Oben oder unten?

Welche Brötchenseite ist eigentlich leckerer?

Und darf das in einer Ehe überhaupt eine Rolle spielen?

Ich für meinen Teil würde die obere Hälfte bevorzugen, weil sie meist lockerer ist und im Idealfall mehr Innenteig enthält, der schön lange warm bleibt. Da treffen dann der heiße, dampfende Teig und die kühle Margarine plus Marmeladenschicht aufeinander, was ein wunderbares Genußerlebnis schafft.

Bei einigen Brötchen, und besonders wenn man Honig zum Frühstück essen möchte, ist dagegen die glatte Unterseite besser geeignet. Im Gegensatz nämlich zum meist schräg liegenden Oberteil erlaubt sie geruhsameres Essen mit mehr Obstnaschpausen zwischen den einzelnen Bissen. Man kann dann hin und wieder das Brötchen ablegen und versonnen an den Erdbeeren herumfingern, eine Kiwi essen oder gar Honigmelonenscheiben zwischen Schinkenstreifen einrollen, ohne daß dabei der halbe Honig hinterrücks vom Schrippchen flüchtet.

Der Karpate mag ebenfalls eher die lockere Oberseite, außerdem kauft er eher Brötchen mit „was drauf”, also Mohn-, Sesam- oder Käsebrötchen. Da ist es nur normal, daß er sich eher auf die Oberseite stürzt, und genau an diesem Punkt ergibt sich manches Mal ein Problem:

Nicht immer schaffe ich zum Frühstück ein ganzes Brötchen, während der Karpate beinah ausschließlich ungerade Mengen von Hälften verdrückt. Was bei mir mit der Zwischendurchimmerwiederobstnascherei (ganz zu schweigen vom Naschen beim Dekorieren der Frühstücksplatte) und leider weniger mit etwaig spatzenhaftem Appetit (ich kann zuweilen essen wie eine ausgehungerte Großfamilie) zu erklären ist, muß beim Karpaten handfeste psychische Ursachen haben. Organische Gründe sind hier auszuschließen, da es gänzlich unerheblich ist, wieviel er vorher, nebenher oder nachher noch ißt. Sobald eine ausreichende gerade Anzahl Brötchenhälften vertilgt ist (zwei oder vier), bekommt er diesen besonderen Blick, dem eines vollgestopften Katers nicht unähnlich. Dann folgt eine ritualisierte Unterhaltung, deren Ende wir so geschickt beinah alternierend zu variieren wissen, daß sie eben nicht im Steit endet.

(Man stelle sich einen sehr schnellen Wagen mit ausgesprochen schammiger Lenkung auf steilsten Serpentinen vor, eine enge Fahrbahn mit je einer Spur pro Richtung und so lautes Windgetöse, daß der zwar sporadische, aber doch vorhandene Gegenverkehr kaum vorauszuhören ist.)

Karpate: Schatz, magst du dann die andere Hälfte essen?
Julie: Welche denn?
Karpate (grinst mit Jungencharme): Die untere?
Julie (zögert)
Karpate: Die obere?
Julie: Nein, iß du ruhig die obere.
Karpate: Du kannst die auch haben, kein Problem.
Julie: Nö, ist schon in Ordnung.
Karpate: Wirklich?
Julie: Ja.
.
.
.
. . . Äh, also wenn es dir wirklich nichts ausmacht …

Karpate: Ach so, hhmpf, na wenn du jetzt doch …
Julie: Oder nee, muß auch nicht.
Karpate: Du weißt auch nie, was du willst.
Julie: Brötchen, die aus zwei Oberseiten bestehen, wenn ich nicht gerade Honig essen möchte.
Karpate (leicht genervt): Ja und?
Julie: Gib mir einfach irgendeine.
Karpate: Grmmpf.
Julie: Gib mir die untere.
Karpate: … damit du am Ende vielleicht bockig bist?
Julie: So wichtig ist das nun auch nicht.
Karpate: Merk ich gerade.
Julie: Eingeschnappt?
Karpate: Nö, aber hungrig. Also wat is’ nu’?
Julie (in meinem Kopf rattert es: „Was möchte ich denn jetzt noch essen? Was für ein Brötchen ist es? – Die Käsebrötchenoberseite schmeckt oll, aber Mohn …? Hätte ich das nicht vorher überlegen können? Ist er jetzt vielleicht wirklich sauer, wenn ich die obere Hälfte haben will? Wie weit kann ich gehen? Und warum kann ich nicht schneller denken?”) Naaaa, dann –
Karpate: Hier, nimm die (reicht mir die leckere obere Hälfte eines Mohn(!)brötchens)! Iß mal noch was mehr dazu, Schatz!

Das sind dann die Momente, in denen ich mir – um den Bogen nicht zu überspannen – Triumphgeheul wie zu einem Golden Goal verkneifen muß und stattdessen nur mit meinem süßesten Lächeln sage:

Dankeschön!

Februar 26, 2008 | In Soso | | TrackBack-URL

  1. Oje … Das klingt ja schwer nach Loriots Zitronencremebällchenproblem. :-)
    Ich fühle mich nach so einem (gewonnen) Handel immer nicht so gut irgendwie. ;-)

    Kommentar von Tina am 26. Februar 2008 um 16:58 | Link

  2. Falsche Schnitttechnik. (

    Kommentar von corax am 26. Februar 2008 um 20:22 | Link

  3. Falsche Schnitttechnik. ( Was sieht besser aus? Reformiert oder Traditionell?)
    Wenn das Brötchen, die Semmel, die Schrippe, [...], vor einem liegt, (idealerweise auf einem Schneidebrettchen), die Klinge vertikal statt horizontal führen und die Teilung an der schmaleren Seite vornehmen, also die Schnittfläche möglichst gering halten.
    Das Ergebnis sollte dann aus zwei annähernd gleichwertigen Hälften bestehen.
    Die taugen dann zwar beide nicht für den unterbrechungsfreien
    Brötchen-mit- Honig-Genuss aber verhindern frühmorgendlichen Beziehungsstress.

    Glück auf! :-)

    Kommentar von corax am 26. Februar 2008 um 20:23 | Link

  4. Genau: Freundin und ich schnippeln nach Nörgeleien und Schippeziehen die Schrippen immer vertikal und dann für jede nochmal horizontal zum tollen Belegen/Beschmieren.

    Kommentar von schtoeffie am 29. Februar 2008 um 08:53 | Link

Rock my Boat!