Vielleicht sind Stalker ja die wahren Idealisten, was die Vorstellung von der möglichen Schönheit eines Frauenkörpers angeht. Immerhin hat das (grundlos) fanatische Verliebtsein ja neben der psychopathologischen auch eine sexuelle Komponente, die widerum oft sehr darauf drängt, der Angebeteten auch körperlich nahe zu sein. Das aber setzt voraus, daß das Objekt der Begierde als schön oder zumindest anziehend empfunden wird — was in den allermeisten Fällen wohl gleichzusetzen ist.
Wie schon Lenny_und_Karl letztens so wahr schrieb, sieht die Realität leider meist anders aus. Vielleicht gilt dies nicht für die Kreise, in denen sich die Reichen und Schönen die Näschen wegkoksen und dabei entweder auf ewig schlank und sexy bleiben oder mit Ende zwanzig Selbstmord begehen (oder heiraten und brav werden, möchte an dieser Stelle vielleicht ein gewisser Herr einfügen), aber für die Menschen, die ich kenne, ist der Blick in den großen Spiegel nicht nur von Freudenschreien begleitet.
So müssen also die meisten von uns mit frühen Fältchen, Röllchen, grauen Härchen und schlaffen Bäckchen zurande kommen, die durch die dämliche Verniedlichungsform beileibe nicht weniger ätzend und schwer zu ertragen sind. Aber bis zum Zeitpunkt der völligen Resignation gilt: Lang lebe der Diminutiv! Ab dem Moment der realistischen Wahrnehmung der äußeren Erscheinungsform des eigenen Körpers erfolgt dann entweder der völlige ästhetische Zusammenbruch (wie andes als mit diesem Zustand der Katatonie ist denn die typische Erscheinung des häßlichen Touristen erklärlich?) oder der Eintritt ins Nirvana. Menschen, deren Gedanken sich nicht mehr nur um die Schönheit ihrer sterblichen Hülle bewegen, haben dann mehr Kraft und Zeit für andere. Leider denke ich boshafterweise sofort an unrasierte Ökotrutschen. Ungewaschen ist der nächste Gedanke. Aber man hat mir heute schon gesagt, ich sei böse, und tatsächlich, meine Stimmung ist dazu gemacht, mit stinkenden Schlammbrocken zu schmeißen. Immer feste druff!
Jedenfalls (… ist beim Aal der Kopf dicker als der Hals. Ein Sprichwort, welches mein Opa stets an das Wörtchen jedenfalls anzuhängen pflegte, und ich gedenke, diese Familientradition weiterzuführen. Ehrlich gesagt kann ich es mir auch gar nicht mehr abgewöhnen, dies nicht zumindest immer dazu zu denken.) ist die Vorstellung der meisten Männer von der Schönheit ihrer Liebsten beinahe rührend naiv. Es mag Damen geben, wo die kühnsten Träume von Kurven und Fleisch und der richtigen Mischung aus zart und kräftig wahr werden, aber das dürften doch die wenigsten sein.
Und so sollten wir Frauen lernen zu schweigen von unseren Fehlern, der abendlichen Erkenntnis, daß zwei in die Hose gestopfte Unterhemdchen böse böse Knitterfalten produzieren und die Hosentaschen am Po sitzbedingt stundenlang wiederzuerkennen sind, daß wir morgens beinah immer aussehen, als hätte die Nacht nicht acht sondern zwei Stunden Schlaf plus Kampf mit dem fiesen Kater gehabt und daß Frauenhaare am Morgen einfach nur grauenvolle Borsten sind. Lassen wir sie alle in dem Glauben, wir wären auch nackig stets so hübsch, wie es unsere Formen unter der Kleidung vielleicht noch versprechen und genießen die Komplimente und das Begehren der Ahnungslosen. Manche dieser Ahnungslosen sind auch nur Furchtlose, die eigentlich wissen, was sie erwarten könnte (Cellulite sieht man meist nicht durch Hosen hindurch, aber ein weibliches Wesen über 15 ohne zu erwischen gilt wissenschaftlich als beinah ausgeschlossen. Und schließlich: Wozu gibt es Photoshop?) und es trotzdem immer weiter versuchen. Flirten wir mit ihnen und genießen. Still, so wie es früher die Kavaliere taten.
Das nur nochmal dazu.
Liebe macht blind. Muss was dran sein, sonst wären wir schon ausgestorben.
