Martina Effenberg

Martina Effenberg lächelt mir jeden Morgen aus dem Spiegel entgegen. Nicht jeden Tag, zugegeben, sondern nur, wenn meine Haare gewaschen und zwecks Schminkritual aus dem Gesicht gekämmt sind. Dann habe ich so eine Tolle am Oberkopf, die erinnert mich an Martina Effenberg.

Das ist jetzt nicht ohne Pikanterie, denn eigentlich habe ich nur den Namen “Martina Effenberg” im Kopf, das Bild vor meinem grausamen inneren Auge zeigt die ehemalige Frau Strunz. Claudia heißt sie wohl. Und ganz eigentlich erinnere ich mich dabei immer an Grace Jones.

Wenn nun meine Tolle an Grace Jones erinnert, stimmt etwas nicht. Dieser großartigen Heroine der Achtziger sehe ich Null ähnlich. Eher schon Brigitte Nielsen, mit der ich zwar nicht den groartigen Po, aber dafür den beachtlichen Vorbau teile. Und die dicken Lippen, welche übrigens — in ihrem Fall, wohlgemerkt, nicht in meinem! — ein vortreffliches Beispiel dafür abgeben, was so ein richtiges Machwerk ist. Sonst auch “Pfusch” genannt.

Mit Martina Effenberg verbinde ich Aggression, die verbinde ich auch mit dem werten Herrn Ex-Gemahl. Und das kam so:

Im zarten Alter von dreizehn Jahren war ich begeisterter Fußballfan. So begeistert, daß ich zusammen mit Anna alle nur greifbaren Panini-Bildchen sammelte, die Spielerdaten darauf auswendig lernte und am Ende der Saison 1993/1994 imstande war, jeden (!) Spieler der Bundesliga auch von Ferne nur am Gang und der Position zu erkennen. Und ich war Fan von Borussia Mönchengladbach. Ganz dolle und aus tiefstem Herzen, aber eigentlich nur, weil Ben die doof fand. Und ich war doch so in Ben verknallt, daß ich Angst hatte, es könnte auffallen, wenn ich nun auch die Borussia toll fände, die aus Dortmund. Glücklicherweise waren die Fohlen auch Borussen, da konnte ich dann das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden und eben Gladbach-Fan sein.

Man möge mir verzeihen, Liebe macht blöd und meine sonstigen Vorlieben im Leben sind besser begründet.

Stefan Effenberg spielte ab 1994 für Gladbach, und in der Winterpause 1994/1995 fand eines der Hallenturniere dieses Jahres in Berlin statt. Die Mannschaft war im Kempinski abgestiegen, eine prima Gelegenheit, Autogramme abzustauben, zumal ich mit Ben die Wette abgeschlossen hatte, daß ich kein Autogramm von Stefan Effenberg erhaschen könnte, sagte er. “Kann ich wohl!” sagte ich. Vor dem Hotel hatte ich die Ankunft des Busses abgepaßt, bekam ein Autogramm von Uwe Kamps und dann stand der grimme Stefan vor mir. Wenn jetzt jemand einen Gewaltausbruch, eine Unflätigkeit oder sonstwie effenbergiges Verhalten erwartet hat: Nichts! Er hat ganz nett gefragt, für wen das Autogramm ist, wie ich heiße, wo es hin soll (auf meinen Rucksack), ob ich zum Hallenturnier komme (ja) und ob ich selbst Fußball spiele (nein). Er war wirklich sehr nett zu mir, aber unter der Oberfläche brodelte es.

Dem Jungen hinter mir, der großmäulig sagte, früher wäre er besser gewesen, der Effe, dem hat er oben ans Ohr gepackt und ihm so richtig schön die Löffel langgezogen.

Und all diese Erinnerungen nur wegen meiner zurückgekämmten Haare!

September 21, 2007 | In Soso | | TrackBack-URL

  1. Sag mal, im Ernst? Der Effenberg hat ihn an den Ohren gezogen???

    Kommentar von Andreas am 21. September 2007 um 14:21 | Link

  2. frau paradies! ich bin erstaunt! nur eine mannschaft habe ich je intensiver verfolgt und das waren die gladbacher. wie’s kam, kann ich gerade nicht mehr erklären. da war nicht einmal ein ben zur entschuldigung.

    ich zitiere rené: muss ich mal drüber nachdenken…

    Kommentar von anne am 21. September 2007 um 22:36 | Link

Rock my Boat!