wir alles packen werden, was sich uns an Familienärger in den Weg stellt, eben weil wir beide aus Familien kommen, in denen liebevoller Umgang und reichlich Zuwendung die Regel war. Selbst wenn Kleinigkeiten im Nachhinein doch kritisch hinterfragt werden (Mußte ich denn tatsächlich immer so häßliche Brillengestelle tragen? Wäre der Karpate auch ohne die Butterstreusel zwischendurch so ein klopsigfettes Kind geworden? Habe ich nicht doch zuviele Freiheiten als Teenager genossen und der Karpate vielleicht zu wenig?), wissen wir beide, und haben es auch in den schwierigsten Teenagerzeiten gespürt: Unsere Eltern meinen es immer nur gut mit uns, sie waren und sind immer für uns da und lassen jederzeit alles stehen und liegen, wenn wir Hilfe benötigen. Das weiterzugeben und genauso gut zu machen, ist eine große Aufgabe, bei der wir einen immer nur weiter wachsenden Respekt für die Leistung unserer Eltern in uns spüren. Mittlerweile wissen wir nämlich: Was bei ihnen so leicht und selbstverständlich wirkt, ist harte Arbeit, Geduld, Aufopferung und –

Liebe.

November 6, 2008 | In Soso | 8 Comments | TrackBack-URL

Ich höre immer nur Geschimpfe auf das “Berliner Prekariat”

Was ist so verachtenswürdig daran, monatlich nur einen kleinen Betrag zum Leben zur Verfügung zu haben und zum Glück auch nicht viel mehr zu brauchen?

(Mein Mantra ist ja neuerdings: Mutti (ich) hat jetzt keine Bedürfnisse mehr. Mutti hat jetzt keine Bedürfnisse mehr. Da dies leider zur Hälfte gelogen ist, hangele ich mich von einem Geschenkesegen bringendem Feiertag zum nächsten und erhoffe das Ende des Werkvertrages, welches Geld in die Kasse spült. Bis dahin reicht es für das, wofür es reichen muß und ich bin’s zufrieden.)

November 2, 2008 | In Soso | 1 Comment | TrackBack-URL

“do you realize?”

dEUSBad Timing (live YouTube-Link / acoustic solo YouTube-Link)

November 1, 2008 | In Video | 1 Comment | TrackBack-URL