Feuerherz und Lügen?

Vielleicht hat der eine oder andere die (angebliche) Autobiographie von Senait Mehari, Feuerherz gelesen, hat Berichte in der Presse verfolgt und gedacht: Die arme Frau, Kindersoldatin in Eritrea, wie schrecklich.

Offenbar stimmt aber vieles in ihrem Buch nicht, und, nicht nur das, es verletzt die Gefühle vieler Menschen, die damals ihren Weg geteilt haben und nun ihre Erinnerungen und Verdienste in den Schmutz getreten sehen. Aus Mangel an verlinkbaren Seiten, die Weiteres erklären, gebe ich hier Aufruf und Presseerklärung der GbR Zeitzeugen Tsebah-Schule wieder, die teilweise zwar etwas ungelenk und naiv daherkommen, aber doch unterschwellig die Wut und Not derjenigen zeigen, die sich teilweise namentlich in dem Buch genannt sehen:

Aufruf

Ex-SchülerInnen und Ex-GründerInnen der Tsebah-Schule in Eritrea rufen alle an einer wahrheitsgemäßen Darstellung Afrikas interessierten Menschen auf

die Verfilmung der angeblichen Autobiografie von Senait Mehari “Feuerherz” (Verlag Droemer & Knaur) zu stoppen.

Senait Mehari wurde aufgrund ihres Buches von großen Humanitären Organisationen (Aktion Weißes Friedensband gegen den Einsatz von Kindersoldaten, Unicef, Misereor, Terre des Hommes und Karlheinz Böhms Menschen für Menschen) zur Botschafterin gegen Kindersoldaten stilisiert und benutzt.

In ihrer Autobiografie behauptet sie, das Schicksal von Kindersoldaten geteilt zu haben. Dieser in weiten Teilen fiktive Lebensbericht soll nun auch noch verfilmt werden: Der Produzent Andreas Bareiss und der Regisseur Luigi Falomi planen, in Kooperation mit der Fakultät Medien der Bauhaus-Universität Weimar, das Buch “Feuerherz” in Kenia zu verfilmen. (Pressemitteilung der Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Medien: Unterwegs in Afrika) Andreas Bareiss ist Oscar-Preisträger und Produzent von “Nirgendwo in Afrika”. Luigi Falomi ist der Regisseur des bekannten Films “Das weinende Kamel”, der für den Oskar nominiert war.

Nachdem Senait Mehari mit ihrem Bestseller die LeserInnen in die Irre geführt hat, sehen wir nun die Gefahr, dass die gewachsene Freundschaft zwischen Deutschland und Eritrea durch ein öffentlich gefördertes Projekt, in dem ein Kapitel der Geschichte Eritreas verfälscht dargestellt wird, auf die Probe gestellt (Pressemitteilung der Bundesregierung: www.pressrelations.de/new/standard [kein konkreter Link angegebenm, JP]) [wird].

Wir, die ehemaligen SchülerInnen und GründerInnen der Tsebah-Schule wissen, dass es an unserer Schule zu keiner Zeit Kindersoldaten gab.

Helfen Sie uns, die Verfilmung von Senait Meharis angeblicher Autobiografie “Feuerherz” zu stoppen. Die Filmarbeiten sollen bereits im Juni diese Jahres in Kenis beginnen.

Die Zeitzeugen aus der Tsebah-Schule, Berlin den 24.05.2007

Presseerklärung

Thema: Stellungnahme zu der von Senait Mehari in ihrer Biographie “Feuerherz” erfundenen Darstellung des “Kindersoldatentums” in der Tsibah-Schule in Eritrea

Wir sind ehemalige MitschülerInnen und LehrerInnen von Senait Mehari, sowie Mitgründer der Schule. Wir haben einen direkten Zugang zur Geschichte unseres Landes sowie seines keineswegs ohne Widersprüche verlaufenden Befreiungskampfes. Wir sehen uns gezwungen, an die Öffentlichkeit zu treten. Anlass dazu ist es, das im Namen von Senait Mehari veröffentlichte Buch “Feuerherz” aufzuklären.

Zeitzeugen sind im weitesten Sinne alle EritreerInnen, die den langen Befreiungskrieg an unterschiedlichen Orten und unter verschiedenen Umständen erlebt haben. In diesem konkreten Fall bezeichnen wir uns als Zeitzeugen, weil wir in dem von Senait Mehari in ihrer “Autobiographie” benannten Ort waren und dort gemeinsam die Tsibah-Schule besucht bzw. geleitet haben.

Wir können also bezeugen, dass ihre Behauptungen, sie sei Kindersoldatin gewesen, misshandelt worden und verwahrlost gewesen erlogen und erfunden sind.

