Eine Mädchenabendanleitung

(Eigentlich bin ich ja gar nicht da, Fieber und so, aber mein treu ergebener Diener und Schreibassistent — Heiraten lohnt sich! — sitzt mir zu Füßen und pflückt sich begierig jedes meiner wirren Worte von meinen Lippen, um sie wunderbar gewandelt in einen sinnvollen Text zu gießen.) Möge der Mädchenabend beginnen!

Ähm … eigentlich weiß ich ja auch nicht, wie der ultimative Mädchenabend auszusehen hat, aber zumindest den Anschein, ich wäre in solcherlei Dingen erfahren, scheinen dieser und dieser Post zu erwecken. Nun denn:

Das Wichtigste an einem Mädchenabend sind ja wohl die Mädchen, ohne geht es schlechterdings nicht. Mädchen sind zunächst einmal alle weiblichen Wesen überhaupt, desweiteren alle diejenigen Männer, die sich nicht zu fein sind, ernsthaft Clive Owen und Ryan Gosling (oder ähnlich prachtvolle Exemplare des männlichen Geschlechts) anzuschmachten. Wer als Mädchen dennoch Bier mit Zähnen oder Augenbraue, meinetwegen auch noch mit Hilfe eines Feuerzeuges aufbekommt und bei Bedarf ordentlich zu rülpsen versteht, ist ebenfalls qualifiziert. Männermänner müssen draußen bleiben.

Das zweitwichtigste Ingredienz für einen Mädchenabend ist das Essen (und die gelassene Haltung zum Verzehr desselben, mindestens für die Dauer des Mädchenabends). WICHTIG! Alles Essen landet sowieso direktamente auf der Hüfte, da kommt es auf die Mädchenabendnahrung auch nicht an. Als Mädchenabendfutter eignet sich alles, was subjektiv als lecker empfunden wird. In meinem Falle wäre dies (kleiner Auszug):

Eis (mit Sahne, Früchten, Nutella, Honig, noch mehr Eis, Vanillesoße, auf Kuchen, zwischen Schokopudding, zu Waffeln, Schokolade, als Shake, mit Kaffee oder heißer Schokolade, im Teigmantel oder in Form noch nicht vollständig aufgetauter Windbeutel, welche in Cappuccino ersäuft und in letzter Sekunde gerettet werden)

Schokolade (in jedweder Form, gern auch heiß und flüssig als Getränk oder aus einem dieser neumodischen Schokobrunnen quellend)

Kuchen, Torte, Tarte und Törtchen

Obst (Jahaawollja!)

Außerdem braucht es: Eine gemeinsame Leidenschaft — ist diese Leidenschaft, die die Mehrzahl der anwesenden Mädchen teilen sollte, bereits das Essen, dann braucht es meist nicht einmal den nachstehend erwähnten Alkohol (den es eigentlich zum Zwecke der Stimmungshebung sowieso nicht unbedingt brauchen sollte). Diese Leidenschaft kann auch der Film Noir, Clive Owen (da isser wieder!), Winnie the Pooh oder der Haß auf den Biolehrer sein, egal, die Hauptsache ist, daß diese gemeinsame Leidenschaft beste Voraussetzungen für Gespräche bietet.

Eine DVD mit, nein, nicht ihm (Mr. “bei dir ist sogar Brusthaar sexy”-Clive Owen), aber vielleicht mit ihm? Ein anspruchsvollerer Mädchenabend könnte sogar Sozialkritik à la Half Nelson vertragen, gemeinhin sollte aber nach leichteren Themen gesucht werden, wenn ein Film das Rückgrat des Abends bilden soll. Am besten ist es sogar, man schaut gar keinen Film an, sondern eine möglichst bekloppte US-Serie, zu meiner Zeit war das etwa Buffy. Dann läuft man nämlich nicht Gefahr, Teile einer etwaigen Handlung zu verpassen, wenn das Gespräch urplötzlich auf die Sexyness von Lars aus der 12. oder Ryan Gosling in “Half Nelson” kommen sollte, aber das nur nebenbei.

