Film = Machwerk?

Bei den Filmfreunden hat jemand (Dog Hollywood) einen Film als Machwerk bezeichnet, offenbar aus Mangel an Alternativen zu den Benennungen Film / Streifen / Movie / Kunstwerk / Actionreißer / (Agenten)Thriller / Blockbuster o.ä.

Daraufhin hat ein anderer Filmfreund (Binding) völlig zu Recht angemahnt (Kommentar #15:

In letzter Zeit greift die üble Unsitte um sich, den Begriff “Machwerk” völlig falsch zu verwenden. Du bist nun also leider auch schon davon infiziert. Ein Machwerk ist was Negatives, über das man sich aufregen muss. Also bitte niemals auf Dinge anwenden, die man gut findet oder loben möchte! Sonst verschwimmen die Kriterien und alles wird beliebig.

(Hervorhebung von mir.)

Die Antwort schloß mit:

Ist doch egal. ;o)

Mir wird ja oft vorgeworfen, zu pingelig zu sein, was die Verwendung von Wörtern betrifft, sowohl den jeweiligen Kontext als auch die Frequenz belangend (Ich weiß, mein eigenes Problem sind Wörtchen wie aber, auch, sehr und der Ausdruck in der alltäglichen Sprache). Nur muß ich hier Binding zustimmen. Werden Bezeichnungen und Beschreibungen allzu häufig in falschem Zusammenhang verwendet, schleicht sich eine Ungenauigkeit in die Sprache, sie verwässert. Das Machwerk ist ja nur eines von vielen Beispielen. Leider.

September 17, 2007 | In Soso | | TrackBack-URL

  1. 17.09.2007 - Film = Machtwerk? « CeReality
  1. Darf ich “Streifen” zu einem Film sagen? “Streifen” geht noch, oder?
    Ohgottohgott, jetzt sag bitte nicht, dass “Streifen” out ist!!

    (hihi!)

    Kommentar von Malcolm am 17. September 2007 um 13:27 | Link

  2. Aber eigentlich ist Machwerk doch für sich betrachtet ein wundervoller Begriff, der versucht, die beiden Bedeutungsfelder von Arbeit - labor & opus - zusammenzudenken.

    Kommentar von Benedikt am 17. September 2007 um 13:42 | Link

  3. @ Malcolm: Streifen ist gut! ;-)
    @ Benedikt: Jein. Die übliche Konnotation von Machwerk ist nun einmal beinah gleichbedeutend mit stümperhaft / Pfusch

    Kommentar von Julie Paradise am 17. September 2007 um 14:21 | Link

  4. @Julie: Hmm. Übliche Bedeutungen sind totaaaal überbewertet. Das Wort ist als Eindeutschung von savoir faire von Anfang an mit einer Betonung auf das Handwerkliche verbunden (Grimmsches Wörtebuch). Wenn man das in einem Kunstkontext gebraucht, bekommt das einen negativen Beigeschmack (”Vergeh, erbärmlich Machwerk!”). Die Frage ist jedoch, ob es nicht mittlerweile Kunstformen gibt, auf die man diesen Begriff in neutraler Bedeutung ganz gut anwenden könnte.

    Kommentar von Benedikt am 17. September 2007 um 15:13 | Link

  5. … endlich mal wieder eine wirklich relevante Diskussion hier ;-)

    Kommentar von Benedikt am 17. September 2007 um 15:14 | Link

  6. ich geh da auch mit benedikt. nur weil sich irgendwann niemand mehr dagegen gewehrt hat, das dieses eigentlich sehr neutrale wort mit einer abwertung asoziiert wurde, macht das die tatsache noch lange nicht richtiger.

    sicher, aktiver widerstand ist schwer und wenn einer einmal in einem artikel das wort dann wertfrei verwendet, dann hilft das sicher noch nicht ihm dabei zu helfen zur alten neutralität zurückzukommen. das ändert aber nichts an dem eigentlich, streng per definition, richtigen und durchaus okayen gebrauch in dem genannten zusammenhang.

    Kommentar von nilz am 17. September 2007 um 17:57 | Link

  7. Wenn ich “Movie” oder “Blockbuster” schreibe, ist das gleichbedeutend mit dem Untergang der deutschen Sprache. Anglizismen sind ja sowas von out. “Kunstwerk” trifft nicht auf jeden Film zu, aber “Actionreißer” und “(Agenten)Thriller” werde ich mir gleich notieren. Vielen Dank! ;-)

    Kommentar von Dominic am 18. September 2007 um 14:06 | Link

  8. „Movie“ ist genauso grausam wie ein Anhängsel „Action“ oder „Thriller“, immerhin wurden sie alle aus dem Englischen übernommen und teilweise aus Mangel an Alternativen in die deutsche Sprache gemanscht. Wenn schon den „Film“ variieren dann mit „Werk“.

    Kommentar von Soraly am 18. September 2007 um 16:27 | Link

  9. Also am besten gar nichts mehr sagen. :D

    Kommentar von Dominic am 18. September 2007 um 23:07 | Link

  10. Um es noch einmal deutlich zu machen: Es gibt Nebenbedeutungen. Sprache verändert sich, klar, wenn ich früher gelebt hätte, die Wörter geil und toll hätten einen ganz anderen Sinn für mich gehabt als den, welchen sie jetzt haben. Toll zum Beispiel wäre nicht das Adjektiv, welches eine außerordentlich gute Sache beschreibt, heutzutage synonym mit prima, klasse, spitze und Ähnlichem. Meine Oma zum Beispiel verstand unter toll das, was wir heute mit wahnwitzig, wahnsinnig, völlig verrückt und zwar im schlechten, beängstigenden Sinne verstehen würden.

    Aber es gilt eben doch, die Beibedeutungen von Wörtern zu beachten, und als ich das erste Mal Bindings Kommentar zum Machwerk las, war ich erfreut darüber, daß hier jemand genau schaut, welche Wörter in welchem Zusammenhang passend sind. Das mag besserwisserisch wirken, kleinlich, und es tut mir auch leid, wenn der Eindruck entsteht, daß ich auf dem Urheber des Machwerk-Artikels herumhacke, dies ist ja nur ein Beispiel von vielen.

    Wie oft muß man seit einigen Jahren Dinge lesen wie:

    Der wirkt jetzt unglaublich.

    Rätselraten, wie ist das gemeint? Ach so, es geht um die Glaubwürdigkeit, gemeint ist wohl unglaubhaft.

    Ach, ich bin zu müde für solche Diskussionen.

    Kommentar von Julie Paradise am 19. September 2007 um 00:15 | Link

  11. Sicher kann man die Bedeutung der Wörter auseinanderpflücken und analysieren, da kennst du dich viel besser aus als ich. Nur fehlt dir bei aller Kompetenz und Sprachbegabtheit an dieser Stelle die Übersicht fürs Ganze. Hier geht es nicht um einen Machwerk-Artikel sondern um einen Film und einen Verfasser, der sich leider in der Wortwahl vertan hat. Kann doch mal passieren.

    Kommentar von Dominic am 19. September 2007 um 00:54 | Link

  12. passiert mir auch ständig. ich mein ja nur.

    Kommentar von Julie Paradise am 19. September 2007 um 08:46 | Link

Rock my Boat!