Die Öffentlichkeit, die interessiert ist, die Wahrheit oder zumindest die Gegenposition anzuhören, soll unser Gesprächspartner sein. Dieser Öffentlichkeit möchten wir hiermit erklären, dass wir zahlreich, lebendig, ansprechbar und erreichbar sind.

Die vorwurfsvollen Rückfragen einiger der Medien, warum wir uns erst jetzt an die Öffentlichkeit wenden, lassen sich einfach erlären. Es gab bereits frühere Versuche einer Aufklärung. Es gab schriftliche Proteste beim Verlag Droemer & Knaur, Fragen an Senait Mehari bei Lesungen des Buches, Beschwerden und Hinweise. Es gab einige Journalisten, die recherchiert haben. Die breiten Medien gewährten uns jedoch keinen Zugang mit unseren Einwänden und Protesten. Zudem leben wir verstreut in vielen Teilen der Welt. Somit brauchte es Zeit, uns zu verständigen und zu vernetzen. Des Weiteren häuften sich die Medienauftritte von Senait Mehari. Schließlich beabsichtigt man, diese Lügen auch noch zu verfilmen, während Senait Mehari mit ihren Lügen sich den Auftritt mit der Bundeskanzlerin Merkel leistete.

Der hohe Erfindungsgehalt des Buches ist aufgeflogen und die “Autorin” hat vor der Kamera eingestanden, keine ehemalige Kindersoldatin, sondern ein “Kind des Krieges” gewesen zu sein, das sind wir alle! Und viele von uns kennen die damalige Situation, in der sich Kinder befanden. Die Betreung der Kinder hatte dabei Priorität.

Wir verurteilen die Urheberin des Märchens so wie die Versuche, die Schwindelei in eine ehrenwerte “Halbglaubwürdigkeit” umzuwandeln.

Wir fordern Senait Mehari ihre erlogenen und erfundenen Behauptungen zurückzunehmen und sich bei den namentlich genannten und der kriminellen Straftaten beschuldigten Personen schriftlich und öffentlich zu entschuldigen.

Wir fordern Senait Mehari sich ebenfalls bei den kollektiv des Kindersoldatendaseins beschuldigten ehemaligen MitschülerInnen, LehrerInnen und für die Tsibah-Schule Verantwortlichen schriftlich und öffentlich zu entschuldigen.

Wir fordern den Verlag Droemer & Knaur, das Buch “Feuerherz” aus dem Markt zurückzunehmen, sich von Senait Mehari zu distanzieren, und sich bei den Geschädigten schriftlich und öffentlich zu entschuldigen.

Wir fordern Senait Meharis Ghost Writer Lukas Lessing sich seinen mangelhaften Recherchen zu stellen und sich ebenfalls schriftlich und öffentlich bei den Geschädigten zu entschuldigen.

Wir fordern die Humanitären Organisationen Karlheinz Böhms Menschen für Menschen, Unicef, Misreor, Terres des Hommes und Aktion Weißes Friedensband gegen den Einsatz von Kindersoldaten sich von Senait Mehair zu distanzieren und ebenfalls sich schriftlich und öffentlich bei den tatsächlichen Opfern des Kindersoldatentums zu entschuldigen, ihnen Senait Mehari zu ihrer Botschafterin ernannt zu haben.

Wir fordern die Medien ihre Recherchen zu intensivieren und für eine ausgewogene Berichterstattung zu sorgen, die der Wahrheitsfindung dient. Wir sind bereit zu gegebener Zeit Belege für Korrekturen zu liefern.

Für die Presse stehen u.a. die u.g. Zeitzeugen zur Verfügung:

Elias Ghere Benifer (Mitbegründer der Tsibah-Schule)
Abraham Mehreteab (Ehemaliger Mitschüler)
Almaz Yohannes (Agawegahta, ehemalige Mitschülerin)
Yacob Abraham (Ehemaliger Mitschüler)
Mikiele Tadesse (Ehemaliger Mitschüler)

Juni 4, 2007 | In Soso | | TrackBack-URL

  1. 05.06.2007 - Nerdcore — Afrikas nicht so ganze Wahrheit
  1. das sich solch gute filmemacher darauf einlassen verstehe ich nicht. dass ihre geschichte zum größten teil auf lügen basiert, ist damals durch die medien gegangen. also wissen sie wohl sehr genau, was sie da tun. das sie einen ruf verlieren könnten, daran denken regisseur und produzent anscheindend nicht.

    ich finde, dass ist eine ganz schlechte idee das buch zu verfilmen.

    Kommentar von sunny am 05. Juni 2007 um 16:44 | Link

  2. manueller trackback

    spione.blogger.de/stories...

