Weil ich nämlich nicht mehr auf dem Bauch liegen kann. Und nur auf dem Bauch liegend kann man so richtig schön schmökern.
Ordentlich lesen kann ich zwar noch, für wenige Stunden, am Schreibtisch, aufrecht sitzend, hochkonzentriert und mit einem gespitzten Bleistift in der Hand. Aber immer öfter muß ich hinterher die Füße hoch- oder mich hinlegen, wegen schwanger und schwere Beine und Rückenschmerzen und Bauchdrücken. Hätte ich das gewußt … hätte ich nichts anders machen wollen.
Aber daß ich nicht mehr gemütlich im Bett liegen und lesen kann, auf dem Bauch, über Stunden und Stunden, aufgestützt auf jahrzehntelang gestählte Ellbogen (ich creme sie jeden Tag ein, habe aber seit ich lesen lernte dort Hornhaut), das trifft mich hart. Und jetzt komme mir keiner mit “Auf dem Rücken geht es doch auch” oder “Und was ist mit der Seite?” — das ist alles nicht das Wahre. Auf dem Rücken liegend zum Beispiel fallen einem nach wenigen Minuten die Arme ab vom Buchhochhalten, das ist also nichts, und wenn ich auf der Seite liege, verschiebt sich die Brille, bis sie mir böse ins Gesicht quetscht und ich entweder fürchterliche Schmerzen erleide oder Wutanfälle bekomme, weil sie ganz zerdrückt ist und ich nichts mehr sehen kann. Nachts trage ich nämlich Brille, denn nur mit Brille, abgeschminkt und gänzlich aller Tagestünche entledigt, läßt es sich so richtig entspannt lesen. Irgendwann fangen einem schließlich auch mit den besten Kontaktlinsen die Augen an zu tränen.
Das gehört nämlich zum Lesen auf dem Bauch auch unbedingt dazu: Im Bett liegen. Ich könnte mich ja auch auf das Sofa setzen, lümmeln, lehnen, aber egal wie ich mich dort plaziere, lange halte ich die verschiedenen Stellungen nicht aus, irgendetwas stört dort immer, und sei es der Karpate oder das Telefon. Sage ich aber “Ich gehe jetzt ins Bett, ich lese noch ein bißchen”, sei es auch erst 19.00 und ich lese auch um 23.30 noch, dann wissen wir beide: Der Tag ist vorbei, es ist Zwischenzeit, ich krieche höchstens nochmal kurz aus dem Bett weil ich muß oder lasse mir einen Gutenachtkuß geben und die Decke aufschütteln, wenn ich möchte.
Ich kann gar nicht ausdrücken, wie sehr es mich verstört, daß diese jahrelang geübte Routine nun nicht mehr funktioniert, nur weil ich nicht mehr auf dem Bauch liegen kann. (Nebenbei bemerkt: Auf dem Bauch schlafen kann ich nicht mehr, seit ich auch nur ansatzweise wie eine Frau aussehe, aber man schläft ja auch nicht mit ausgefahrenen Ellbogen, falls man versteht, was ich meine …)
Naja, wie immer sind es Kleinigkeiten, die den großen Wandel ankündigen.
Gewöhn dich dran, die nächsten 3-8 Jahre kommst du sowieso nicht mehr zu lesen:)
Kommentar von Jonas am 28. Dezember 2007 um 13:11 | Link
Har har har. Äh … der war gut! (So schlimm wird es schon nicht, hoffe ich.)
Kommentar von Julie Paradise am 28. Dezember 2007 um 13:53 | Link
Schlimmer ;)
Kommentar von robert am 28. Dezember 2007 um 17:42 | Link
Als ich letztens mit meiner Mutter über das Thema sprach, sagte sie, das sei alles halb so wild, man gewöhne sich schnell dran, und irgendwann sind Kinder auch erwachsen - und dann sah sie mich an, und sagte:
Naja.
Kommentar von Don Alphonso am 28. Dezember 2007 um 18:30 | Link
das macht nichts julie, durch den schlafentzug wirst du bestens unterhalten werden. denk an all die bunten delirien, tagträume und halluzinationen live und in farbe … deine phantasien werden sich auf wunschvorstellungen von ununterbrochenem schlaf beschränken. mit anderen worten bücher werden dein geringstes problem sein.
Kommentar von westernworld am 29. Dezember 2007 um 14:48 | Link
Na so ein Zufall!
Das Problem löst die: “leselotte”
/www.leselotte.com/
… hat meine Liebste auch, also das “Problem” und seit kurzem auch die Leselotte;-)
Kommentar von Wolfgang am 07. Januar 2008 um 12:39 | Link
oooh, das klingt prima! (ich wünsch es mir von mutti zu ostern ;-)
Kommentar von Julie Paradise am 07. Januar 2008 um 22:48 | Link