… ja, den Mutterpaß einfach durchkopieren!

Mein Arbeitgeber muß wissen, wann denn die Geburt ansteht, da ich ab der sechsten Woche vor dem errechneten Termin nicht mehr arbeiten darf. Mutterschutz nennt sich so etwas.

Ich lerne ja im Moment viele neue Wörter, Gefühle, Ängste und gesetzliche Bestimmungen kennen und ich mußte erfahren: Das Leben als Schwangere findet in einem Nebenuniversum statt. Menschen werden glücklich oder traurig oder überfallen einen mit Ratschlägen, sowie man nur angedeutet hat, daß da was unterwegs ist. Wobei, inzwischen reicht es manchmal für aufmerksame Beobachter bereits, mich (mit Bauch) nur von der Seite zu sehen.

Tja, gelernt habe ich auch, wie das mit dem Muterschutz läuft, und konnte mich vage erinnern, daß es ich nun irgendwann auch meinem Arbeitgeber mitteilen muß, daß ich schwanger bin. Je früher, desto besser, denn ab dem Zeitpunkt der Bekanntgabe darf ich für bestimmte Arbeiten nicht mehr herangezogen werden (alles, was schwer, stinkend oder auch nur irgendwie gefährlich oder anstrengend sein könnte) und habe auch Anspruch darauf, für die monatlichen Vorsorgeuntersuchungen freigestellt zu werden. Bezahlt, versteht sich. Den Nachweis über meine Schwangerschaft sowie die Bestätigung vom behandelnden Arzt, daß der errechnete Geburtstermin der Soundsovielte ist, muß ich dabei nicht einmal selbst erbringen, sondern nur den jeweiligen Arzt nennen. Der Arbeitgeber muß dort dann auf seine Kosten eine Bestätigung anfordern. Eigentlich.

Dort, wo ich arbeite scheint man das bisher immer anders gehandhabt zu haben, denn als ich letztens in der Personalstelle anrief um Mitteilung von meinem Zu- oder Umstand zu machen, auch um zu erfragen, wann denn am besten Zeit für einen Beratungstermin wäre, sagte mir die Dame am Telefon, das sei ja prima, daß ich mich melden würde, am einfachsten wäre es, ich brächte auch gleich meinen Mutterpaß mit, den würde man dann durchkopieren, das Ganze abheften und mich dann zur gegebenen Zeit in den Mutterschutz schicken.

Das Problem dabei: Im Mutterpaß stehen eben nicht nur mein Name, der errechnete Geburtstermin und der Stempel meines Arztes, sondern auch alle Krankheiten, unter denen ich leide, die Ergebnisse der bisherigen Blutuntersuchungen (zum Beispiel könnte dort auch stehen, daß ich HIV-positiv bin oder Tripper hatte oder sonstwas), die Befunde über das Ungeborene und der Zeitpunkt der letzten Periode. Ich bezweifle, daß bis auf die erstgenannten zwei Fakten (Name und Termin) jemand möchte, daß solche Informationen routinemäßig durchkopiert und in einer Personalstelle archiviert werden. Genau das scheint aber, dem forschen Ton der Mitarbeiterin nach zu urteilen, die gängige Praxis zu sein. Da frage ich mich auch, ob die angestellten angehenden Mütter bisher nicht widersprochen haben, immerhin steht zumindest in meinem Mutterpaß vorn unmißverständlich, daß es sich dabei um ein Dokument handelt, das nur mich und den jeweiligen Arzt bzw. die Hebamme etwas angeht.

Der Mutterpaß ist ihr persönliches Dokument. Sie allein entscheiden darüber, wem er zugänglich gemacht werden soll. Andere (z.B. Arbeitgeber, Behörden) dürfen eine Einsichtnahme nicht verlangen.

Ich habe bei der Frau von der Personalstelle nochmal nachgefragt, ob es denn wirklich ihr Ernst ist, daß der gesamte Mutterpaß durchkopiert und zu den Akten gelegt werden soll, und die ebenso klare wie krasse Antwort war nochmals:

Ja, einfach von vorn bis hinten durchkopieren.

Da war ich dann sprachlos …

November 25, 2007 | In Soso | | TrackBack-URL

  1. Wat?
    Hab ich ja noch nie gehört.

    Kommentar von jette am 25. November 2007 um 16:53 | Link

  2. nich wahr!?

    Kommentar von Julie Paradise am 25. November 2007 um 17:00 | Link

  3. mein vorschlag wäre:
    mutterpaß kopieren und alle nicht relevanten daten schwärzen, bitter bösen brief an chef der dame mit kopie an datenschutzbeauftragten der uni und asta.
    ich kauf mir solche leute ja immer gerne auch mal persönlich …

    Kommentar von westernworld am 25. November 2007 um 18:41 | Link

  4. Ich arbeite in einer Personalabteilung. Selbstverständlich ist es absolut fragwürdig einen Mutterpass in einer Personalakte zu verewigen. Wenn Du formlos mitteilst, dass Du Schwanger bist, hast Du Deiner Pflicht erst einmal ausreichend genüge getan. Dein Arbeitgeber wird von Dir dann eine Bescheinigung verlangen, die er allerdings nicht selber bei Deinem Arzt anfordern kann, denn diese darf die Praxis ausschließlich an Dich aushändigen. Die Gebühren für diesen Wisch stehen deshalb auch gleich auf derselbigen mit drauf und müssen von Deinem Lohnbüro erstattetet werden.

    Tu Dir nur selbst einen Gefallen, mach Dich nicht zum “Horst” und schreibe “Böse Briefe” mit Kopien an Datenschutzbeauftragte oder ähnliches. Das wäre genau so peinlich, wie ein Weblog ohne Impressum.

    Kommentar von Martin am 25. November 2007 um 20:57 | Link

  5. western: jaja, der erste impuls …

    martin: hast schon recht. wie herum das mit der bestätigung läuft, war mir nicht ganz klar, in jedem falle müssen die entstehenden kosten durch den arbeitgeber getragen werden.

    ich habe eine kopie angefertigt, aus der mein name, der auf dem deckblatt des dokuments steht, sowie der errechnete geburtstermin ersichtlich sind, nehme meinen mutterpaß mit, falls jemand zweifel an der echtheit der kopie hegt und ich das ding nochmal vorzeigen muß. mehr als die fraglichen zwei seiten, mit abgeklebten passagen, bekommt da aber niemand zu sehen, aus prinzip nicht.

    und statt böser briefe werde ich nur ein weiteres mal mein befremden über das ursprüngliche ansinnen der dame vom personalbüro zum ausdruck bringen. vielleicht weiß sie es ja wirklich nicht besser und bisher haben ja auch offenbar alle beteiligten mitgespielt.

    trotzdem komisch …

    Kommentar von Julie Paradise am 26. November 2007 um 00:44 | Link

  6. Also sowas habe ich ja auch noch NIE gehört, das kann ja nicht rechtens sein.
    Vielleicht solltest du die (überaus nette?) Dame aus eurer Personalabteilung einmal fragen, wer sie auf solch einen schiefen Ast gebracht hat. Der Mutterpass beinhaltet schließlich (wie du ja bereits geschrieben hast) persönliche Daten und Informationen, die Dritte nichts angehen.

    Kommentar von Alexandra am 04. Dezember 2008 um 14:49 | Link

Rock my Boat!