Kommentar von EffZeh am 25. Januar 2008 um 14:19 | Link
nein, stalker sind keine idealisten. das ist ein romantisches bild, was so nicht stimmt, da sie ihre opfer auch sehr oft beleidigen, wissen sie um die realität und das entsetzt sie vielleicht ein ums andere mal. und ich kann das deswegen sagen, weil ich mit vielen spezialisten darüber gesprochen habe und es selbst erlebt habe.
liebe, überbordende blinde liebe ist was anderes, etwas komplett anderes als stalking, liebe julie.
Kommentar von sunny am 25. Januar 2008 um 14:43 | Link
Julie sagt, der muß:
Warum kriegen Männer keine Cellulitis? - Weil’s scheiße aussieht.
Kommentar von schneekoenigin am 25. Januar 2008 um 14:49 | Link
und zudem ist es kein grundloses verliebtsein, denn die meisten stalker sind abgewiesene ex-freunde. das ist gekränkte eitelkeit, die in überpitzter form ihre ausuferung findet.
Kommentar von sunny am 25. Januar 2008 um 15:07 | Link
“Flirten wir mit ihnen und genießen. Still, so wie es früher die Kavaliere taten.” Im übrigen ein Hohn - aufs Stalking bezogen.
Kommentar von sunny am 25. Januar 2008 um 15:21 | Link
Ich wollte ja nur darauf hinaus, daß Menschen (meist Männer), oft etwas in Frauen sehen bzw. ihnen körperliche Anziehungskraft andichten, die diese realistisch gesehen gar nicht besitzen. Und ein wenig gepöbelt habe ich außerdem.
Man kann das Thema Stalker, wie soviele andere Themen auch, etwas leichter nehmen oder, vielleicht weil man selbst einmal ernsthaft betroffen war, gleich äußerst ernsthaft auffassen. Dann sind Stalker natürlich Personen, die einem das Leben zur Qual machen und zur Bedrohung werden können.
Versteht man Stalker halb scherzhaft als etwas verbissenere Verehrer, die nicht so schnell wahrhaben wollen, daß man gar nicht das perfekte Wesen ist, welches sie in einem vermuten, wird das Wespennest schnell zur Pappekugel.
Wenn ich nun damit ein Opfer eines echten Stalkers verletzt haben sollte, tut es mir leid, aber … aaaber jedes Wort dreimal hin- und herzuwenden, macht es schwer, noch halbwegs flüssig schreiben zu können. Man kann eben alles so oder so oder miß-verstehen.
Kommentar von Julie Paradise am 25. Januar 2008 um 16:01 | Link
nee schneekönigin, tut mir leid, mir ist nicht nach lachen. aber egal. soll jeder selber wissen bzw. glauben, wie die welt aussieht. im übrigen würde ich mal wieder gerne auch andere stadtbezirke von berlin sehen, als den, in dem ich wohne. oh romantische liebe tralalalala.
Kommentar von sunny am 25. Januar 2008 um 16:01 | Link
wenn du von psychopathologischer komponente sprichst, dann klingt das nicht nach leichtigkeit. der erste absatz ist dem thema gewidmet. und er ist falsch. alles andere ist ein schöner text. aber der erste absatz hat mit dem rest überhaupt nichts zu tun. - in meinen augen. wenn du das anders siehst - bitteschön.
Kommentar von sunny am 25. Januar 2008 um 16:05 | Link
Psychopathologisch – im Sinne von verquere, verdrehte Wahrnehmung der Wirklichkeit, die ins Krankhafte gesteigert sein kann, was dann als ernsthaftes Stalking zu bezeichnen ist.
Wo aber fängt das Krankhafte an und wer verbiegt sich nicht hin und wieder die Wirklichkeit so, daß sie besser zu ertragen ist?
Richtige (gemeint: böse, aber was ist das schon wieder für eine Kategorisierung?) Stalker leben in ihrer eigenen kleinen Welt und verletzen die, die sie angeblich lieben, aber aus ihrer Perspektive: Was ist wahr? Und was ist wahrer?
Und ist nicht das Bild, das jemand von mir hat, genauso echt oder falsch wie das eines anderen, laß es mein eigenes sein? Sieht mich jemand weniger genau, wenn er mich überhöht oder erniedrigt?
