Die klassische Kleinfamilie

Vater - Mutter - Kind

kenne ich aus eigenem Erleben gar nicht. Daher sind mir Horrorszenarien anderer von der (vermeintlichen) Spießigkeit dieser Lebenskonstellation unverständlich. Bei uns gab es meine Mutter, meine Schwester und mich. In diesen Dreierkreis aus Mädels hat sich einmal ein sogenannter Lebensgefährte einschleichen können, der dann aber auch schnell wieder verschwand. Klischees über das Zusammenleben mit einem Mann kenne ich nur aus dem Fernsehen oder von Freunden, die einen Vater hatten, der sogar (!) bei ihnen lebte.

Vielleicht liegt es in dieser Abwesenheit eines Vaters im Alltag begründet, daß mir mein Schwiegervater jahrelang beinah wie ein fremdes, gefährliches Wesen erschien, das ab und an laut poltert und grummelt. Außer mir schien das niemanden weiter zu interessieren, aber ich kannte so etwas ja nie: Einen Mann im Haus, der mitunter glaubt, er wäre der Chef vom Ganzen. Inzwischen beeindrucken mich seine (insgesamt doch recht freundlichen) Ausbrüche auch kaum noch, aber dazu hat es an die fünf Jahre gebraucht.

Wenn der Karpate und ich nun also beschlossen haben, unser Zusammenleben durch Heirat und Kind zu (und jetzt fehlt das Verb. Vorschläge vielleicht in die Kommentare. Alles, was mir einfällt, ist bereits so wertend: krönen - pathetisch, sanktionieren - unnötig, in solchen Kategorien denke ich nicht und eine Erlaubnis brauchten wir auch nicht, zieren - Heirat als Kirsche auf dem Kuchen? siehe sanktionieren, beschließen - klingt wie: beenden, beleben - auch die Notwendigkeit dazu würde ich bestreiten, man sieht: Verben finden ist schwer.), dann ist das für ihn das Normalste von der Welt, denn in seiner Familie gab es nie große Mißklänge, die zu einer Abneigung gegen das Familienleben hätten führen können. Und bei mir gab es gar nichts davon, nicht einmal die Sehnsucht danach, so zu leben. Es war so, wie es war und nun ist es so, wie es eben ist.

Wenn man in einer Kleinstadt aufwächst, in der die Nachbarn tuscheln, weil uneheliche Kinder und “wildes Zusammenleben” undenkbar sind und zum Skandal führen, mag all das anders sein, mir fehlt für diese Art Denken der Hintergrund. Und mir fehlt die vom Graubrot lange angekündigte Betrachtung des Themas. Da wollte er nämlich “schon lange” was zu machen, seine Sicht der Dinge fällt dann bestimmt weit ausführlicher aus. Ich bin gespannt.

Januar 29, 2008 | In Soso | | TrackBack-URL

  1. legitimieren. zementieren. entschlampen.

    Kommentar von Don Alphonso am 29. Januar 2008 um 20:58 | Link

  2. (letzteres ist die bavarian smalltown edition)

    Kommentar von Don Alphonso am 29. Januar 2008 um 20:59 | Link

  3. Und welches Verb paßt dann in meine Welt? Es müßte schon ein positives sein, allerdings ohne zu glorifizieren oder andere Konzepte abzuwerten.

    Kommentar von Julie Paradise am 29. Januar 2008 um 21:10 | Link

  4. manifestieren?

    Kommentar von Penispatriot am 29. Januar 2008 um 21:57 | Link

  5. zu politisch.

    Kommentar von Julie Paradise am 29. Januar 2008 um 22:04 | Link

  6. feiern.

    Kommentar von Ani*ka am 29. Januar 2008 um 22:43 | Link

  7. “erweitern” find ich passend … manifestieren, legitimieren etc. schreibst du, besteht keine notwendigkeit, also ists doch das, es kommt einfach was dazu zu dem, was schon da ist.

    Kommentar von bloggediblog am 30. Januar 2008 um 09:54 | Link

  8. vervollständigen

    Kommentar von Lars am 30. Januar 2008 um 10:15 | Link

  9. erweitern ist gut. vervollständigen hatte ich auch angedacht, aber wir sind ja komplett, quasi, außer daß es vielleicht noch mehr kinder werden irgendwann.

    aber ich sehe, die problematik ist klar, weil die meisten gängigen verben irgendwie schon zu sehr in eine bestimmte richtung gehen.

    Kommentar von Julie Paradise am 30. Januar 2008 um 11:32 | Link

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