Peral Jam am Do., 21. Juni in Düsseldorf

Auf einem Zettel irgendwo an der Halle stand „Peral Jam“ – nur ein Tippfehler, aber so bezeichnend für den ganzen Abend.

Ich war gegen dreiviertel fünf in Düsseldorf angekommen, hatte vom Bus aus nach billig aussehenden Pensionen geschaut und bin gleich am Haptbahnhof in der ersten abgestiegen. 25 Euro für ein Einzelzimmer, welches sich dann doch als Doppelzimmer entpuppte. Toilette und Dusche für fünf Zimmer eine halbe Treppe tiefer, egal. Nicht egal war mir der Geruch, aber mit konsquenter Lüftung, das heißt: Fenster weit auf, um fünf zum Konzert losfahren und nach der Rückkehr gegen drei Uhr nachts wieder anklappen, ging es dann. Immerhin war das Waschbecken tief genug, um sich darin die Haare zu waschen und der Spiegel so angebracht, daß ich doch glatt noch meine Augen und die Stirn naaaa, Zehenspitzen, ja, Nase, aua, Zehenspitzen, so groß bin ich nicht – was soll denn bitte sowas? Nur geeignet für Menschen ab einem Meter achtzig Körpergröße. Aber: Egal.

Der Düsseldorfer ÖPNV ist sehr übersichtlich organisiert und gut ausgeschildert, die Anschlüsse haben alle funktioniert und wann immer ich eine Frage hatte, wurde mir nett und zuvorkommend geholfen. Zum ISS-Dome gelangt man, wenn man mit den Öffentlichen bis Rath fährt, ab da gibt es einen Shuttle-Bus zur Halle, die ich gegen dreiviertel sechs erreichte.

Halle? Hölle dachte ich, als ich aus dem Bus ausstieg und die Schlange vor dem Einlaß sah. Ich weiß genau, wie lang ein Kilometer ist, denn einer unserer Lehrer hat immer wieder wie einen schlechten Witz erzählt, daß die Wilhelminenhofstraße in Schöneweide genau einen Kilometer lang ist. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage: Die Schlange war zwei Kilometer lang. Man kann sich kaum vorstellen, wie frustrierend es ist, ziemlich am Anfang der Schlange aus dem Bus zu steigen und den Faltwellen (mehr Schlange auf weniger Fläche) folgend ans Ende zu gelangen, wo man sich dann brav anstellt. Immerhin, Pearl Jam-Fans sind sehr brav, denn eigentlich haben sich alle dort angestellt, nur wenige haben den Ey, kennen wir uns nicht?-Trick angewendet, um gleich etwas weiter vorn zu sein.

Die Vorbands The Futureheads und Interpol spielten wohl unter Ausschluß der zahlenden (! – 62 Euro für das Ticket sind ja kein Pappenstiel) Öffentlichkeit, denn soweit wir es mitbekommen haben, kam erst gegen sieben überhaupt Bewegung in die Schlange. Zum Glück bin ich ja nicht schüchtern und Pearl Jam-Fans größtenteils nett und kommunikativ, so daß recht schnell eine lose Quatsch- und Spaßgemeinschaft entstand. Die vier Jungs hinter mir kamen alle aus der Gegend und hießen Seppo (?) und Marcel und … sorry, ich hab eure Namen nicht mitbekommen, Jungs!. Seppo (ich nenn Dich jetzt einfach so, wenn Dir das nicht paßt, dann komm Dich beschweren) sah aus wie entweder die kleinere, hübschere Variante von Xavier Naidoo (ja, der geht auch in ansehnlich) oder wie Aydo, der Sänger von Blackmail. Sehr nette Gesellschaft. Irgendwann hängten sich dann Subjekte an uns ran, die wir zunächst für Drogendealer hielten, weil sie sehr Rock’n’Roll-mäßig abgebrannt und verlebt aussahen, uns dann aber verklickerten, daß sie doch bitte, bitte unsere Freunde sein wollten, damit sie nicht noch 500m weiter hinten stehen müßten. Die Band, wegen der Cowboy (weißer Strohhut und ein wettergegerbtes Gesicht, um das ihn mancher Hollywood-Haudegen beneiden würde) angereist war, die Futureheads, sollten sie trotzdem verpassen.

