Samstag Abend, ausgehfein.* Nur meine Augenringe sind schon einige Stunden voraus und sehen so gar nicht mehr hübsch aus.
Es gibt immer noch Dinge, die ich noch nie getan habe, zum Beispiel so spät losgehen, daß ich gleich mit dem Nachtbus zu meiner Verabredung fahren kann. Und von einem Türsteher wurde ich auch noch nie abgewiesen. Dann aber den Mut zu haben, nachzubohren — was war nur los mit mir in dieser Nacht. Alles war wie verzaubert, am entrücktesten aber war mein Bwußtsein, der Teil davon, der einen nicht nur mit den Füßen am Boden hält, sondern auch dafür sorgt, dir mitzuteilen, daß dem so ist.
Die Schräglage hatte mich wieder, und so taumelte ich, für niemanden außer mir sichtbar, von einem klitzekleinen Lichtkreis in den nächsten. Die Bierflasche mit einem Knicklicht im Bauch; schon hatte sich das Problem des individualisierten Alkoholgenusses erledigt. Mein Beheck’s leuchtet und Deiheins nihicht!
Mittendrin Fernsehmenschen und solche, die wissen, wie es besser geht, Schnecken und Schlampen, Frauen und Girlies, Geld und Tünsche, Männer und Würstchen. Was seid ihr alle widerlich, aber etwas Geld würde ich euch schon abnehmen, und für den Hintern dort drüben würde ich töten. Der Teufel scheißt eben doch immer auf den dicksten Haufen und deutsche Sprichwörter: Ich liebe sie, fast so, wie ich brandenburgische Ortsnamen liebe. Quitzow, Templin, Petershagen.
Dann der Tanz für den mich niemand irgendwohin komplimentieren wird außer nach draußen. Ist es denn zu fassen, ich kann nur den Metal-Tanz: Bier in der einen Hand, die andere steckt in der Hosentasche, und ohne Mähne, die man schütteln kann, ist dies der Moment, in dem man merkt, daß man ganz doof dasteht. Und das inmitten all der Hotties und Cuties, wie ein sonst sehr sympathischer junger Mann neben mir laut dachte. Da brüllte ich ihm in sein poliertes Gesicht: „Gib’s zu, du willst sie doch nur ficken!?“ Leider nur in meiner Dimension. Hinter dem Vorhang meiner Geistesgegenwart stockte aber der kleine Affe und hatte sich entschlossen, jetzt Feierabend zu machen. Ich stand also nur da und dachte diesen glorreichen Satz, der mir nun, weitaus nüchterner, natürlich — natürlich! — einfach nur noch blöde vorkommt, aber was will man machen.
Zeit also, sich auf den Heimweg zu machen, zwei Bier und ein bißchen Sambucca reichen, wenn der Mann neben mir schon aussieht wie Falco. Also, das mag jetzt harmlos klingen, aber ich weiß nicht, welche Möglichkeit mich mehr erschreckte: Daß der Mann neben mir am Tresen wie Falco aussieht, und zwar wirklich wie Falco aussieht (den ich ja schon immer sehr creepy fand, wenn ich dieses hübsche englische Wort stehlen darf), oder daß ich so betrunken sein sollte, bis irgendein Mann neben mir am Tresen wie Falco aussieht. Ich meine, was kommt dann als nächstes? Die Stimme aus dem Haselnußstrauch? MacDonalds-Menschen mit Dornenkrone?
Das nun aber sind die Momente, in denen man merkt, wer echte Freunde sind. Freunde suchen mit dir geduldig den richtigen aus zweihundert verschiedenen Buntstiften, und Freunde rennen mit dir durch die Nacht, obwohl sie bis zu ihrem eigenen Bus noch locker eine Viertelstunde Zeit hätten. Freunde sind da, auf einmal, und wenn du es nicht verbockst, Julie!, dann gehen sie auch so schnell nicht wieder ihrer Wege.
* ein antizyklischer Text
ich war froh, das du da warst.
Kommentar von nilz am 18. September 2007 um 09:45 | Link
vorhin the dance, that was nice :)
(und der typ sah auch ohne alkohol wie falco aus, glaub mir…)
Kommentar von anne am 18. September 2007 um 09:46 | Link
nilz: ich war auch froh *g* und nochmal dankeschön!
anne: naja, hihi! und das mit falco beruhigt mich, ehrlich.
Kommentar von Julie Paradise am 18. September 2007 um 13:15 | Link