ist eine nicht vorhandene. Oder gibt es etwas neben dem bösen K, was stets solche Gewissensbisse und Frust beim Benutzen hervorruft?
Da wäre beispielsweise die Zahnpaste, pardon, das medizinische Zahncremekonzentrat, welches einen schon ganz unlässig rot und weiß auf der Verpackung maßregelt:
Man verwende es sparsam. Eine linsengroße Menge genügt!
Lin_sen_groß. Linsengroß ist dasselbe wie pupswinzig. Wann habe ich mich je mit einer linsengroßen Menge Zahnpaste begnügt? - Eben, und ich werde jetzt nicht damit anfangen! Wir sind doch nicht bei armen Leuten hier!
Überhaupt, Konzentrat und Körperpflege … Viel hilft viel, ist da mein Motto, ausnahmsweise, denn sonst bin ich ein ziemlich kontrollierter Charakter, und selbst wenn viel nicht viel hilft, so macht es doch viel mehr Spaß (es hilft also doch, ätschbätsch!), in Cremes und Gels und überhaupt Zeugs zu schwelgen, es in den Haaren und auf der Haut zu verteilen, schäumen und sprudeln und quellen zu lassen. Shampookonzentrat ist da ein weiteres Übel, einmal und nie wieder, denn das teure Produkt gerät einem ja doch im üblichen Schwall aus der Packung, so daß ich mich jedes Mal ärgerte, eben nicht wie angegeben die Miniwinzportion herausgedrückt zu haben.
Der Sinn von Konzentrat, sei es nun Essigessenz oder Tomatenmark, ist ja, daß man potenziell wieder ganz viel dabei herausbekommt, wenn man die gepreßte und gestauchte und somit auch irgendwie gequälte Masse wieder rückvergrößert, also solange zurechtverdünnt, bis man die Konsistenz und Eigenschaften der normalen, das heißt nicht konzentrierten Version des Produktes erhält — nur daß eben dies nienienie funktioniert. Entweder man vertut sich hin zum einen Extrem, der homöopathisch verwässerten Menge, oder man hat immer noch zuviel Konzentriertes, das dann scharf, eklig und ebenso unbrauchbar bleibt.
Außerdem erinnert mich Konzentrat mit all seinen vermeintlichen Vorteilen an piefige Haushaltstipps für Geizpickel, wie den, daß man Teebeutel ja auch gut und gerne zweimal aufgießen könne oder was sich nicht alles aus ausgedienten Nylonstrumpfhosen machen ließe. Brrr, wen es da nicht schüttelt, dem ist auch nicht mehr zu helfen …
Fazit: Konzentrat und ich, wir passen nicht zueinander. Konzentration und ich ebenfalls nicht, aber das, liebe Kinder, ist eine andere Geschichte.
Dabei meint Dr. Liebe es doch nur gut …
Kommentar von Tina am 27. Mai 2008 um 11:02 | Link
Ein schöner Text, ein wahrer Text. Der sollte Standardlektüre in jedem Kochkurs und bei jedem Produktherstellergrundlagenseminar werden. Und einmal pro Jahr auf der Zeit-Leben-Seite erscheinen. mindestens. Echt jetzt.
Kommentar von Björn Grau am 27. Mai 2008 um 13:40 | Link
@Björn Grau: Lob2.0? ;-)
Kommentar von Julie Paradise am 27. Mai 2008 um 15:53 | Link