Vorsicht vor “klaren Ansagen”

Klare Ansagen sind beinah immer Absagen.

Absagen an das Begehren eines anderen, mir in meinen Willen hineinzureden. Absagen allerdings provozieren Ungemütlichkeit, ja Unfrieden, und um des lieben Friedens willen halte ich doch wieder den Mund. Gefährlich, gefährlich, und zwar beides; zu lange schweigen und dann doch noch herauszuplatzen. Wie in einer Schlacht riskiere ich damit, entweder den Gegner zu sehr erstarkt haben zu lassen oder bereits selbst so geschwächt zu sein, daß mir der Mut fehlt, noch einmal gegenzuhalten. Zwei Seiten einer rostigen Medaille, die Unterlegenheit heißt.

Wer hat schon Mut zur rechten Zeit?

Klare Ansagen wollen also wohldosiert sein, Scheinattacken, ohne letzte und zur Not erbitterte Konsequenz rächen sich bitter.

Aber wer weiß schon, ob er will, was wird?

Aus der Deckung kommen, sich eine Blöße geben, untergehen — kämpferische Begriffe, eigentlich zu laut für viele der Dinge, die ich doch gern einmal geklärt wissen möchte, aber, und das muß ein Frauending sein, doch immer noch hoffe, daß sie gar nicht angesprochen werden müssen, weil der- oder diejenige vielleicht von selbst merkt, was falsch läuft.

Manche werden es nie begreifen. Und stehen dann vor klaren Ansagen, die ja Absagen sind, wie versteinert, enttäuscht, wütend, verbittert, weil sie die leisen Töne nicht hören, nie gehört haben. Bei wichtigen Dingen komme ich meist leise daher. Dabei verlerne ich Mäuschen das Brüllen. Mit Fiepsstimmchen Vorgebrachtes verpufft, verlacht oder gleich ungehört.

Manchmal beneide ich Menschen, die mit der Faust auf den Tisch hauen und laut werden, so richtig laut und lauter noch, daß Ohren schlackern und Wände wackeln. Beeindruckendes Gebrüll, Tiger statt Kätzchen und Nein statt Ichwürdeliebernicht.

Mai 7, 2008 | In Soso | | TrackBack-URL

  1. mein dad bringt immer den spruch nach dem muster: da müssten mal ein paar tässchen kaputt gehen. das ist es, was xxx bräuchte.

    ich selbst versuch es eigentlich immer lieber auf die diplomatische schiene… was auch schon das ein oder andere mal für irritationen gesorgt hat (wenn du mir etwas sagen willst, mach das doch einfach. klare ansage bitte!). ;o)

    Kommentar von Pat Bateman am 07. Mai 2008 um 08:25 | Link

  2. Ich bin kein Freund von “wer zuerst und am lautesten rumpisst gewinnt”

    …Zeit zu wenig für sowas…manchmal stimmts aber schon.
    Leider.
    Beneide diese Menschen bitte nicht. Auch nicht manchmal.

    “Einen Satz trag in den Ohren,
    wer sich aufregt hat verloren”

    Kitsch.
    Vom toten Opa.
    Stimmen tuts trotzdem.
    (und mir hilfts. Ab und an. Nich immer. )

    Kommentar von Chris am 08. Mai 2008 um 19:13 | Link

Rock my Boat!