
Es gibt sie noch, die wahren Gentlemen, die Polizisten, die Freund und Helfer sind.
In Berlin tobt — wütet — nervt — herrscht — wird aus gutem Grund aber mit beschissenen Mitteln — ist — hatten wir nervt schon? lähmt noch immer der Streik der BVG die Stadt, so daß weder U-Bahnen, noch Busse oder Trams fahren. Nur die S-Bahn verkehrt brav, immerhin.
Nun will ich ja nicht immer darauf herumreiten, aber ich bin gerade schwanger, inzwischen aber sowas von, im 8. Monat kann man schon behaupten, ziemlich schwanger zu sein, also auch deutlich sichtbar, und da macht es sich nicht so schön, wenn ein Arztbesuch ansteht und die Tram nicht fährt. Die Entfernung zu dem Arzt, bei dem ich heute einen wirklich wichtigen Termin hatte, ist von daheim aus gar nicht mal so groß, eigentlich (von beinah Niederschöneweide aus die Wuhlheide hinunter nach Köpenick rein), uneigentlich strampelt es sich mit einem auf den Oberschenkeln hängenden Bauch (okay, ich übertreibe) aber nicht so gut. Fahrradfahren ist also doof, laufen ist noch blöder und für ein Taxi ist mir dann doch das Geld zu schade. Also das Fahrrad! Wann das letzte Mal benutzt und die benötigten Muskelgruppen angestrengt? Eben.
Die Straße An der Wuhlheide ist eine ganz miese Ecke für Fahrradfahrten, man hat praktisch immer Gegenwind und bei den derzeit noch wehenden Sturmböen hatte ich mich schon richtig auf die Hinfahrt gefreut, besonders nachdem ich seit gestern Abend 18.00 nüchtern bleiben mußte. Schlapp, untrainiert, schwanger, unterzuckert, aber mit Rückenwind (!) — habe ich des Karpaten pessimistisch geschätzte Fahrtzeit deutlich unterboten und bin in lockerlässigen 14 Minuten beim Arzt gewesen. Thaa! Is doch allet keen Problem, Schnecke!
Unangenehm war nur, daß der Selbstbetrugsversuch
Das regnet sich jetzt aus, wenn ich unterwegs bin, sind die Regenwolken dann alle leer!
irgendwie nicht gelang. Im Gegenteil, ich bin so dermaßen naß geworden, daß die Arzthelferin mir eine ihrer weißen Arbeitshosen aufnötigte, da ich gute zwei Stunden für den anstehenden Diabetestest in der Praxis bleiben mußte. Mit patschnassen Klamotten herumzusitzen ist ja auch eher ungesund.
Okay, Test gelungen, Patientin fröhlich und gesund, ein neues Foto vom Baby mit Daumen im Mund gab es auch noch, jetzt stand nur noch der Heimweg an. Kein Regen, also los!
Das mit dem Regen kann sich bei dem Wetter im Moment ja schnell ändern, und hey, wenn man Wettergott ist, kann man ja auch machen, was man will. Dachte sich die dunkle Macht und überfiel mich plötzlich nach einem Drittel der Strecke mit Platzregen, fiesem Gegenwind und unberechenbaren Sturmböen. Vielen Dank auch, schöne Scheiße!
Fräulein Paradies fluchte sich in die Hölle, kämpfte dennoch verbissen bis die Waden und der Bauch krampften und stand schließlich so gut wie still auf dem Rad, gegen den Wind gestemmt, in einer ausgebeulten, gerade so noch schließenden Windjacke, mit Rotze in der Nase und Tränen in den Augen, als
HELDEN KAMEN !!!
Helden in Uniform in einer großen Polizeiwanne, die erst an mir vorbeifuhren, wenige Meter vor mir stoppten, mich fragten, wo ich denn hinwolle und ob sie mich mitnehmen könnten. Es gibt Momente, da glaubt man an das Gute in der Welt, denn bevor ich wirklich antworten konnte, saß ich im Wagen, jemand hatte mein Fahrrad ebenfalls hineingehievt, und befand mich schon fast daheim. Haustürservice!
Sogar mein Fahrrad haben sie mir in den Keller getragen (”Das kann man doch in der Gegend nicht draußen stehen lassen, und schleppen sollten Sie das nicht mehr, Kindchen!”), dabei hätte es der Karpate wieder weggestellt.
Hach! Die Paradies-Polizei, stets zu Diensten für junge Damen in Not! Sachen gibt’s …
Das ist doch mal ein schönes Erlebnis. Tja, die Berliner Polizei ist auch nicht mehr das, was sie mal war…
Da freut man sich ja fast schon über die bezahlten Steuern ;-)
Kommentar von HR am 13. März 2008 um 14:57 | Link
Die Berliner Polizei ist ja quasi in der gesamten Republik für ihre Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft bekannt :D
Kommentar von Andy am 13. März 2008 um 16:31 | Link
Das ist ja wie bei Harry & Toto. Klasse. :)
Kommentar von Gorilippp am 13. März 2008 um 19:06 | Link
Die Polizei zeigt wenigstens Vernunft. Klar ist das Geld fürs Taxi teuer. Aber allein der Regen ist schon RIsiko genug. Kraftanstrengungen gegen den Wind sind nun wirklich nichts für dickbauchige Frauen.
Ansonsten gehört der Nasenrotz zum richtigen Sportmachen dazu. Das ist doch mal ne coole Nummer.
Kommentar von switchpack am 13. März 2008 um 21:59 | Link