An dem Text, der hier stehen sollte, habe ich solange laboriert, daß er nun unwiderruflich krepieren mußte. Daher also seine Essenz:
Die Jelinek ist böse. Ihre Sprache ist böse. Sie kann auch nur böse und reimt dies auf Möse.
Und indem ich dies schreibe, bin ich auch schon in die Falle getappt, habe den Boten mit der Botschaft gleichgesetzt und die Frau mitverantwortlich gemacht für die Umstände, in die sie mich als Leser hineinzwängt, in diese fiesdumpfe Welt des Romans „Die Liebhaberinnen“(1975). Seit dem Wochenende atme ich die Schwüle, die schweiß- und pissegetränkte Luft der Brigitte und Paula, die vom Leben nichts anderes zu erwarten haben als Prügel vom Vatter und Haß von der Mutta, die sie festhalten in ihrer kleinen Welt. Wer mehr will und mehr denkt, der wird zurückgestukt in die Kleinheit, als Frau hat jede Frau nichts als Schmerzen zu erleiden und den Vatter zu bedienen, und wenn der Vatter nicht mehr ist, dann ist das ganze Leben der Frau der Mann, der Heinz oder Erich heißt, schlechte Zähne und böse Gedanken hat, wenn er denn denkt. An Motoren etwa, an seinen Schwanz und ans Fressen.
Eine Frau muß nichts lernen, darf nichts haben und soll nichts wollen, wo käme mann denn da hin!?
Die monotone Sprache, die abgehackten Sätze prasseln unbarmherzig auf mich ein, sobald ich das Buch zur Hand nehme. Und ich frage mich: Was daran berührt mich eigentlich so? Was geht mir daran so nahe, daß ich, neben panierten Mäusen und Arial-t’s, in dieser Welt träume, die die Steiermark und eine Miederwarenfabrik ebenso sein kann wie ein Berliner Vorort und die ungeschlachten Grobiane einer Zeit, in der junge Mädchen schmerzvoll erfahren müssen, was Männer außer Vati auch sein können. Eine Welt, in der Fremde hier nichts zu suchen haben und P. einem an den Arsch faßt, wenn er denkt, niemand sieht hin. In der es aussichtslos ist, weg zu wollen, weil niemand bisher weggekommen ist und doch jeder sein Leben haßt, mit so unbändigem Haß, daß man eben auch niemandem gönnen kann, dem zu entrinnen, was man selbst erleiden mußte.
Ich kenne solche Familien von Freundinnen aus der Grundschule, kann mich an den Umgang dort entsinnen und die Schelle, die es jeden Nachmittag statt einer Begrüßung für N. gab, das hämische Grinsen, als der Vater ihr Meerschwein vom Balkon schmiß, weil sie das Zimmer nicht aufgeräumt hatte und die Mutter aus Polen, die er wie eine Dienerin hielt. Die ganze Familie lebte nur zu seiner feisten Zufriedenheit, und damit dies so blieb, wurden um ihn herum Schläge verteilt, daß es nur so klatschte. Vatter will Kuchen? Vatter kriegt Kuchen. N. möchte auch ein Stückchen? Faules Pack! Blöde Göre, nicht geplant, das Balg, und jetzt will es auch noch was Bessres fressen!? „Dir werd ich’s zeigen!“ Danach konnte sie eine Woche lang nicht sitzen und ich bin weinend heimgelaufen, nachdem ich mir auch einige gefangen hatte, ich Made, weil ich es wagte, zu widersprechen.
Genauso geht es den Frauen in Jelineks Welt in diesem Roman, und mit leichten Abstufungen geht es ihnen allen so. Sie leben nur als eine Funktion des Mannes, als sein Besitz und seine Arbeitskraft zuhause, als sein Loch und sein Mülleimer.
Besonders die Schilderungen am Anfang des Romans, die Erinnerung an N. und der grabentiefe Gegensatz, den, bei allen Konflikten, doch meine eigene paradiesische Kindheit zu dieser Art Welt bildet, haben mich wohl so berührt. Im Nachhinein muß ich doch sagen, daß ich immer beschützt und behütet, von den allerbesten Wünschen meiner Familie, den Anstrengungen vieler getragen wurde, ein Leben zu führen, in dem nicht Enge und Zwang herrschen sondern viele Freiheiten, auch weil mir alle Möglichkeiten mitgegeben wurden, diese zu erkennen und zu ergreifen.
Und weil ich weiß, daß meine Mutti hier mitliest (und aus ihrem Bücherschrank auch der Band der Jelinek stammt), wollte ich einfach mal danke sagen. Danke dafür, daß ich mit solchen Welten wie in dieser Hölle von einem Heimatroman nie mehr als nur entfernt zu tun hatte. Woanders, wenn überhaupt. Nie zuhause.
das ist kein TRIVIALroman.
wer das liest ist doof.
die jelinek ist nicht böse, sie versucht, dein eigener MYTHOS zu sein. LIEBE kommt dann eben doch nur auf weißem Schimmel geritten. hermanstein
Kommentar von Herman Stein am 26. Oktober 2007 um 00:16 | Link
?
herman, wir müssen reden! am besten schnell (so screwball-mäßig).
Kommentar von Julie Paradise am 27. Oktober 2007 um 09:25 | Link
Hamwa gemacht und war gelungen.
Kommentar von Herman Stein am 30. Oktober 2007 um 23:30 | Link