Shake it, Baby!

Klack-klack-klack.

Der Karpate sammelt Figuren aus Überraschungseiern. Leidenschaftlich und mit der Zielstrebigkeit desjenigen, der sich in seiner Kindheit nie so hat austoben dürfen, wie er es wohl gewollt hat. So, und nur so, entstehen die Süchte, die uns durch unser weiteres Leben begleiten.

Klack-klack-klack.

Der Karpate sammelt also Ü-Ei-Figuren, und jedes Kind weiß, wie man diese am besten findet: Schütteln!

Klack-klack-klack. Klack-klack-klack. Klack-klack-klack.

Man kann natürlich den Grundstock einer Sammlung der aktuellsten Figuren am besten damit legen, daß man die ersten Promotionpakete kauft, die meist aus Sechser-, Achter- oder Zwölferpacks bestehen, in denen eine bestimmte Anzahl Figuren garantiert ist, dazu gehört meist auch ein Aufstellerchen, im Falle der Asterix-Seefahrt-Figuren ein Boot oder ein Fußballfeld, wenn es wie jetzt gerade wieder um Fußballfiguren geht. Da dort oft aber immer die gleichen Figuren hineinverteilt sind, beginnt an diesem Punkt die eigentlich Arbeit des Sammlers.

Shake-a-delic!

Die Sußermärkte der näheren Umgebung werden abgeklappert. Besonders erfolgreich ist die Suche in großen Märkte mit hoher Kundenzahl, denn dort nehmen viele einfach mal ein Ü-Ei mit, für die Enkel, für die Kinder, für liebe Freunde. Schütteln und rütteln tun dort die wenigsten, auch die Zahl der Kinder, die in den Regallabyrinthen herumwuseln, ist gering. Meist ist es auch zu laut, um effektiv schütteln zu können, aber der Karpate läßt sich von nichts aufhalten und plant seine Raubzüge äußerlich mit großer Gelassenheit, aber innerlich, innerlich brennt er!

Shack-a-lacka!

Nachmittags sind das Geschäft und die Mühen des Ü-Ei-Schütteln durch den Lärmpegel beinah vergeblich, außerdem besteht ja noch die Möglichkeit, die alte Mär, man könnte die Figuren erschütteln und an Gewicht und Klang erkennen, als Wahrheit zu verraten. Denn bei den aktuellen Fußball-Schnipp-Figuren kann man dies tatsächlich: Im Fuß der Figur ist eine Feder eingebaut, die ein deutlich unterscheidbares Geräusch erzeugt!

Das ist die Chance!

Shack-a-licious! Whooohooow!

Seit zwei Wochen ist Unruhe ausgebrochen beim Karpaten: Nachmittags gehen wir einkaufen, checken die Lage und schauen nach, ob neue Dispenser aufgestellt sind, abends dann, gegen 21.15, wenn kaum noch jemand im Markt ist, ziehen wir los. Er steuert auf die Kinder-Paletten zu, ich nehme einen anderen Weg durch den Supermarkt, lasse die Eistheke hinter mir, bediene mich beim Limo-Pröbchen-Stand und nehme auch einen Becher für den Karpaten mit, passiere die Biermeile und greife mir einen der immer herumstehenden leeren Flaschenkästen. Diesen stelle ich neben dem Karpaten und den Paletten auf, setze mich umständlich (ich kann mir derzeit nur noch umständlich setzen), nehme dem Mann Jacke, Schal und Rucksack ab und los geht’s:

Shake it, Baby!

Systematisch, ein Ei nach dem anderen, wird durchgeschüttelt, links, rechts, links am Ohr vorbeigeführt, und auf eine der drei extra gestellten 24er-Plastik-Eierschalen gelegt: Keine Figur — nochmal schütteln — Figur! So geht das dann rund eine halbe Stunde lang, ungefähr die Kampfzeit, die der Karpate durchhält. Denn die Arme ermüden und die Konzentration läßt nach, da hilft auch die beste Limo nichts mehr. Die verständnisvolle Ehefrau sitzt daneben und lächelt ermutigend, sobald soch erste Anzeichen von Schwäche zeigen, mehr helfen kann und darf ich leider nicht. Aber ich bin da, das ist wohl das wichtigste. Vorbeikommende Kunden, die befremdet oder belustigt schauen, werden mit fröhlichen Blicken weitergeschickt, bisher hat noch kein Erwachsener gewagt, dem Karpaten bei seiner Arbeit in die Quere zu kommen. Nur ein kleiner Junge stand einmal ungläubig neben uns und fragte, was er da tut. Oh, armes Kind, zu unserer Zeit kannte jedes Kind den Schütteltrick! Der Karpate gab ihm eines des Eier, die mit ziemlicher Sicherheit eine Figur enthielten und dazu einen Euro, grinste ermutigend und wandte sich dann wieder seiner Aufgabe zu. An diesem Abend fanden wir sieben Figuren in zwölf Eiern, an anderen Abenden lag seine Erfolgsquote bei 100%, da schüttelte er solange, bis nur je zwei oder drei Eier übrigblieben, die Manni Manndecker oder einen seiner Kameraden enthielten.

Boom-shack-a-lack-a! Yeeehaaaw!

Ich glaube, wir bekommen dort bald Hausverbot.

Februar 18, 2008 | In Soso | | TrackBack-URL

  1. 06.03.2008 - Julie Paradise — Wanted: Michi Mauerdicht
  2. 29.04.2008 - Julie Paradise — Armee der Freude
  1. Und wer isst dann diese ganze Schokolade?

    Kommentar von Saint am 18. Februar 2008 um 18:13 | Link

  2. ;O

    (Will meinen: Ich.)

    Kommentar von Julie Paradise am 18. Februar 2008 um 18:25 | Link

  3. das erinnert mich doch an unser wahnsinniges ü-ei-orakel in der heavy metal kneipe, als wir vorher noch über die buntstiftfiguren sprachen (die mir immer so selten vorkamen) und ZACK war eine in deinem ei. also ü-ei.

    Kommentar von nilz am 18. Februar 2008 um 18:59 | Link

  4. Hattest Du geschüttelt vorher?

    Kommentar von Julie Paradise am 18. Februar 2008 um 19:04 | Link

  5. nein, natürlich nicht, nur gehofft! das war doch das tolle!

    Kommentar von nilz am 18. Februar 2008 um 20:37 | Link

  6. Seit ich die Ü-Eier-Sammelzeit hinter mir gelassen habe und im erwachseneren Alter die Freude an dem Zusammenbauzeugs entdeckt habe, greife ich unbewusst zielsicher nur Eier mit Figuren raus. Von wegen nur in jedem siebten Ei, bei mir stecken die Biester in jedem.

    Guter Trick aus alten Figurensammelzeiten: Die Eier auf der Obst-und Gemüsewaage abwiegen. Die mit Figur sind schwerer (oder waren es zumindest damals noch). Nebeneffekt: seltsame Blicke der Umstehenden, aber das kennt ihr anscheinend ja schon.

    Kommentar von talvenlapsi am 19. Februar 2008 um 17:16 | Link

  7. Das stimmt leider nicht mehr, daß man die Eier mit Figuren am Gewicht erkennt, zumindest nicht bei allen Serien. ;-(

    Kommentar von Julie Paradise am 19. Februar 2008 um 17:25 | Link

Rock my Boat!