Spiele an einem Mädchenabend halte ich für gefährlich, denn nicht jede ist eine gute Verlierin. Gesellschaftsspiele bergen obendrein die Gefahr, zu schnell zu ernst zu werden, Tat oder Wahrheit zum Beispiel hat wegen der Untiefen, die auch noch junge Leben bereithalten, so manche Party gekillt. Es kann eben nicht jede Runde so obskur und dennoch knapp am Rande des Abgrunds mit gutem Ende verlaufen wie Charlotte Roches legendärer Abend.

Girlanden oder Verkleidungen, sowohl der Wohnung als auch der Mädchen, finde ich eher peinlich. Wer allerdings in der Nähe der sogenannten Karnevalshochburgen wohnt, mag das anders sehen. (Verzeihlich ist es dennoch nicht!)

Essen geht immer, aber das erwähnte ich ja bereits.

Gute Laune ist zum Teil hilfreich, ein guter Kater kann aber die gute Laune zumindest einer Teilnehmerin hinreichend ersetzen.

Wodka-Lemon, Pullerbrausencocktail (niedrigprozentige Cocktailfertiggetränke), Bier und überhaupt alles, was knallt, gefällt, bunt ist oder schlicht verfügbar wäre daher das Mittel der Wahl.

Ansonsten kenne ich mich mit Mädchenabenden nicht wirklich aus, wie gesagt, ich weiß nur: “Spaß ist, was ihr draus macht!” und “Sind wir nicht alle ein bißchen Bluna?”

Julie 14, 2008 | In Soso | | TrackBack-URL

  1. ich sehe schon, wir müssen mal einen solchen abhalten und hemmungslos mr. gosling huldigen :)

    (diese szene im unterhemd!!)

    Kommentar von anne am 14. Julie 2008 um 21:13 | Link

  2. au ja! (wenn ich wieder heile bin.)

    was mich nur wundert: wieso die frage nach dem wie eines mädchenabends? wir haben uns einfach getroffen, damals und jetzt noch, im vertrauen darauf, daß es schon genug zu reden geben wird, jeder hat etwas leckeres zu essen mitgebracht, was gerade da war oder worauf man appetit hatte und ab dafür. vielleicht noch einen film ausgeliehen oder eine fernsehsendung anvisiert, aber ansonsten keinen plan gemacht oder sogar etwa die sorge gehabt, es könnte nicht schön werden.

    ein mädchenabend ist keine inszenierung und auch kein wettbewerb, es ist ein netter abend mit freundinnen (und bitte ohne pyjamas!).

    Kommentar von Julie Paradise am 14. Julie 2008 um 22:06 | Link

  3. Und da sag noch einer, dass Mädchen nicht in ihrer eigenen kleine Welt leben. Ryan Dingens kenn ich nichtmal und Cocktailfertiggetränke klingen schon geschrieben ziemlich … süß.

    btw: Welcher Lars? :)

    Alles in allem ist es wohl völlig in Ordnung, dass Männer bei sowas nie dabei sein dürfen - klingt nicht so, als würden wir was verpassen.

    Kommentar von robert am 14. Julie 2008 um 22:27 | Link

  4. eine schöne “hommage”. in so tolle worte verpackt!
    wie gut du diese essentielle - gar notwendige - art des fröhnens beschreibst (auch wenn du dich laut eigener aussage nicht besonders damit auskennst). aber es ist ein wichtiger teil des “weiblein-seins” für mich, für dich - für alle mädels eben.
    nach jedem mädelsabend frage ich mich: was wäre das leben ohne die mädels?

    Kommentar von augi am 14. Julie 2008 um 23:18 | Link

  5. Ich kenne Ryan nur als Henry Letham aus “Stay”, aber ob das ein passender Mädchenabendfilm ist würde ich erstmal bezweifeln.

    Kommentar von HR am 15. Julie 2008 um 10:16 | Link

  6. Das find ich immer so blöd, wenn ich Mädels einlade. Da ich ja Typ bin, befinden die sich ja dann quasi in der Öffentlichkeit und Essen nur ganz wenig, und auch nur die gesunden Sachen. Bunte, prickelnde Getränke nehmen die allerdings immer gerne ;-D

    Kommentar von Phil am 15. Julie 2008 um 18:26 | Link

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