Es gibt Menschen, die behaupten, Liebe und Haß wären nicht zwei Gefühle, sondern eines, ein einziges, mit umgekehrten Vorzeichen.
Wenn man jemanden wirklich liebt, dann haßt man ihn gleichzeitig auch, so demnach die Definition. Zwei Extreme, Regen oder Sonnenschein, satt und hungrig, schwarz und weiß. Zwei Pole, zwei Seiten der Medaille, der Januskopf.
Ich gestehe: Dieses Konzept werde ich nie begreifen. Es gibt nur Entweder — Oder für mich. Wenn ich jemanden liebe, oder auch nur mag, dann bin ich sehr weit davon entfernt, dauerhaft Gefühle wie Abneigung, Abscheu oder Haß ihm gegenüber entwickeln zu können. Einzelne Handlungen mag ich verurteilen, nicht nachvollziehen können oder kopfschüttelnd mitansehen müssen, aber insgesamt läßt sich ein einmal gefaßtes Gefühl der Zuneigung nicht so leicht töten. Und selbst wenn dies geschieht, schlägt es nicht Haß um. Es erkaltet oder bleibt unausgelebt, was es einst war verkümmert vielleicht und macht traurig wie eine verwelkte Blume, aber Haß? Wird dieses Wort — nicht das Gefühl! — nicht zu unbedacht gebraucht?
Wer mir erklären will, daß große Liebe immer auch in Haß umschlagen kann, macht mich frösteln. Da ist ein Abgrund, etwas Monströses, Lauerndes, was ich gerade nicht mit Liebe verbinden kann. Etwas, mit dem man dann immer rechnen muß, dabei ist es doch gerade das Vertrauen, mit dem geliebten Menschen und bei ihm immer sicher zu sein, aufgehoben, beschützt. Und: Wie kann jemand, der beides zusammendenkt, sich dann noch fallenlassen, jemand anderem vertrauen und sich öffnen, wenn er gleichermaßen stets die Möglichkeit anerkennt, verletzt werden zu können.
Das werde ich wohl nie verstehen.
Den Drang, diese beiden gegensätzlichen Dinge in eine Theorie packen zu wollen, verstehe ich auch nicht. Aber ich verstehe auch nicht, warum Liebe und Hass überhaupt so oft in Extremen genannt werden. Es gibt doch Stufen zwischen allen Farben.
Kommentar von Manniac am 19. Februar 2008 um 16:18 | Link
ich glaube dieser ansatz bezieht sich darauf das liebe wie haß sich in der intensität des sich auf den anderen beziehens gleichen. sie sozusagen funktionaläquivalent sind in ihrer gegensätzlichkeit.
kennst du das nicht, es gibt menschen die kann man nur lieben oder haßen, ein mittlerer abstand ist nicht möglich zu ihnen. weil du entweder bekommst was du von ihnen willst oder abgewiesen,verletzt und weggestoßen wirst.
eben weil sich öffnen immer das risiko der verletzung birgt ist ein umschlagen des gefühls von liebe in haß hier strukturell, ich trau’s mich fast gar nicht sagen dialektisch, angelegt.
Kommentar von westernworld am 19. Februar 2008 um 16:29 | Link
Wer behauptet denn sowas? Hab ich noch nie gehört und stimmt auch nicht - find ich!
Kommentar von robert am 19. Februar 2008 um 16:58 | Link
hm, aber stell Dir vor, Du streckst in Deiner Liebe Deinem Liebsten dein Herz hin, in deinen Händen. dein kleines, verletzliches, pulsierendes Herz, dein ein und alles. Und jetzt stell dir vor er nimmt es, streichelt es und hält es warm und fängt dann an zu drücken. Mit einem fiesen Grinsen im Gesicht. Drückt und beißt und kratzt, und quetscht, bis das Herz nur noch aus roten Fetzen besteht und spießt es im vorbeigehen auf einen Gartenzaunpfahl auf. Neben zehn anderen. Und lacht dabei. Wie dumm Du doch warst und wie einfach. Wie unglaublich bescheuert, zu glauben, er könne sich geliebt haben. er könne dich gemocht haben. Er hat dich nur benutzt.
kannst du dir da nicht wenigstens ein bisschen vorstellen, wie Liebe in Hass umschlagen kann?
Kommentar von Ani*ka am 19. Februar 2008 um 17:30 | Link
War es dann Liebe?
(Ich fang fast an zu weinen bei Deiner Schilderung, da wird einem ja ganz anders bei.)
Kommentar von Julie Paradise am 19. Februar 2008 um 17:32 | Link
das kann doch bestimmt liebe gewesen sein. nur eben mehr von einer seite. bzw. auf der anderen ist es dann gleichgültigkeit geworden.
Kommentar von Ani*ka am 19. Februar 2008 um 18:08 | Link
ich bin zwar nicht sicher, ob es mir je so ergangen ist (wie definiert man “hass”? ab wann weiß ich, daß ich jemanden nun “hasse”?)… aber ich kann es verstehen, wenn bei menschen liebe (im grunde die gleichen frage wie zu hass…) nicht in völlige indifferenz umschlägt, aus welchem grund auch immer. sei es nun trauer, verzweiflung oder eben hass…
beide sind auf jeden fall extrem an eine projektionsfläche gebunden und unterscheiden sich ansonsten eben durch das jeweilige vorzeichen…
trotzdem glaube ich nicht, daß sie automatisch gleichzeitig bestehen müssen… aber das umschlagen, von einem extrem in das andere, das geht oft anscheinend recht leicht.
Kommentar von Pat Bateman am 19. Februar 2008 um 18:22 | Link