Und was ist mit Halluzinationen, Dingen, die ich in Wolken sehe, Assoziationen, die ich mitteile und dafür von anderen manchmal verlacht oder schräg angesehen werde – wo endet die Phantasie und beginnt der Wahn?
Vielleicht ist meine Art, immer tausend Sachen aus verschiedensten Assoziationen zusammenzudenken und zu schreiben mißverständlich, und wie gesagt, ich möchte weder etwas verharmlosen noch jemanden verletzen, aber eine der Schwierigkeiten im Verfassen von Texten kann auch allzugroßes Abtasten nach allen Seiten sein, denn dann kann man irgendwann gar nichts mehr schreiben. Ich möchte schon ernstgenommen werden, aber einzelne Aspekte herauszugreifen und den Text zu sezieren nimmt auch gewisse Freiheiten, und sei es die, mal etwas grober in der Darstellung zu sein oder schlicht und einfach nicht recht zu haben. Es gibt große und kleine Dinge und wichtige und unwichtigere. Die Bewertung bleibt natürlich jedem selbst überlassen …
Kommentar von Julie Paradise am 25. Januar 2008 um 16:20 | Link
Nein, ich mag deine Art zu schreiben, das ist es nicht. Aber es ist einfach ein weit verbreiteter Irrtum, das Stalker nicht wissen würden, was sie tun. Natürlich gibt es auch verschiedene Arten von Menschen und jeder Wahn ist anders und persönlich geformt. Aber sie verletzen absichtlich und dies aus egoistischen Gründen, nicht weil sie jemanden lieben. Sie sind verletzt, gekränkt und der Liebeskummer ist keiner mehr, wenn das Stalking beginnt. Dann ist auch die Liebe weg. Sie wollen kontrollieren und wenn man jemanden liebt, kontrolliert man ihn nicht.
Kommentar von sunny am 25. Januar 2008 um 16:29 | Link
“Und ist nicht das Bild, das jemand von mir hat, genauso echt oder falsch wie das eines anderen, laß es mein eigenes sein? Sieht mich jemand weniger genau, wenn er mich überhöht oder erniedrigt?”
Das sind alles Fragen die ich mir damals beantworten konnte und erstaunlicher weise hat er mich richtig gut einschätzen können, vermutlich weil er alle facetten der bilddarstellung abgegrast hat - von absoluter überhöhung bis zur letzten dreckigsten erniedrigung - ernsthaften morddrohungen und da hört endgültig der spaß auf, weil es nämlich kein buch von nabokov war sondern mein eigenes leben.
Kommentar von sunny am 25. Januar 2008 um 16:46 | Link
Die eine Frau, die ich kenne und die heftig anonym gestalkt wurde (Telefonanrufe zu jeder Tages- und Nachtzeit, Briefe, alles mit Drohungen verbunden, sie solle sich von ihrem Freund trennen, sonst passiert was, auch ihr Bekanntenkreis wurde gestalkt), ist nicht nur attraktiv und das mit über 40, sondern auch besonders nett. (das gab wohl eher den Anlass)
Es dauerte bestimmt 2 Jahre, bis die Polizei herausfand, dass es sich um ihren (älteren und ich glaube, sogar verheirateten Chef handelte. Sie gab die Arbeit natürlich auf. Glücklicherweise war sie nicht lange arbeitslos.
Mit 15 hatte ich noch keine Cellulitis. Und auch heute nichts in der Richtung, was mich stören würde. Ich sehe eigentlich überall nur hübsche Frauen in jedem Alter. Aber vielleicht liegt das an meiner Einstellung. Ich finde nämlich, dass nur Menschen mit einem miesen Charakter abstossend sind, selbst dann, wenn sie vielleicht sogar fotogen sind.
Kommentar von loreley am 26. Januar 2008 um 08:49 | Link
>>Man kann das Thema Stalker, wie soviele andere Themen auch, etwas leichter nehmen
Ja, klar, kann man. Genauso wie man das Thema “Vergewaltiger” auch etwas leichter nehmen kann. Können kann man vieles.
Aber dann bitte nicht wundern, wenn Dir da die Gegenargumente (zu Recht) um die Ohren pfeifen. Stalking hat wie Vergewaltigung überhaupt nichts mit dem Aussehen oder “Herrichten” des Opfers zu tun. Es geht hierbei rein um Machtausübung durch den Stalker oder Vergewaltiger.
Wenn das Liebe sein soll…
Kommentar von FRA am 30. Januar 2008 um 14:42 | Link