Büchsenmacher

Mein Vater bezeichnete sich selbst, nach meiner Geburt und der enttäuschenden Feststellung, daß ich ein lebendgeborenes Mädchen war, als Büchsenmacher. Dies schien eine Form der Selbstkasteiung zu sein und lange Zeit hielt ich diese Geschmacklosigkeit für eine seiner widerlichen Eigenarten, bei niemand anderem hörte ich diesen Ausdruck.

Nun, ich habe mich wohl lange in den falschen, da richtigen, Kreisen bewegt.

Aber alles hat ein Ende, und so lernte ich, daß es immer noch Kerle gibt, die Mädchen als “Büchsen” oder “Dosen” bezeichnen. Die Cousine des Karpaten hat zwei kleine Töchter, der Cousin wird gerade Vater (mutmaßlich, nichts Genaues weiß man bald) — ein Mädchen und ich selbst habe ja seit vier Wochen die kleine Leia. Und schon wird geunkt, ein Fluch laste auf der Familie, denn: “Ihr könnt doch eh alle nur Dosen.” Das dahingesagt in einem Ton, der nur so trieft vor Geringschätzung und Ekel.

Widerlich.

Julie 3, 2008 | In Soso | | TrackBack-URL

  1. 04.07.2008 - Koinzidenz « The Infinite Monkey
  2. 04.07.2008 - links for 2008-07-04 | Endl.de | Zielpublikum Weblog
  1. und dabei kann man sich nichts Schöneres vorstellen, als ein lebendes kleines DIng lachen und greifen und Grimassen ziehen zu sehen…. da kann man immer wieder - wie so oft - nur den Kopf schütteln ob der Bescheuertheit vieler und der Beharrlichkeit, zwischen die Beine zu gucken und “guut” oder “schade” zu schreien. Ahrgh, wieder mal die Ungläubigkeit ob der Bescheuertheit einiger Menschen…

    Kommentar von Ani*ka am 04. Julie 2008 um 03:57 | Link

  2. dosen? okay. ich meine, in wut kann man ja so mal über eine frau reden, die es verdient hat. aber kleine weiche mädchen-babys so zu bezeichnen, ist ganz schön uncool.

    Kommentar von bastiH am 04. Julie 2008 um 09:03 | Link

  3. ist mir schlecht….

    Kommentar von anne am 04. Julie 2008 um 09:06 | Link

  4. “Dosen aufmachen” … das kenne ich… als Begriff über Entjungferungen =/. Ziemlich derb.

    Kommentar von rosaschaf am 04. Julie 2008 um 11:11 | Link

  5. Würgs. Schönes, altes, festsitzendes Patriarchat. Gekoppelt meist mit einer ungesunden Portion Minderwertigkeitskomplex.

    (Um es ein bisschen aufzumuntern: in meinem schwulen Bekanntenkreis gibt es jemanden, der seinen Ex-Freund vollkommen liebevoll als “sein Kaiserdöschen” bezeichnet. Und beide finden das gut. Aber im selben Bekanntenkreis bekommt ja auch ein Kerl von seiner Mutter “Fickschnitzel” als Kosenamen.)

    Kommentar von diaet am 04. Julie 2008 um 12:08 | Link

  6. ich glaubs nicht, obwohl ich ja weiß, dass es so ist, dass sowas noch existent ist … ich glaub es ist gar nicht so schlecht, sich in den “anderen Kreisen” zu bewegen und das hinter sich zu lassen, die Welt ändern wird man wohl nicht können, aber ihr den Rücken zudrehen, das kann man

    Kommentar von Alexander am 04. Julie 2008 um 12:17 | Link

  7. Also ich mag meine 2 “Büchsen”.
    Tatsächlich habe ich lieber Töchter als Söhne (die machen ja später nur mein Auto kaputt - die Mädels telefonieren mir “nur” ein Loch in die Tasche :)

    Außerdem bin ich in unserem “Weiberhaushalt” der unbestrittene Hahn…

    Kommentar von Kai am 04. Julie 2008 um 13:06 | Link

  8. ich wiederhole mein mantra: sagt euch von diesen leuten los. ich krieg schon magengeschwüre vom lesen, ich kann mir nicht vorstellen, wie es mit solchen leuten aushalten.
    patriarchat und minderwertigkeitskomplexe hat’s in meiner familie auch. unverständnis gegenüber verschlungen akademischen bildungswegen oder nichtbürgerlich-patriarchalen lebenswegen kenn ich aus der verwandtschaft ebenfalls. aber die verbinden sich nicht zu so einer ekelhaften frauen- und letztlich lebensfeindlichkeit. bäh.

