Futtern

Gefüttert hab ich schon, die Tierchen nämlich.

Gefuttert auch, Bechersuppe.

Seitdem laufe ich schon wieder den ganzen Tag in der Wohnung herum, “wie ein Hund ohne Schwanz”. Appetit ja, Hunger nein, eigentlich, ehrlich gesagt, Langeweile, aber das auch nur, weil mich meine Hausaufgaben so anöden, dann mach ich auch mal kurz was, so alle halbe Stunde für 25 Minuten, länger reicht die Konzentration nicht. Danach wird gelangweilt in den Feedreader geschaut, mal nach den Mäuschen geguckt, kurz kraulen, Jens streckt im Schlaf seine Beinchen weg, Tiffy (ein Männchen) pennt wieder mit offenen Augen … Dringend, Hausaufgaben, Arbeit, knurrr, mmjaaadoch. Scheiße!

Und nichtmal einen guten Text im Kopf. Den von Björn angeregten zweiten Teil des Bus-Textes (die Rückfahrt) wird es wohl so schnell nicht geben, wann immer ich in den letzten Wochen mit dem Bus heimgefuhr, bin ich weggedöst. Darüber zu schreiben würde nur äußerst voyeuristische Gemüter erfreuen. Ich träume vornehmlich von Sex, falls es jemanden interessiert. Zweites Thema sind Monster, denen ich in meinem Träumen meist distanziert und überlegen begegne. Danach kommen Träume von Schöneweide. Nicht, daß es hier so schön wäre, aber ich habe schon immer von Schöneweide geträumt. Das hier ist der Raum, in dem ich mich bewege, beinah alle meine frühesten Kindheitserinnerungen sind hiermit verbunden.

Darf ich mal demonstrieren, wie sehr wir zusammengehören, ich und Schöneweide? Man schaue auf das Foto unten (ich weiß, ich hatte es schon einmal in anderem Zusammenhang gepostet):

dachpartybenbwsm.jpg

… und auch auf dieses hier (8 Jahre alt, einen Riesenarsch hab ich da, egal, jetzt seh ich anders aus, deshalb bin ich da schmerzlos) …

dachpartyschlumpfsm.jpg

Na, jedenfalls, man betrachte die Fotos, das zweite zeigt den Hinterhof des Gebäudes, auf dem wir die Dachparty zu Ostern gefeiert haben. Im Hof hinter dem Hinterhof jedenfalls wurde mal eine zerstückelte Leiche gefunden, das hab ich schon mal irgendwo - ja, genau - beschrieben. Meine Schwester hat sich dort einmal mit einem Berndte angelegt, vielleicht rührt daher meine Abneigung gegen diesen Namen, wer weiß, jedenfalls hab ich den Faden … nein, hab’s wieder:

Wichtig ist ja eigentlich das obere Foto.

In dem Haus, dessen hellen Giebel man rechts in Knöchelhöhe von Benjamins Füßen sieht, wurde ich gezeugt. Weiter die Straße runter haben wir gewohnt, bis ich drei Jahre als war. Ich kann mich nur sehr dunkel daran erinnern, daß die Toilette eine halbe Treppe tiefer war und ich in der Küche gewaschen wurde. Zwei Nummern weiter war eine Feuerwehr. Das habe ich aber erst mitbekommen, als ich älter war. Im Nachhinein fand ich es aber trotzdem aufregend, mal neben einer Feuerwehr gewohnt zu haben, war doch meine Lieblingsgeschichte lange Zeit “Bei der Feuerwehr wird der Kaffee kalt”, die davon handelt, daß die armen Feuerwehrmänner nicht zu Kaffee- und Kuchengenuß kommen, weil ständig was los ist. Katzen wollen gerettet werden und bestimmt brennt es auch irgendwo, ich hab’s vergessen.

Mein Kindergarten wäre, würde man aus dem Bild heraus weitergehen, etwa 4-5 cm weiter nach rechts. Da gab es mal eine Überschwemmung, mehr weiß ich nicht. Meine Mutti erzählt nur immer noch ganz aufgebracht, was für ein schrecklicher Ort diese Verwahranstalt war, mit Garten jedenfalls hatte er nichts zu tun. Die Spielfläche war betoniert, harter Beton, aber ich war härter - zumindest, bis ich mich mal wieder gemault hatte. Manchmal staune ich heute noch, wie meine Knie es jemals geschafft haben, das halbwegs unvernarbt zu überstehen. Ich war ein wildes Kind, kein blödes, nur um das mal klarzustellen, zum Heulen bin ich immer auf die Toilette gegangen, wenn ich hingeflogen war, auch eine kleine Julie hat ihren Stolz. Herumplärren, das war für die anderen.

