Mitten in der Nacht in der Küche sitzen, Oliven zu Butterstulle futtern und so müde sein, daß es schon gar nicht mehr wahr ist — herrlich!
Wenn ich es schaffen sollte, nach unserer Abfahrt um 03.00 auch im Auto nicht einzuschlafen, was wahrscheinlich ist, da ich bei Nachtfahrten immer wach bleibe aus Angst, der Fahrer könnte einschlafen, dann … Ja, dann ist auch die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, daß all meine Berichte vom Freitag noch verwirrter sind, als sonst schon.
Wenn ich nur bedenke, welchen Stuß meine Mutti von sich gibt, nachdem sie mehrere Nachtschichten hintereinander durchgestanden hat! Und neben den verbalen Eiertänzen komt es dabei auch schon mal vor, daß sie ihr Kind, ihr eigen Fleisch und Blut - MICH! - vergißt.
Die harmlosere der beiden Begebenheiten trug sich zu im Jahre 2001, als Mutti und Kind vom Großeinkauf zurückkamen, ich schonmal das Auto auslud und Mutti mit den Worten “Ich geh mal parken” verschwand, nicht wiederkam, immer noch nicht wiederkam und schließlich völlig aufgelöst von daheim anrief und ins Telefon stammelte, wie leid es ihr tue. Einmal im Auto hatte sie ihre Routine durchgezogen, war durchgefahren bis nach Hause und dort erst gemerkt, daß irgend etwas nicht so ganz stimmte. Hhmja.
Die zweite Begegnung der wirren Art trug sich wenig später zu: Nach dem zusammen erledigten Einkauf setzte meine werte Frau Mama sich in ihr Auto, während ich noch den Einkaufswagen zurückbringen wollte. Als ich wenige Sekunden später einen Wagen starten hörte, ahnte ich es bereits: Wieder hatte sie die gewohnten Abläufe abgespult und fuhr los. Ohne mich! Und ich war bereits soweit weg, daß hinterherrufen und -rennen sinnlos war. Meine Mutti hört gern laute Musik im Auto und angesichts der engen Parkhausausfahrt hatte sie solch einen Tunnelblick, daß sie nichts mehr wahrnahm außer dem Notwendigsten. ZU DEM ICH JA WOHL NICHT GEHÖRE!!! Muß ich jetzt noch erwähnen, daß ich zwar glücklicherweise meinen Ausweis samt Semesterticket in der Tasche hatte, sich aber sowohl mein Handy noch meine Jacke an diesem kühlen Herbsttag im Kofferraum des davonbrausenden Wagens befanden? Also machte ich mich auf den Heimweg, mit Bus und Bahn, und als ich nach über einer Stunde endlich daheim war, hatte sich gehöriger Unmut in mir angestaut. Daher griff ich zum Telefon und wollte die Frau zur Rede stellen, die ja offenbar ihr eigenes Kind nach nur wenigen Minuten vergißt, bis mir schon nach den ersten Sätzen des Gesprächs klar wurde: Mutti hatte mich so sehr vergessen, daß sie gar nicht begriff, weshalb ich sie so anfuhr.
Kurz und gut: Ich habe ihr verziehen, natürlich. Aber wann immer wir zwei zusammen unterwegs sind und ich aus irgendeinem Grund das Auto verlassen muß, erinnere ich, wenn auch manchmal nur mit Gesten, an die beiden Male, als meine Mutti mich einfach dumm dastehen ließ, und hoffe dabei jedesmal, daß ich nie so müde werde.
Heute aber könnte es soweit sein. Wenn also jemand eine verzweifelte Frau im Südwesten Deutschlands aufgreift, die völlig durch den Wind ist, Zugangsdaten für einen ihrer dutzend Online-Services ruft und “Vergessen, vergessen, alle weg, und jetzt noch die Oliven” — dann bin ich das. Nachdem ich nämlich eben das Gläschen Oliven ausgelöffelt hatte, habe ich für einige Minuten darüber nachgesonnen, wo denn die Oliven sind, die doch gerade noch vor mir standen …
der suedwesten deutschlands drueckt dich an die breite brust.makeyourselffeelathome.
Kommentar von nath am 14. September 2007 um 04:56 | Link