    Kommentar von sunny am 06. Juni 2007 um 02:57 | Link

  3. mir war es wichtig, das weiterzugeben, obwohl ich ja eigentlich seit märz auf weitere informationen wartete. ein mitglied des vereines ist unsere tigrinisch-dozentin, die selbst von der affäre betroffen ist, ich mach da aber nochmal was zu, wenn ich irgend zeit finde. versprochen.

    Kommentar von Julie Paradise am 06. Juni 2007 um 10:35 | Link

  4. Hallo Julie,

    ich heiße Fatma und war eine Zeit mit Senait befreundet.
    Das kann man auch im Buch Feuerherz lesen.

    Seit langem versuche ich darauf aufmerksam zu machen, das viel erlogenes im Buch steht. Meine Erfahrungen beziehen sich auf Senaits Zeit in Deutschland.
    Meine Erlebnisse mit Senait würde die Aussage der Zeitzeugen stützen.
    Nicht nur die Story in Afrika ist gefakt, auch die in Deutschland.

    Auch in Deutschland verleumdet sie gleich eine ganze Gruppe.
    Die Jugendlichen aus der Jugendpension. Die angeblich alle außer mir(Fatma)
    kriminell waren und nur Scheiße gebaut haben. Deshalb war Senait laut Feuerherz
    nur mit mir befreundet. - Das stimmt absolut nicht. Senait war dort mit vielen befreundet. Und die waren nicht kriminell. Im Gegenteil eine der kriminellsten war Senait selber. Sie hat immer Klamotten etc. geklaut. Andere dort hätten sich nie getraut etwas zu stehlen.
    Es kann sein, dass mancher als Jugendlicher mal was klaut.
    Das finde ich nicht soo schlimm.
    Aber ein Buch raus zu bringen, indem man andere unberechtigterweise beschuldigt kriminell zu sein und geklaut zu haben, obwohl man im Vergleich die Königin im klauen war, das ist nicht nur dreist, sondern übelst dreckig.
    Und sich selber stellt sie als Engel dar, der auch mal kleine Fehler gemacht hat,
    natürlich nur, weil sie in so schweren Zeiten schlimme Dinge miterleben musste.

    Das war nur ein Beispiel von vielen, worum es mir geht mit meiner Aufklärung.
    Um die Wahrheit.
    Die Wahrheit ist z.Zt. in Deutschland nicht gefragt.
    Sämtliche Magazine, Zeitungen etc. habe ich angeschrieben und bin auch null Interesse gestoßen. In diesem Fall bekomme ich, selbst mit Beweisen meiner Behauptungen, keine Chance einiges richtig zu stellen.
    Genauso geht es den eritreischen Zeitzeugen auch.

    Ich versuche mitlerweile mit englischen Medien Kontakt aufzunehmen um zu mindest der Wahrheit weiterzuhelfen.
    Es kann nicht sein, dass jemand als Lügner ein Buch rausbringen kann und
    Jemand der die Wahrheit sagt kommt nicht mal zu Wort.
    Ich hoffe das viele diesen Kommentar lesen werden.

    Die Wahren werden überstehen.

    Kommentar von Fatma am 16. Julie 2007 um 14:28 | Link

  5. Guten Tag,

    ich bin der Journalist, der die Zweifel an “Feuerherz” recherchiert und im Feburar 2007 zusammen mit Julia Salden vom NDR-Magazin “Zapp” als Erster öffentlich gemacht. Ich habe vor einigen Tagen zu diesem Thema das Weblog http://feuerherz.blog.de/ gestartet. Dort werde ich die bisherige Recherche, vor allem aber auch zukünftige Neuigkeiten über “Feuerherz” veröffentlichen.

    Kommentar von peter disch am 20. Januar 2008 um 10:32 | Link

  6. Vielen Dank für die Information!

    Kommentar von Julie Paradise am 20. Januar 2008 um 12:48 | Link

  7. Hallo Julie,
    ich bin zufällig auf diese Seite gestoßen.Es ist unglaublich wie man einen Menschen so feritg machen will.Du, Ihr und ich warén nicht dabei um einen Menschen so zu verurteilen und wie ein Tier so zu hetzen und zu jagen.
    Das ist unglaublich, dass das in Deutschland möglich ist.
    Wer kennt diese Leute, die genau das gegenteil behaupten?
    Wer sind sie, dass man Ihnen blind vertraut?
    Tatsache, dass was in Buch von Fr.Mehari steht, etwas ist was es in Afrika ständig passiert.
    Deshalb spenden doch million Menschen um solche Opfern zuhelfen.
    Ich will nicht Fr.Mehari verteidigen, sondern einfach nur an deine oder eure Menschlichkeit apillieren, dass was ihr hier macht genauso unmenschlich ist.
    Ihr jagt wortwörtlich einen Menschen,weil ihr glaubt das ihr das dürft.
    Und diesen Peter Disch sollte man auch nicht so blind trauen, denn er ist ein freier Journalist, der nur daran interessiert ist die Geschichte seines Leben zu haben um sich zu bereichern.Ich glaube ihn kein Wort, dass es ihn um die armen Menschen geht die sich schlecht behaldelt fühlen.
    Mit diesen worten
    Gruss
    Su

