Die Hölle ist ein frisch tapeziertes Badezimmer, hellgelb gestrichen und ausgelegt mit Linoleum.
Eigentlich sollte nur das Linoleum entfernt werden, damit wir dann, wenn der Boden etwas ausgelüftet ist, einen neuen Teppich auslegen können in Muttis Haus.
Unter der Linoleumschicht, die ich also herausriß, war eine weitere Schicht, sie sah aus wie Dachpappe. Feucht und faulig. Der Gestank war abstoßend. Das war der Moment, in dem ich beschloß, mir ein Shirt vor das Gesicht zu hängen, indem ich den Halsausschnitt über meinen Ohren und der Nase ließ. Die Konstruktion hielt und mit offenem Fenster ließ es sich so gut weiterarbeiten. Unter der ersten Dachpappeschicht fand sich eine zweite und darunter eine dritte. Alle drei Schichten waren völlig durchgefault, teilweise mit einem glitschigen Film bedeckt und bröselig. Das war gut, denn so konnte ich mit einem ausrangierten, rostigen Spachtel unter die drei Schichten fahren und sie abheben, kleine, etwa handtellergroße Brocken abbrechen und nach und nach einen Haufen aufschichten. Insgesamt lagen neun Quadratmeter vergammelte Dachpappe in drei Schichten vor mir, die ich dezimeterweise abhob und zerbrach.
Als das geschafft war, mußte ich noch die Reste entfernen, die unter der später angebrachten Scheuerleiste festklemmten. Wer jemals eine alte Scheuerleiste bearbeitet hat, kennt die widerlichen Dinge, die sich dahinter verbergen. Und wenn man einmal anfängt herumzukratzen, entdeckt man weitere Bröckchen, Löcher, Sand, Linoleumreste, lichtscheue Insekten …
Am Ende habe ich fast sieben Stunden am Boden gekauert, Schimmel und Staub aus fünfzig Jahren eingeatmet, mir die Finger blutig gekratzt und trotz des Mundschutzes soviel Staub geschluckt, daß ich immer noch einen pelzigen Geschmack im Mund habe.
Aber: Ich habe die Hölle aufgeräumt. Gutes Gefühl.
Du bist ein Engel… :D Verdammt aber auch, dass mehrere hundert Kilometer zwischen Köln und Berlin liegen, sonst würde ich selbstverständlich helfen … hehe. Mach doch nen Aufruf, lad Dir mal ein WE 10 bis 15 starke Blogger ein und *schwups* ist die Bude im Handumdrehen ne Ecke weiter…
Kommentar von Blabbermouth am 02. August 2007 um 09:55 | Link
Respekt Frau Julie.
Kommentar von sebi am 02. August 2007 um 11:06 | Link
Oh, danke! Lieb von Dir *g*
Das Problem ist aber weniger die Arbeit an sich, darauf kann man sich einstellen und sie dann auch - wegen der Enge der Räume oder der Fitzeligkeit der einzelnen Aufgaben allein - bewältigen. Wir sind ja auch fast fertig. Schlimm ist es, wenn man sich etwas vornimmt, wie: Heute reiß ich schnell den Boden raus und dann können die Scheuerleisten abgedichtet werden (was ich gestern sogar noch geschafft habe, mein erstes Mal mit Sanitärsilikon - Yeah!) und dann kann ich überstreichen und das Bad ist soweit fertig. Was einen immer wieder zurückwirft sind die Komplikationen, alles ist schief und doch kaputter als man denkt und dauert viel länger und geht nicht und dann so Schocksekunden, wenn man merkt: Der Unterboden (wie in der Küche) ist komplett durchgefault und alles ist eklig und und und
Da helfen auch keine Blogger *g*
Der Karpate und ich aber können uns hinterher rühmen das Haus beinah allein renoviert zu haben, und zwar von Grund auf, mit sauber verputzten Wänden wo es vorher rieselte, mit eingepaßten Kabeln, mit Zierleisten an den Deckenkanten, die andere Kabel verdecken. Wir haben alle Fugen abgedichtet und die Fensterrahmen alle alle abgeschliffen, bevor wir sie strichen. Die Wärmedämmung im Haus verdient ihren Namen jetzt auch und der Laminatfußboden mit passenden Kanten ist perfekt verlegt, das hat sogar der Tischler gesagt. Wenn jetzt das Bad und die Veranda fertig sind, dann müssen wir nur noch außen streichen und zum September ist das Ganze dann bezugsfertig.
Der Gedanke daran hält uns bei Kräften …
Kommentar von Julie Paradise am 02. August 2007 um 11:13 | Link