Der Spiegelreflex

Mal wieder die alte Canon EOS 300 rausgekramt. Die mit dem 35-80mm-Objektiv. Mein Schätzchen seit genau zehn Jahren. Am Mittwoch, den 30. Julie 1997 haben mich die Kamera und mein PC (mit Intel Pentium II und Modem, internem CD-Brenner, Scanner und Drucker) erreicht und mich von da an auf Jahre begleitet. Einen neuen Computer gab es erst im letzten Julie, einen neuen Fotoapperat hat mir meine Mutti letztens vermacht.

Nun sollten die Fortschritte am Haus auf richtigen Fotos dokumentiert werden. Das geschieht am besten, so der Plan der Frau die nie schläft, indem man die billigste Einwegkamera kauft, die nur zu bekommen ist und mal eben ein paar Fotos schießt. Bei sowas mache ich nicht mit! Also erklärte ich ihr, daß wir zu diesem Zwecke ebenjene 700 DM-Kamera benutzen werden, die sie mir doch-Was, sowas hab ich Dir gekauft? - Genau!

Lange habe ich sie nicht mehr in der Hand gehabt, das letzte Mal wohl, als die Blondchenfotos von mir entstanden sind, im Januar 2006.

Lars hat recht, wenn er darlegt, wie anders es sich grundsätzlich mit einer Digital- oder einer analogen Spiegelreflexkamera fotografiert. Ich hatte beinah schon dieses wohlige Gefühl vergessen, welchen einen ergreift, wenn man eine richtig schwere Kamera fest in beiden Händen hält, wohlüberlegt den richtigen Bildausschnitt sucht, scharfstellt und surrklickklapp. Leider ist mir damals, gleich im Sommer, das gute Stück einmal von jemandem heruntergerissen worden, seitdem hakt es im inneren Gewinde des Objektivs und der Autofokus funktioniert nicht mehr. Aber so richtig hat mich das nie gestört, denn meine liebsten Motive laufen mir nicht davon: Freunde und interessante Menschen.

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Danach dann die Spannung, was wohl aus den Bildern geworden ist. Aus Kostengründen allerdings habe ich die meisten meiner Fotos in der Drogeriekette Rossmann entwickeln lassen, die Schwarzweiß-Fotos (auf den 125er-Ilford-Filmen *) mit dem Vermerk Sonderwunsch: Farbentwicklung. Nach etwa einer Woche gab es dann oft Fotos wie das oben gezeigte zu bestaunen.

Bei mir ist die Diskrepanz zwischen den Geräten aber noch weitaus größer als bei Lars. Es geht nicht nur um den grundlegenden Gegensatz zwischen digitaler und analoger Fotografie: Die Digi-Cam habe ich mir von meiner Mutti aufschwatzen lassen, sie war eben da und billig. Jetzt kann ich sie immer mitnehmen, ohne daß meine Tasche aus allen Nähten platzt oder ich mir allzugroße Sorgen darum machen müßte, sie könnte verloren gehen. Schnelle Bilder, die sofort verwertbar sind, nichts kosten und in den meisten Fällen auch ganz passabel sind, gelingen damit, keine Frage. Aber sobald nicht mehr für ausreichende Ausleuchtung gesorgt ist oder das Motiv sich dreist bewegt, gibt es unscharfen Pixelschnee. Da hilft auch der Blitz nicht viel.

Die Spiegelreflexkamera dagegen macht Eindruck - bei mir und bei anderen. Manche Menschen haben gleich zuviel Respekt, Fotoscheu macht sich breit, sobald sie in das Objektiv schauen sollen. Auf Leute, die sich mit der Materie nicht auskennen, wirkt sie allein aufgrund ihrer Größe sehr professionell. Auch ich habe eine höhere Achtung vor Aufnahmen, schaue, gucke, schaue nochmal, sehe oft nachdenklich und etwas arrogant aus, wenn ich hinter dem Apparat stehe. Besonders der Zoom und die eigentlich immer scharfen Fotos machen es zu einem Vergnügen, damit zu hantieren, aber sie ist eben zu wertvoll, um sie immer mitzunehmen, und auch zu groß. Ich schleppe schon genug Kram mit mir herum (Da war ja noch ein Stöckchen ).

Die Entscheidung, mir vom nächsten Geldregen die digitale Version der Canon EOS 300 (oder die 350D) fällt also schwer.

(PS: Viele meinen ja, das Entwickeln der Filme und der ganze Chemie- und Technikkram sei das eigentliche Herzstück der Fotografierleidenschaft - dafür habe ich mich nie interessiert.)

Julie 29, 2007 | In Soso | | TrackBack-URL

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