    Kommentar von anonym am 07. Februar 2008 um 11:40 | Link

  8. ehrlich gesagt, finde ich die diskussion erschreckend. man ist kaum in der lage, auf vernünftige art und weise über das thema zu reden. entweder es ist weiß oder schwarz, aber nichts dazwischen. zum einen finde ich das mehr als befremdlich, warum ein journalist (ob er frei ist oder nicht spielt keine rolle) sich ausgerechnet mit SO einem thema bereichern soll. das passt eher zu einem papparazzo, der vielleicht von skandalfotos lebt. fakt ist einfach, dass senait mehari selber, um an ihr ziel zu gelangen, alles hat mit sich machen lassen. ich habe die zapp-beiträge vom letzten jahr auch schon gesehen, in dem sie selber behauptet, dass sie keine kindersoldatin war, sondern plötzlich den medien die schuld dafür gibt und wortwörtlich sagte und ich zitiere: “Die Presse sucht sich doch das aus, was am wirksamsten ist. Und selbst wenn sie mich ständig als Kindersoldatin betiteln, sag ich okay, wenn sie das brauchen, um mich so zu nennen, Hauptsache, ich komm an mein Ziel.” sie gibt da doch selber diese fette lüge aus ihrem buch zu. ich meine, noch eindeutiger geht es doch nicht, oder ? ich will mich nicht hinstellen und behaupten, dass es in eritrea keine kindersoldaten gab oder gibt - so weit reicht mein kenntnisstand nicht aus. aber wenn ein mensch selber eine fette lüge zugibt, eine lüge, mit der sich diese person bereichern konnte und das alles nur, um an ihr zu ziel zu kommen - sorry, dann hört sich das für mich an, wie eine schauspielerin, die sich hochgeschlafen hat, um an eine rolle zu kommen.

    im endeffekt wurde einfach den hilfsorganisationen geschadet, die selber ohne nachprüfung alles für bare münzen genommen haben. sie hat - so schön wie sie als frau unbestritten ist - so wunderbar in die rolle der helferin gepasst. was interessiert da die wahre geschichte ?

    Kommentar von jazzy am 14. Februar 2008 um 11:45 | Link

  9. nachtrag: und von dem schaden an dieser angeblichen “brutalen kommandantin” will ich erst gar nicht reden….die frau kann sich doch echt nicht mehr raustrauen….

    Kommentar von jazzy am 14. Februar 2008 um 11:48 | Link

  10. eritreatextquellen.wordpr...

    Das solltet ihr euch mal alle ansehen..
    Ich jedenfalls weiss, dass Senait Mehari nicht lügt.
    Sie hat nur etwas getan was sich nach Meinung vieler Eritrear nicht gehört.
    Sie hat die Ehre Eritreas verletzt..
    So ein Bullshit, dann hätte man vorher überlegen müssen, ob man seine Kinder für einen Krieg opfert oder nicht.
    UND TZIBAH war eine Millitärschule und manchmal wurde übe Eritreas Entstehung unterrichtet.
    Nicht mehr und nicht weniger.

    Kommentar von alem am 29. Februar 2008 um 11:43 | Link

  11. Und noch was zu dir Jazzy,
    du solltest einfach die Klappe halten, denn genau wie du schon sagst, hast du null Wissen um hier von Lüge oder nicht Lüge zu sprechen.
    Solche dumme Menschen wie du, die im Luxusland Deutschland leben, abends vor der Glotze sitzen und jeden Mist der da “verZAPPft” wird, glauben, sind die Gründe warum solche Boulavard magzine gut laufen.
    Wenn am nächsten Tag ein anderer Sender das Gegenteil recherieren würde, wärst du wahrscheinlich wieder eine der ersten Personen, die Ihren Senf hier auf diesem Forum abgeben würde um zu sagen wie gemein alle doch sind zu Senait Mehari.
    Also, tue uns allen den Gefallen und behalte deine Grötze für dich..
    Alem,
    aus Eritrea, der es ja wissen muss!!!

    Kommentar von alem am 29. Februar 2008 um 11:58 | Link

Rock my Boat!