Was ich schon länger mal sagen wollte

Damit begann eben ein Gespräch mit meiner Mutti. Und weil ich gerade so schön dabei bin, mache ich gleich mal weiter.

1. Linktausch war ein Fehler, den ich nie wieder begehen werde. Anfangs fühlte ich mich geehrt, als mich jemand darauf ansprach, ob wir nicht Links tauschen wollten. Ich habe zugestimmt und mich dabei immer unbehaglicher gefühlt. Meine Blogroll gibt wieder, was ich gern lese. Daß das nicht unveränderlich ist, dürfte klar sein. Daher berühren mich beharrliche (!) Nachfragen, wo denn nun der Link hin sei, auch unangenehm.

2. Daß sich Menschen mit den Einträgen meines Blogs beschäftigen, ist schön, aber wenn jemand meint, die Texte auf Rechtschreibung und Grammatik hin durchsehen und bewerten zu müssen, ist das doch mehr als befremdlich.

3. Genauso unverständlich ist es mir, wenn ich in Mails gefragt werde, ob ich denn nun wirklich Julie Paradise sei. Was schreibt man da? Ja, nein, jein? Jeder Text ist erst einmal nur das: Ein Text. Sobald ich mich bewußt artikuliere, formuliere ich. Welche Informationen und wie ich sie preisgebe, liegt in meinem Ermessen, ist pure Willkür und abhängig von der Tagesform. Wenn ich jetzt kalte Füße habe, kann ich also schreiben:

    Ich habe kalte Füße.

    Oooch, butzibutzibuh, meine Füßchen sind ganz kalt.

    Scheiß Quanten, wat friert’n dit Zeuch schon wieder!? Sach ma’, oller Mist!

    Scheißverfickter arschkrampiger Sack von Nachbar! Warum kann der Drecksack nicht langsam heizen? Geizpickel!

    Der grüne Teppich unter meinem Schreibtisch — was liebe ich ihn! Es war das erste Stück, welches ich mir für meine allererste eigene Wohnung kaufte. Ganz deutlich kann ich mich daran erinnern, wie mein Vater mir bei einem Besuch in der noch leeren Wohnung einen Zwanzigmarkschein zusteckte und raunte: Kind, hier ist es bestimmt fußkalt, hhm! Dabei boxte er spielerisch und ganz zart mein Kinn und lächelte aufmunternd. Schöne Zeit des Aufbruchs!

    Oder ich schreibe gar nichts. Wen interessieren meine kalten Füße?

Das alles bin ich und ich bin es nicht. Wer weiß denn schon, wer und was er alles ist?

4. Den Satz Das hätte ich Dir nie zugetraut! möchte ich am liebsten nur noch hören, wenn jemand freudig überrascht ist. Oder über meinen Musikgeschmack staunt. E-Mails von Tanten, die erbost sind, wenn sie sich oder Bekannte in Texten wiederzuerkennen glauben, sind überflüssig. Das habe ich ihnen auch gesagt. Nur weil zufällig mal jemand beschrieben wird, der einer lebenden Person ähnlich ist, heißt das doch nicht, daß ich jetzt die ganze Welt auf ihre Fährte gehetzt habe.

5. Überhaupt wird mir von internetunkundigen Menschen in meiner Umgebung viel zuviel Macht zugesprochen, nur weil ich hier ein kleines Nischenblog betreibe. Da werden mir Links geschickt, mit deren Veröffentlichung ich die halbe Welt aus der Unkenntnis bezüglich +#üß°$/(=)(&(/%§ retten könne. Ach so!? Und dann sind sie zutiefst beleidigt, wenn ich nicht noch am selben Abend ihren Hinweisen nachgegangen bin. Ich betreibe keine Schreibagentur, die Auftragsarbeiten durchführt, genausowenig wie ich auf Zuruf fröhlich sein möchte.

So, nach dem ganz seichten bißchen Auskotzen hier fühle ich mich schon wieder ganz friedlich und frage mich, wie es sich für die grimmigeren Menschen in Blogdorf anfühlen muß, mal so richtig vom Leder zu ziehen. Das muß sowas von befreiend sein, ich wünschte, ich könnte das auch.

