Die Queen of Schnäppchen hat wieder zugeschlagen! Wer mich kennt, weiß, dass ich chronisch abgebrannt bin, also, so richtig abgebrannt, mit 2,47 Euro auf dem Konto, wenn ich gut bin. Sollte sich zwischendurch Geld in meinen Taschen anfinden, zerrinnt es in meinen Händen, ist es auf meinem Konto, qualmt recht schnell die EC-Karte, denn: Dat Jelld muß wech! Wer weiß, was morgen ist, deshalb – the time is now!
Man könnte auch einfach sagen, dass ich es liebe, shoppen zu gehen. Frau Anne ist da vielleicht vorgeschädigt, ich habe noch kein Trauma. Das Einzige, was mich nur mit schöner Regelmäßigkeit erschüttert ist mein Geschmack vom letzten Jahr. Wie konnte ich das nur mögen – kaufen – tragen? Wobei, es gibt einige wenige Stücke, die liebe ich schon seit Jahren und die werde ich auch tragen, bis sie mir vom Leib fallen.
Meine Jeanssandalen zum Beispiel: Die haben so feine Riemchen aus ganz dunklem Jeansstoff, sind superbequem, passen zu allem und haben damals 4,90 Mark gekostet. Die machen’s noch ein paar Jahre, da bin ich mir sicher.
Ein anderes Stück ist ein dunkles Jeanskleid, 9,90 Mark, welches mir, neben der Gewissheit, dass ich nur dieses Kleidchen anzuziehen brauche um bei 30° immer noch chic, bequem und halbwegs erträglich gekleidet zu sein auch jedes Jahr die Gewissheit gibt: So schlimm ist es nicht mit dem Altersspeck. Es passt nämlich schon seit 5 Jahren perfekt. Und ich meine perfekt! Oberweite paßt genau rein, es sitzt eng an der Taille und mein *hüstel* weiblicher Hintern hat auch Platz. Was will frau mehr (außer bitte bitte bitte noch zehn solcher Kleidchen, jaja, die Sache mit dem Sammeln)?
Anne hat recht: Shoppen geht nur allein, ich bin nämlich auch sehr zielgerichtet dabei. Ein scharfer Blick genügt und die Schätzchen eines Ladens sind erkannt. Dann wird zusammengerafft, was in meine Arme passt, meist in Größe 36 und 38, man weiß ja nie, ob nicht doch der Hintern oder die Möpse … in der Umkleide trennt sich dann schnell die Spreu vom Weizen und wenn ich hier gefragt werde, ob ich Beratung brauche: „Nö!“ Welcher Verkäuferin kann man schon trauen? Und welcher kann man sagen: „Ich habe nicht umsonst die eine Hose mitgenommen, die von 85 auf 30 Euro runtergesetzt ist, da musst Du mir nicht eine für 110 Euro anschleppen!“ Außerdem bin ich meist zu nett und Dinge wie: „Seh ich so aus als würd ich so was mögen?“ zu sagen. Und mir dann vorzuschlagen, doch mal eine Röh-ren-jeans anzuprobieren, disqualifiziert! Aber so was von. Es gibt momentan genug kleine pummelige Mädchen, die sich zum Obst machen, weil sie der Mode hinterherhecheln, ihr werdet euch wahrscheinlich schon in einem halben Jahr fragen: „Ach du Scheiße, wie konnte ich so was nur anziehen?“ oder, wie der Karpate seiner eigentlich besten Freundin jahrelang als Begrüßung zu sagen pflegte: „Wie hast du nur deinen Arsch in die Hose bekommen?“. Charmant geht anders, ehrlich war’s allemal. Charmant ist es, auf den mit allergrößter Verzweiflung hervorgebrachten Ausruf: „Schatz, ich weiß nicht, was ich anziehen soll!“ grinsekatermäßig zu antworten: „Dann geh doch so!“
Männer und einkaufen geht übrigens gar nicht. Ab und zu spiele ich ja die Einkaufsberaterin für meine Kumpels, da tun sich dann regelmäßig Abgründe auf: Mr. Goldene Kreditkarte zum Beispiel jammert, dass er XXX unbedingt mal wieder bräuchte, man latscht mit ihm alle möglichen Läden der Stadt ab (darf ich an dieser Stelle daran erinnern, dass Berlin eine große Stadt ist?), irgendetwas gefällt ihm, aber man könnte ja auch das hier zurücklegen lassen, noch mal in den H&M am Potsdamer Platz fahren und schauen, ob es das da nicht doch in einer anderen Farbe oder Größe … arrgh! Dafür werde ich immer auf eine Bratwurst eingeladen, ach, ich bin ja so leicht rumzukriegen.
