Wenn jemand wirklich sein Blog dichtmachen will, dann bin ich nicht entrüstet, eher traurig und ein wenig neidisch, im Moment. Denn genau das wollte ich auch vor einem Monat tun. Weder kann noch will ich erklären, was dazu geführt hat, aber: Irgendwann war es nicht mehr so lockerleicht und lustig, Julie Paradise zu sein. Es war auch nicht leicht, Sina zu sein in dieser Zeit, nur ist es eben doch so wie man sagt: “Namen sind Schall und Rauch”. Und unwichtig. Ich könnte mich sonstwie nennen, ich bliebe immer ich, man kann nicht vor sich wegrennen.
Online-Identitäten sind aber eben nicht unsere richtigen Namen, möge da noch soviel von meinem echten Ich dahinterstehen. Für mich ist das eher wie eine Frisur, denn genau so, wie ich vor vier Jahren (für Außenstehende sehr plötzlich) meine langen Dreadlocks abgeschnitten habe, kann und werde ich meinen Blognamen ändern. Da mir zur Zeit dazu die gestalterischen Fähigkeiten fehlen und demjenigen, der mir eigentlich helfen wollte, die Zeit oder die Nerven, bleibe ich noch ein wenig hier, nur in Gedanken bin ich schon beim Schnitt. So, wie frau sich eben lange vor dem eigentlichen Friseurbesuch überlegt, daß die Haare vielleicht doch länger — kürzer — blonder — dunkler werden sollen. Vorher ist gut und hinterher auch, selbst wenn dann jemand kommt und sagt: “Das fand ich aber besser, damals.”
Egal wie, wenn ich hinterher in den Spiegel sehe, weiß ich: Es hat sich gelohnt.
Kompliziert wird es dann, wenn man die Frisurenmetapher so inne hat, dass man jedes Mal direkt was ganz neues machen will. Urks.
Kommentar von dan am 20. November 2007 um 23:16 | Link
Solange Du immer vorher bescheid sagst, wenn Du zum “Friseur” gehst, ist alles OK. Wann hat dieses Geschreibe ins Internet eigentlich aufgehört Spaß zu machen und ist bei Euch allen ;) so ernst geworden? Ich war immer ich, auch auf meinem Blog - kann aber verstehen, wenn Sina hier Julie ist und Du Dich nicht so weit öffnen willst. Is doch OK - meine Mum hat mich auch neulich gefragt, warum ich das mache und für manche so leicht nachvollziehbare Sachen nach außen kehre. Konnte ich ihr keine vernünftige Antwort drauf geben. Außer, dass es für mich ok ist und ich das genau so möchte, wie ich es schreibe, mit allen Konsequenzen etc. blabla…
Lange Rede kurzer Sinn: Wenn Du zum Friseur gehst, dann sag Deinen Männern hier vorher bescheid, damit sie nachher ganz brav “ui, sieht das schick aus!” sagen können, ok? Und dann wird das hier wieder gemütlich.
Kommentar von robert am 21. November 2007 um 01:28 | Link
robert: das ins-internet-schreiben macht nach wie vor irre spaß, auch wenn ich momentan kaum mal einen ruhigen augenblick für mich zu reservieren weiß, in dem ich mich wirklich ausschreiben könnte.
was keinen spaß macht, ist das wissen, daß da an irgend einem punkt zuviel leben mithineingeraten ist, oder, wie ein freund kürzlich meinte: das internet ist die perfekte stalking-maschine. es gibt einfach dinge, die zu weit gehen.
mag schwer zu verstehen sein, weil ich eigentlich recht schmerzfrei darin bin, auch persönliche gedanken und erlebnisse hier zu veröffentlichen, aber viel von dem, was mich gerade auch behindert, hat mit dieser julie paradise-identität zu tun. aus dem sieben-meilen-stiefeln ist ein hemmschuh geworden. das hier ist immer noch mein blog, und ich bin stolz auf einige texte hier und froh, daß andere in der menge untergegangen sind, aaaber …
und daß ich nicht mit meinen eigenen fähigkeiten ein neues hübsches blog basteln kann, sondern auf die zeit und den guten willen anderer angewiesen, wurmt mich so sehr, das kann man sich kaum vorstellen.
also abwarten, die haare sollte man sich ja auch nicht selber schneiden, wenn es über den 9mm-abrasieren-look hinausgehen soll.
Kommentar von Julie Paradise am 21. November 2007 um 15:49 | Link
Wenn der beste Friseur in der Stadt nunmal nen halbes Jahr Vorlauf hat, was die Reservierungen angeht, muss man halt warten - dafür ist das Ergebnis meist umso besser ;)
Kommentar von robert am 21. November 2007 um 19:19 | Link