Hab ich schon erzählt, daß ich Kaktus genannt wurde als Kind? Erstens, weil ich so frech war und zweitens, weil meine Mutti sehr wenig Talent zum Haareschneiden hatte. Irgendwas war immer schief und so wurde geschnippelt, bis ich aussah wie ein kleiner Junge. Das einzige Foto, auf dem ich wirklich aussehe wie ein kleines Mädchen hat der René verwurstet.

Hiner dem Antennenmast links sieht man einen Kirchturm, nochmal soweit wie bis dahin gegangen und man ist dort, wo ich gewohnt habe, bis ich mit 19 war. Dicht an einem Hochhaus, dem einzigen in Schöneweide, aber nicht so hoch, daß man es hier sehen könnte und schräg gegenüber der Grabsteinhauerei an der Wuhlheide. Auf dem dazugehörigen Friedhof (dazugehörig zur Grabsteinhauerei, nicht zum Hochhaus, obwohl das auch nicht unpassend wäre, habe ich doch dort nie junge Menschen hinein- oder herausgehen sehen) entstand übrigens das Foto zum “kein Titel“-Post. Das wäre dann aus dem Foto so etwa zwei Kilometer hinter dem Schornstein links.

Meine erste eigene Wohnung liegt etwa auf Wadenhöhe rechts, im Schnittpunkt des verlängerten Dachabsatzes, auf dem Benjamin sitzt und dem zweiten Fenster des Hauses mit dem hellen Giebel. Wer jetzt noch mitliest ist belastbar …

Meine jetzige Wohnung liegt so, daß ich vom Schlafzimmerfenster aus den Kirchturm sehe und aus dem Wohnzimmerfenster auf die große Pappel schaue, die ganz rechts im Bild zu sehen ist. Die Pappel wird mir ewig ein Rätsel bleiben, weil sie sich im Sturm unglaublich, wirklich un-glaublich weit hin- und herwiegen kann.

Auf Regen folgt immer wieder Sonnenschein, deshalb hier eine Art Fazit:

Pearl Jam - (My whole life) Like a picture on a sunny day (youtube)

Jeriko hat’s vorgemacht, mich hat eben auch wieder die Assoziationslust gepackt, wer das zu Ende gelesen hat, bekommt ein Eis, ich muß jetzt mal, Hausaufgaben und so. Schönen Tag noch!

Juni 1, 2007 | In Soso, Video | | TrackBack-URL

  1. 02.06.2007 - Oh, what a world. » Blog Archive » Kalter Kaffee
  1. Ein Nogger bitte ;)

    Kommentar von robert am 01. Juni 2007 um 21:28 | Link

  2. Ich nehme ein Nogger-Chok, wenn es das noch irgendwo geben sollte - mit einem leckeren, zarten Nougatkern.

    Komisch, ich träume sehr ähnlich. Wenn ich anderen erzähle, dass ich zu Alpträumen immer ein sehr distanziertes Verhältnis habe, mehr aus der Ferne interessiert als betroffen schockiert, dann gucken die meisten etwas komisch. Scheint bei Dir aber auch so zu sein! Alpträume hab ich allerdings auch kaum.

    Gefällt mir, dieses Entstehenlassen eines komplexen architektonischen und sozialen Raumes anhand der zweidimensionalen Daten eines einfachen Photos.

    Kommentar von Herman Stein am 02. Juni 2007 um 03:30 | Link

  3. Eis kommt immer gut. Ich mag Ed von Schleck, habe es vor Urzeiten das letzte Mal gegessen…
    Im Übrigen war “Bei der Feuerwehr wird der Kaffee kalt” auch eines meiner Lieblingskinderbücher neben “Dr. Aibolit”, das ich nun abends mitunter Freundin vorlesen darf und mich dabei tierisch (Achtung Kalauer!) freue.

    Kommentar von schtoeffie am 04. Juni 2007 um 13:51 | Link

Rock my Boat!