Sonst macht sich das Mutti-Gen bemerkbar: Für den Mann an meiner Seite (Anne, ich weiß, das ist Dein Satz) kaufe ich bereits seit Jahren die Kleidung. Weil er zur der Sorte Mann gehört, die innerhalb von Minuten gereizt wird, sobald er einen Shoppingtempel betritt. Manchmal gelingt es dann mit einem gezielten „Und danach gehen wir zum Media Markt?!“ das Schlimmste zu verhindern, nämlich die Flucht des Herrn in sein Auto, wo er dann Schokobons essend darauf wartet, dass ich die zwei Shirts, die ihm gefallen und passen, aus den Untiefen der Regaldschungel geklaubt habe um sie ihm als stolze Beute vorzulegen. Manchmal mosert er dann trotzdem noch herum, aber schon wenn der Satz „Naja, dann zieh ich das eben auf Arbeit an“ (er ist momentan Verkäufer), weiß ich, dass ich gut war. Und ich bin gut!
Viele Männer nehmen die eigentliche Bekleidung der Damenwelt kaum wahr, was sie aber bemerken, ist die Art, wie sie sich geben, ob die Mädels sich wohl fühlen in ihrer Haut. Kleidung ist nicht einfach nur ein Haufen Stoff, der jedes Jahr aufs Neue Verwunderung bei den Männern und, im Falle der Röhrenjeans auch bei Frauen auslöst, es ist eine Möglichkeit, sich zu präsentieren, jeden Tag anders. Heute fühl ich mich eher romantisch, morgen zieh ich mein cooles Tool-Shirt an und lächel dem hübschen Jungen im Bus zu, wenn mich mein Bäuchlein zwickt, gibt es da diese Bluse, die prima sitzt und sobald meine Haare ausbleichen, sieht auf einmal der hellgrüne Pulli zu meinen grünbraunen Augen umwerfend aus. Das mag jetzt oberflächlich und naiv klingen, aber manchmal ist Mode eine Art Rüstung, von der Mädchen eben mehrere (meist zu viele, um sich zu entscheiden, welche Lanze zu welchem Schild …) besitzen, die helfen, sich wohl zu fühlen, wenn man sonst nicht allzu viel vom Tag erwarten darf. An einem grauen Sommertag mit dem Lieblingsröckchen loszugehen, sich auf einmal im Schaufenster zu sehen, zu lächeln, hoch zu schauen und zu bemerken, dass der nette Herr vom Dönerstand auch lächelt, mag eine Kleinigkeit sein, letztlich sind es aber die vielen kleinen Gesten, die einem manchmal das Gefühl geben können, wirklich durch das Leben zu tanzen, wenigstens ab und zu zu tänzeln, beschwingt und fröhlich.
Die Queen of Schnäppchen hat gestern übrigens mal wieder eine Jeans von Esprit ergattert, zum Fünftel des normalen Preises. Ha!
tja und ich nehm zum einkaufen keine frauen mit. und lass mich auch grundsätzlich nicht beraten. und bin nach spätestens 10 minuten fertig. ich bin nämlich ziemlich genervt vom einkaufen, aber nicht nur kleidung. auch beim elektrohändler, buchhandlung, etc
Kommentar von Florian am 12. Juni 2007 um 11:04 | Link
Ich weiß ja nicht, mit welchen
MädchenMännern Du da einkaufen gehst, ich bevorzuge aber auch die Florian-Variante: rein, 3 Jeans in die Umkleide, die, welche passt, wird bezahlt und raus. Dauert maximal 20 Minuten. ;-)Kommentar von rene am 12. Juni 2007 um 11:40 | Link
20 Minuten? Du Lahmarsch ;-)
Kommentar von Julie Paradise am 12. Juni 2007 um 11:43 | Link
Lahmarsch! Ich komm Dir gleich rüber, doooh! ;-)
Kommentar von rene am 12. Juni 2007 um 11:49 | Link
an und für sich habe ich ja nix gegen einkaufen, aber das anprobieren…
die zellen sind zu heiß, zu klein (was durch die vielen lagen hängengelassener klamotten nicht besser wird) und haben meistens scheiß licht. wenn dann noch eine mändy und jackeline famile nebenan ist, stehe ich immer kurz davor einen kleinen amoklauf zu starten.
Kommentar von sebi am 12. Juni 2007 um 13:21 | Link
@sebi#5 da sagst du was!
ich frag mich manchmal ob die herrschaften die die innenarchitektonische gestaltung von läden und kaufhäusern zu verantworten haben, je auf die verwegene idee verfielen das mal mit einem ausgewachsen mann zu testen.
Kommentar von westernworld am 12. Juni 2007 um 17:50 | Link
der renße kauft seine hosen doch auch bei karstadt, da dauert das per se länger mit dem rauskommen. ich hab ihm ja immer gesagt, er soll mal zu hundm gehen, aber er will einfach nicht auf mich hören…
Kommentar von nilz am 12. Juni 2007 um 22:42 | Link