    Kommentar von Björn Grau am 04. Julie 2008 um 14:57 | Link

  9. Solltest du dich irgendwann mal in Elektrikerkreisen Bewegen wirst du vielleicht auf Stolz über Weiblichen nachwuchs treffen…wie hat mein Meister damals immer gesagt?

    “Nen guter Elektriker verlegt alles unter Putz”

    Oder so…Dose hab ich allerdings noch nie gesagt..sind nicht alle Männer so ^^

    Kommentar von Sushiator am 04. Julie 2008 um 18:52 | Link

  10. Einmal die Adresse, bitte. *baseballschlägerbereithalt* Aber nein. Das wäre zuviel unverdiente Aufmerksamkeit.
    Wenn ich sowas höre/lese, erscheint mir Kontaktabbruch als die wesentlich gesündere Alternative. Auch mit Risiken und Nebenwirkungen verbunden, aber im Vergleich…

    @sushiator: :D (autsch, aber gut)

    Kommentar von miss sophie am 04. Julie 2008 um 21:39 | Link

  11. Das ist doch wohl unglaublich. Mein Magen verkrampft sich und ich werde sauer auf diese unverschämten, beleidigenden Leute. Versucht Euch so weit es geht zu distanzieren. An dieser Einstellung wird sich auch fast nichts ändern, denke ich erfahren, auch wenn Ihr eine lange, nervenaufreibende Auseinandersetzung versucht. Wie Björn Grau es richtig sagt, es ist eine lebensfeindliche Einstellung.

    Kommentar von Logopäde am 05. Julie 2008 um 12:16 | Link

  12. jungs machen jungs und männer machen mädchen.

    Kommentar von sebi am 05. Julie 2008 um 16:17 | Link

  13. wen wundert’s: diesen quatsch erzählen uns in unserer abendländischen kultur u.a. ja die kirche, goethe und freud (”die frau ist ein gefäß”). schön, wenn frau es besser weiß, und eben dieses wissen an töchter und söhne weitergibt. den menschen als menschen achten!

    Kommentar von augi am 05. Julie 2008 um 16:27 | Link

  14. Immer noch besser als so kleine Messerstecherchen.

    Kommentar von croco am 08. Julie 2008 um 16:45 | Link

  15. ziemlich unverschämt auch die frage des schlimmsten schwiegeronkels: “und, haben sie gleich einen stich mehr gemacht?” (der karpate berichtete, ich selbst war glücklicherweise nicht dabei. sonst wäre ich ihm wohl ins gesicht gesprungen.)

    stichwort “jemandem ins gesicht springen”: ich bin manchmal schon eine doofe kuh. um des lieben friedens willen halte ich die fresse und denke immer daran, wie sich der andere denn fühlen würde, wenn jemand so mit ihm umspringt. einfach mal den mund aufzumachen täte mir öfter gut.

    Kommentar von Julie Paradise am 08. Julie 2008 um 22:59 | Link

  16. in meiner familie väterlicherseits bin ich so etwas wie das schwarze schaf, aus dem einfachen grund, dass ich die erste und bisher einzige bin, die abitur hat und studiert,
    es gibt dort auch eine etwas seltsame einstellung mädchen und frauen gegenüber. zudem ist es standard, spätestens mit 20 zu heiraten, kinder zu bekommen und das war’s dann (für die frauen).
    passt zwar nicht zum thema, aber ein großcousin lebt mit seinem freund (! skandal !!!) in münchen, der existiert für den rest der familie offiziell gar nicht mehr.

    Kommentar von nati am 09. Julie 2008 um 11:27 | Link

Rock my Boat!