Zwischendurch nieselte es, was die Jungs auf die Idee brachte, uns, als Ende der Schlange, neu zu organisieren, also die Deppen, die lieber fünf Meter entfernt vom überstehenden Dach der Halle, wo man sich unterstellen könnte, warteten, weiter im Regen warten zu lassen und uns dann bei Gelegenheit wieder an dem Punkt anzuschließen, wo sie regengeschützt an der Hallenwand entlang steht, Solche Vorhaben scheitern gern daran, daß irgendwer den Witz nicht kapiert und man dann doch den Schafen folgt, um nicht bei den Wölfen zu sein. Das Scheitern unserer Aktion wurde von Marcel mit donnerrrrrnderrrrr Füüüührrrerrrr-Stimme kommentiert, was wiederum für Erheiterung bei den umstehenden Deutschen und eingeschüchterten Blicken bei ausländischen Fans sorgte. Die Ordner sahen auch aus, als hegten sie Befürchtungen, die Invasion – egal was für eine, aber schrecklich würde sie sein, das sagten ihre Blicke – stünde kurz bevor. Bei dem ganzen Gewarte und Gestehe und Geschiebe kann man schon mal laut werden, das Lachen und die fröhlichen Mienen hätte die Ordner aber doch beruhigen sollen, nur irgendwie, tut mir leid es so sagen zu müssen, hatten wir den Eindruck, nur Quotendeppen in Ordnerwesten zu sehen.

Stunden später, gegen halb neun, waren wir endlich am Einlaß, wo mir freundlicherweise mein Capri-Sonne-Paket abgenommen wurde, obwohl bei Pearl Jam Getränke in TetraPacks oder Ähnlichem immer mit rein durften, oookay, bei Peral Jam ist das wohl anders, mein Ticket wude gescannt und ich war drin!

Nicht da drin, wo ich eigentlich, laut Ticket, hingehörte, aber in der Halle. Ein Ordner schickte mich auf die Frage hin, wo ich denn meinen Sitzplatz (man bleibt ja in Deutschland sowieso nur sitzen, wenn man Schimpfwort für faule, fette, uncoole Säcke nach Wahl einsetzen ist, also dachte ich mir nichts dabei.

Viele Leute waren noch auf der Suche nach einem Platz und standen auf den Treppen und Gängen herum, als die Lichter ausgingen und das Intro von der Ten erklang. Jeder blieb wo er war, denn im Dunkeln findet man ja sowieso keinen Platz mehr. Konzert Konzert, Peral Jam und dann irgendwann Pearl Jam, der Sound wurde nach und nach besser, die Leute lockerer oder leiser, wenn es sich denn um dämliche Fußball-Fans handelte, die ihre bekloppten Lieder (es gibt auch tolle Stadiongesänge) im Hooliganstyle zum Besten gaben, ich kam langsam in Konzertlaune, als ich die Idee bekam, bei dem Song Come Back, den ich nicht leiden kann, mal zu versuchen, zu meinem eigentlichen, besseren Platz zu gelangen. Das Verlassen der Halle wurde mir verwehrt. Was? Ja, ich durfte nicht raus aus der Halle, da stand ein Zweimeterkloß vor mir und ließ mich nicht vorbei. Noch unbedarft und fröhlich fragte ich, was er denn gedenke zu tun, wenn ich doch vorbeigehe, weil ich zum Beispiel auf die Toilette muß? Dann pack ich Dich und führ Dich janz raus, dann kannste sehen, watte davon hast. Klare Ansage, mit Dir leg ich nicht an, Arsch! Also bin ich zurück zu meinem Platz marschiert, was will man tun, und die Stimmung wollte ich mir auch nicht noch weiter vermiesen lassen. Nach einigen weiteren Songs begannen die Ordner in meinem Block, die Wege zu räumen, das heißt, wer nicht mehr in eine Sitzreihe gepreßt werden konnte, wo ja sowieso alle standen oder das Pech hatte, daß die Sitzreihenleute ihren Platz verteidigten, der wurde abgeführt und rausgedrängelt von den Ordnern. Ich weiß nicht, wohin diese Leute geschickt wurden, aber Unmut machte sich breit.

Was soll denn sowas? Erst den Einlaß verschlampen, dann die Leute in die Halle quetschen, irgendwohin schicken, ohne Vorwarnung die Lichter ausmachen und dann, wenn sich alles halbwegs beruhigt hat und man anfängt, das bißchen Atmosphäre in der riesigen, teilweise leeren Halle zu genießen, herumzugehen und alle herauszugängeln, die es sich eben da, wo sie stehen, gemütlich gemacht hatten. Sicherheit hin oder her, aber das forsche Schubsen und Schieben vonseiten der Ordner war absolut unnötig.

… bald geht’s weiter …

Nachtrag: Das sehe ich zwar immer noch anders, aber eine Stellungnahme versöhnt doch etwas.

Juni 25, 2007 | In Soso | | TrackBack-URL

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    Kommentar von O-Jay am 26. Juni 2007 um 15:33 | Link

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