Es soll Menschen geben, denen geht es gut. Und dann gibt es meine Mutti.
Wer hier länger mitliest, wird mitbekommen haben, daß wir nach dem Tod meiner Omi das Haus renovieren, in dem sie gelebt hat. So ein Haus, gebaut nach dem Krieg mit dem, was eben da war, ist alles andere als das, was man sich unter einem normalen Haus vorstellt. “Die Tapete gehört zur Bausubstanz” - “Ja, zur Statik” war anfangs ein netter Witz, nach und nach entpuppte sich das Loch, welches seit April bearbeitet wird, als Grab jeder Kraft, die meiner Mutti noch geblieben war. So langsam ist Land in Sicht, auch die bisher gezeigten Fotos lassen ein Ende erahnen, mit dem ich persönlich nie gerechnet hätte: (vorher - nachher)






Bleiben nur noch die Veranda und das Bad zu renovieren, wobei ich mich als “Bleib sitzen!”-Diktatorin erwies, die Mutti immer schön zurück auf den Stuhl beorderte, sowie ein ruhiger Moment blieb. Ja, bauen kann anstrengend sein, selbst wenn man nebenher nichts zu tun hat. Wie sie aber seit rund einem halben Jahr lebt, ist mir unverständlich. Könntet ihr sechs Nachtschichten hinereinander runterreißen und zwischendurch beinah jeden Tag werkeln, Gehwegplatten ausheben, einen Misthaufen anlegen, den Garten umgraben, Möbel zusammenschrauben, Fenster und Türen streichen, immer nett und freundlich bleiben auch wenn nur der Gedanke an den Kontostand einem das Herz zerreißt? Viehzeug in allen Ritzen ertragen und die dicksten Spinnen aller Zeiten? Wespennester in Türverkleidungen, faustgroße Ritzen hinter Scheuerleisten? 1000 Euro Mehrkosten, weil Kabel neu verlegt werden müssen? Und dabei immer Angst haben, krank, also, so richtig krank zu werden und mit dem Bauen bis September nicht fertig zu werden, weil danach die finanzielle Doppelbelastung Haus - Wohnung gar nicht mehr tragbar ist?
Ich könnte nicht. Vielleicht lernt man sowas, wenn man Mutti ist und alles zusammenhalten muß …
Meinen größten Respekt für Deine Mutti und Dich - irgendwo am Ende ist immer ein Licht in Sicht und dann könnt Ihr mit ganz viel Stolz auf das blicken, was Ihr da geschafft habt!!! Es sieht auf den Bildern schon wirklich sehr gemütlich aus, finde ich….
Kommentar von Blabbermouth am 23. Julie 2007 um 23:02 | Link
statiker,bauingenieure,maurer,zimmerleute,elektriker,dachdecker- die besten aus sueddeutschland, in gedanken, spendier ich diesem haus.
und oel in 17 meter tiefe hinter dem apfelbaum.
nath
Kommentar von nath am 24. Julie 2007 um 04:01 | Link