September 9, 2007 | In Soso | | TrackBack-URL

  1. Mhm, sag mal Julie…könnten wir nicht mal Links tauschen? Ich meine nur, ich finde immer so viele Rechtschreibfehler bei dir…da wär es doch nur fair…

    Im übrigen hätte ich dir damals im Schuhpost nicht zugetraut das du “Emo-Treter” besitzt, aber das tut ja hier fast nichts zur sache…

    Achja, ich würd mich sehr freuen wenn du meinen Blog mal in einem deiner Posts erwähnen könntest, es haben einfach viel zu wenig Menschen ahnung von Car-Hifi und den dingen die so in meinem Leben abgehen…

    Kommentar von Sushiator am 10. September 2007 um 00:03 | Link

  2. Und dann noch so komische Vögel, die mir ironisch kommen wollen, das ist ja wohl das Letzte! *g*

    Kommentar von Julie Paradise am 10. September 2007 um 00:07 | Link

  3. Wenigstens konnte man bei dem Kommentar ohne ” *g* ” oder ” :-) ” erkennen das es Ironisch gemeint ist, oder? Ich geb mir bei dir ja da seit kurzem besondere Mühe in sachen Ironie und Scherz kennzeichnung :-)

    Kommentar von Sushiator am 10. September 2007 um 00:14 | Link

  4. Naja, das ist eben manchmal schwierig. Wenn ich Dich kennen würde, könnte ich es besser einschätzen, weil man eben Mimik und Gestus der betreffenden Person kennen muß, um Äußerungen einschätzen zu können.

    Aber das hier war so deutlich ^o^

    Kommentar von Julie Paradise am 10. September 2007 um 00:17 | Link

  5. Wobei es ja auch Menschen gibt wo einem Mimik und Gestik mal rein gar nichts nützen, weil sich da einfach nichts regt. Mag ich nicht solche Personen, ich weiss gerne woran ich bin…und eigentlich bin ich auch meist nen “schnell-durchschauer”.

    Aber ich hab z.Z. auch Probleme meine Freundin zu durchschauen, hat da schon jemand nen Patentrezept gefunden? ^^

    Kommentar von Sushiator am 10. September 2007 um 00:30 | Link

  6. Bei Freundinnen funktioniert das nicht. Niemals!

    Kommentar von Julie Paradise am 10. September 2007 um 00:33 | Link

  7. Mhm…bei den 496 anderen Davor hats aber irgendwann immer geklappt…nur diesmal eben irgendwie nicht.

    Niemals halt ich fürn Gerücht :-)

    Kommentar von Sushiator am 10. September 2007 um 00:36 | Link

  8. Bitte mehr Kalte-Füße-Content, dann merke ich dank der neuen Vergleichsmöglichkeit gar nicht so sehr wie sehr mir meine Füße frieren. Mistwetter, greisliges.

    Kommentar von Benedikt am 10. September 2007 um 01:12 | Link

  9. sei doch mal fröhlich! komm! auf drei! eins…zwei…drei!

    Kommentar von nilz am 10. September 2007 um 11:26 | Link

  10. “Das alles bin ich und ich bin es nicht. Wer weiß denn schon, wer und was er alles ist?”

    wer ist ich? personale zurechnung in einem klassischen blogkontext halte ich für legitim.

    wenn ich kontingent ist kann “es” sich beschweren.

    Kommentar von westernworld am 10. September 2007 um 11:43 | Link

  11. Kannst ja mir die Storys über Tanten und Onkels schicken, ich schreib die dann! :)

    Kommentar von SirParker am 10. September 2007 um 15:37 | Link

  12. Tja, der Preis des Erfolgs. Bin ich froh, dass meine Zahlen grade sonstwohin abrutschen, in vier Wochen kann ich dicht machen. Und ich freu mich echt.

    Kommentar von baex am 10. September 2007 um 20:17 | Link

Rock my Boat!